FC Basel

Weitsichtig – aber risikoreich: Der Kommentar zum FCB-Engagement in Indien

Der FC Basel hat am Mittwochmorgen bekannt gegeben, dass er sich beim indischen Verein Chennai City FC engagiert. Der FCB ist der erste europäische Verein, der dies tut. Eine Einschätzung von Sportredaktorin Céline Feller.

Es ist ein historischer Schritt, den der FC Basel am Mittwoch bekannt gibt: Als erster europäischer Fussballklub beteiligt er sich an einem indischen Verein. Für einen einstelligen Millionenbetrag übernimmt die FC Basel Holding AG 26 Prozent des Chennai City FC (CCFC).

Im Vordergrund soll laut FCB-Präsident Bernhard Burgener die Unterstützung des Nachwuchses stehen. Er will das mögliche Entwicklungspotential nutzen und davon langfristig profitieren. Unternehmerisch ist dies ein cleverer Schachzug. Er zeugt von der Weitsicht von Burgener, der Fussball als reines Geschäft versteht. Er hofft, dass es in Indien zu einem ähnlichen Fussballboom wie in China kommen wird. Denn: der FCB profitiert von künftigen Erlösen des CCFC.

So weit, so gut. Nur: Der Aufwand – nicht nur finanziell, sondern auch ressourcentechnisch – und das Risiko sind gross. Insbesondere für einen Verein wie den FCB, der sich seit Burgeners Amtsantritt das Sparen und das heimische Element auf die Fahne geschrieben hat. Keiner weiss aber, was der indische Markt tatsächlich hergibt. Es kann eine Goldgrube sein, aber auch eine Fehlinvestition. Es ist ein Poker wie bei einem Spieler-Transfer, nur in grösseren Sphären.

Einen Schritt weiter als PSG, Barça und Co

Europäische Schwergewichte wie PSG, Barcelona oder Liverpool verzichteten bislang auf Investitionen in indische Fussballklubs. Sie engagieren sich lediglich in Nachwuchsakademien. Das jüngste Beispiel ist Borussia Mönchengladbach. Vor wenigen Tagen hat der Verein  eine Kooperation mit Minerva Punjab abgeschlossen – auch die Borussia verzichtet drauf, Geld zu investieren. Der Verein sagt, man wolle die Befürchtungen der eigenen Fans nicht schüren, dass durch eine Engagement, wie es der FCB eben getätigt hat, der Fokus auf das Kerngeschäft – die heimische Liga – verloren geht.

Die Reaktionen in Basel zeigen, dass es diese Angst auch in Basel gibt. Burgeners Handlungen werden seit seiner Übernahme des FCB äusserst kritisch beäugt. Diese neuste Entwicklung wirft noch mehr Fragen auf. Denn sportlich ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar. Bis er es finanziell werden könnte, wird es lange dauern. Erst wenn die Basler E-Sports-Abteilung auf dem asiatischen Markt Fuss fassen und Gewinn abwerfen kann. Oder dann wenn der indische Fussball dermassen an Attraktivität zulegt, dass die 26 Prozent dereinst ein Vielfaches der getätigten Investition wert sein werden und der Gewinn dem Kader der ersten Mannschaft des FC Basel zugute kommt.

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