Fussball
Wen lässt Hitzfeld heute Abend gegen Island die Tore schiessen?

Die Schweiz misst sich heute Abend in Island mit einem hartnäckigen, aber sicher zu schlagenden Gegner. Einzige offene Frage im Schweizer Team: Wer spielt für den geperrten Derdiyok? Gavranovic, Ben Khalifa oder Mehmedi?

Etienne Wuillemin, Reykjavik
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Die Frage an Ottmar Hitzfeld lautete schlicht: Gibt es einen isländischen Einzelspieler, der eine Sonder-Beachtung verdient?

Der Schweizer Nationaltrainer überlegt kurz, dann legt er los und liefert gleich eine Aufzählung. Sigurdsson: «Der Star, sehr schusskräftig.» Finnbogason: «Jung, talentiert, gutes Auge fürs Spiel.» Gislason: «Super Techniker. Bjarnason: «Gute Übersicht.» Und immer weiter geht das, bis Hitzfeld fast die ganze Mannschaft erwähnt hat. Der isländische Journalist staunt und Hitzfeld schliesst: «Es ist kein Zufall, dass Island zwei Mal gewonnen hat.»

Auch die Schweiz siegte im September zwei Mal, am Freitag gegen Norwegen gab es immerhin ein 1:1 und deshalb kommt es heute im für einmal sonnigen Reykjavik zum Spitzenkampf zwischen Island und der Schweiz.

Isländer habe Fortschritte gemacht

Für Tranquillo Barnetta ist dieser Fakt «keine Überraschung», zu gross seien die Fortschritte der Isländer in letzter Zeit gewesen, «nach den jüngsten Siegen werden sie gegen uns mit noch grösserem Selbstvertrauen antreten.» Barnetta erwartet wie Hitzfeld einen Gegner, der die Bälle nicht einfach noch vorne schlagen will, sondern auch auf gepflegten Fussball setzt.

Die Ausgangslage vor dem vierten WM-Qualifikationsspiel ist trotzdem klar: Die Schweiz ist der Favorit. Mit welcher Aufstellung Hitzfeld spielen will, entscheidet er erst heute definitiv. Es zeichnet sich ab, dass Gavranovic anstelle des gesperrten Derdiyok beginnt und ansonsten alles beim Alten bleibt, also auch Rodriguez eine nächste Chance erhält.

Welche Erkenntnisse liegen aber nach den Spielen gegen Slowenien, Albanien und Norwegen vor? Die Nordwestschweiz zeigt in einer Kurz-Analyse zu jedem Mannschaftsteil Stärken und Schwächen der Schweiz auf.

Der Torhüter: Weltklasse

Vor der Heim-EM 2008 entschied Diego Benaglio den Dreikampf um den Platz im Tor gegen Zuberbühler und Coltorti für sich. Seither ist er unangefochten. Und warum das so ist, zeigte er in diesem Spätsommer und Frühherbst eindrücklich. Benaglio war im Nationalteam nur eines: Weltklasse. Gegen Slowenien und Albanien waren seine Paraden der Schlüssel zum Sieg. Gegen Norwegen parierte er vor allem in der 1. Halbzeit mirakulös und verhinderte damit die Niederlage.

Die Verteidigung: Überraschend

Es war das grösste Fragezeichen zu Beginn der WM-Qualifikation. Doch das Duo Djourou/von Bergen punktete mit souveränen Auftritten, entwickelte eine Stabilität, die in dieser Form nicht zu erwarten war. Lichtsteiner ist der unverzichtbare Läufer, der Shaqiri unterstützt. Es ist zu hoffen, dass er sich nicht bald zu einer nächsten gelben Karte reklamiert und gesperrt würde. Rodriguez aber ist das Sorgenkind, das die Unsicherheit des schlechten Bundesliga-Starts nicht verbergen kann.

Das Mittelfeld: Schub des Captains

Der Schweizer Topskorer heisst: Gökhan Inler. Das mag überraschend klingen, ist aber vielleicht kein Zufall. Inler ist so gut wie noch nie im Nationalteam. Er kann sich dank den offensiv agilen Shaqiri, Xhaka und Barnetta auf seine Rolle als Kämpfer und Ballverteiler im defensiven Mittelfeld konzentrieren. Er hat mit Behrami den Partner gefunden, der ihn effektiv unterstützt. Und er beginnt, sich in seiner Rolle als Chef und erste Ansprechperson der Jungen so richtig wohl zu fühlen.

Der Sturm: Licht am Horizont?

Eren Derdiyok ist ein Rätsel. An guten Tagen schiesst er drei Tore gegen Deutschland. An schlechten Tagen ist er unsichtbar – es war nicht selten der Fall. Gegen Norwegen verbessert, aber nun nach einer Verwarnung gesperrt. Es kommt die Chance für Mario Gavranovic. Seine Bilanz ist eindrücklich: 4 Spiele, 3 Tore. Trifft er auch heute wieder, kommt Hitzfeld nicht darum herum, die Hierarchie zu überdenken. Es wäre kaum zum Nachteil der Schweiz.Island - Schweiz. - Heute Dienstag, 20.30 Uhr (Schweizer Zeit). - Laugardalsvöllur-Stadion, Reykjavik. - SR Alan Kelly (Irl).

Voraussichtliche Aufstellungen

Island: Halldorsson (KR Reykjavik); Steinsson (Kayserispor/Tür), Arnason (Rotherham/4. Div. Eng), Ragnar Sigurdsson (FC Kopenhagen), Skulasson (Sundsvall/Sd); Gislason (FC Kopenhagen), Jonsson (Wolverhampton Wanderers), Hallfredsson (Hellas Verona), Bjarnason (Pescara); Gylfi Sigurdsson (Tottenham Hotspur), Finnbogason (Heerenveen/Ho). - Abwesend: Gunnarsson (gesperrt), Danielsson (krank).

Schweiz: Benaglio (Wolfsburg); Lichtsteiner (Juventus Turin), Djourou (Arsenal), Von Bergen (Palermo), Rodriguez (Wolfsburg); Behrami (Napoli), Inler (Napoli); Shaqiri (Bayern München), Xhaka (Borussia Mönchengladbach), Barnetta (Schalke); Gavranovic (Zürich). - Abwesend: Derdiyok (gesperrt).