Champions League

Was Liverpool im Final gegen Real Madrid in drei Wochen besser machen muss als in Rom

Die Mannschaft von Liverpool lässt sich nach dem Rückspiel in Rom von den Fans feiern – trotz einer 2:4-Niederlage.

Die Mannschaft von Liverpool lässt sich nach dem Rückspiel in Rom von den Fans feiern – trotz einer 2:4-Niederlage.

Erstmals seit elf Jahren steht der FC Liverpool wieder in einem Champions-League-Final. Das Halbfinal-Rückspiel gegen die AS Roma deckte aber schonungslos die Schwächen der «Reds» auf. Sie können nicht verteidigen – und sind extrem abhängig von ihrem famosen Sturm-Dreizack. Eine Analyse.

Vor zwei Jahren stand der FC Liverpool zum letzten Mal in einem europäischen Endspiel. In Basel verlor das Team von Jürgen Klopp den Europa-League-Final gegen Sevilla mit 1:3. Es war bereits die fünfte Final-Niederlage des charismatischen Erfolgstrainers (3 Mal mit Dortmund, 2 Mal mit Liverpool), weshalb er in den Katakomben des St.Jakob-Park ein Versprechen abgab: «Ich werde alles dafür tun, um wieder einen Final zu erreichen. Und danach werde ich als Sieger an der Pressekonferenz sitzen.»

Jürgen Klopp will endlich wieder einmal einen Final gewinnen.

Jürgen Klopp will endlich wieder einmal einen Final gewinnen.

Im Final steht Klopp mit Liverpool nun also wieder. Am 26. Mai treffen er und seine «Reds» im Endspiel der Königsklasse in Kiew auf Real Madrid, das den Titel zuletzt zweimal in Folge gewann. Will Liverpool den Hattrick der Königlichen verhindern, muss es sich im Vergleich zum Halbfinal-Rückspiel aber gewaltig steigern, sonst wird gegen Real wenig zu holen sein.

Liverpool zum achten Mal in einem Europa-Final

Mit berauschendem Offensiv-Fussball hatte sich Liverpool im Hinspiel bis zur 80. Minute eine 5:0-Führung herausgespielt und dann noch zwei dumme Gegentore kassiert. Deshalb wollte im Rückspiel die Spannung nie so richtig verfliegen, obwohl die Engländer zweimal ein Tor vorlegen konnten.

Am Ende brachten eine gehörige Portion Glück, das Wohlwollen des Schiedsrichters sowie individuelle Fehler und der fehlende Glaube der «Giallorossi» an ein zweites Wunder Liverpool in den achten europäischen Final der Klubgeschichte.

«Die zwei Tore in den letzten Minuten sind wie Zahnweh: Braucht kein Mensch», fasste Klopp bei Sky die Schlussphase der 2:4-Niederlage im Olimpico zusammen. Zahn- beziehungsweise Kopfschmerzen dürfte «Kloppo» vor allem seine Defensive bereiten.

Schwacher Liverpool-Auftritt

Trotz der frühen 1:0-Führung durch Sadio Mané und dem beruhigenden 2:1 durch Georginio Wijnaldum in der 25. Minute wirkte die Liverpool-Verteidigung oft wie ein wilder Hühnerhaufen.

Die Gäste, die in ihrer gewohnt offensiven 4-3-3-Formation mit dem Dreizack Mané/Firmino/Salah antraten, machten sich mit vielen Fehlpässen (Passquote 69,2 Prozent) und noch mehr verlorenen Zweikämpfen (nur 44,1 Prozent gewonnen) das Leben aber auch selbst schwer. 

Bei Milners Eigentor zum 1:1 reiht sich eine Unzulänglichkeit an die andere

Liverpool überliess der Roma ausserdem komplett die Flügel, weshalb die Italiener über aussen stets gefährlich blieben. Mit 35 Flanken wurden die grossgewachsenen Stürmer Edin Dzeko und Patrik Schick gefüttert – vor allem in den ersten 25 Minuten brannte es vor Liverpool-Goalie Loris Karius, der wenig Souveränität ausstrahlte, deswegen immer wieder lichterloh. Insgesamt liessen die «Reds» 24 Torschüsse zu.

Tweet: Der torreichste Halbfinal der Geschichte

Wieder einmal zeigte sich, dass Liverpool keine Auswärtsmannschaft ist. An der Anfield Road in dieser Saison noch ohne Niederlage treten die «Reds» auf fremden Terrain nie gleich engagiert auf.

Immer wieder versuchte man es mit langen Bällen in die Spitze, doch damit war gegen die Roma nur wenig auszurichten. Bezeichnend die Zweikampf-Quoten von Firmino (15,4 Prozent) und Salah (36,4 Prozent), die im Gegensatz zum starken Mané kaum in Aktion traten.

Der Plan B fehlt

Überhaupt gilt: Sobald die hervorragend bestückte Offensive nicht für die nötige Entlastung sorgt, bekommt Liverpool Schwierigkeiten und zeigt sich die defensive Anfälligkeit. Einen Plan B scheint die Mannschaft von Klopp nicht zu haben. Funktioniert das schnelle Umschaltspiel mit Pressing und Gegenpressing nicht, funktioniert Liverpool nicht. Und genau das könnte gegen Real zum Verhängnis werden.

Trainer Zinédine Zidane hat die Königlichen seit seinem Amtsantritt nämlich zu einem System-Chamäleon geformt. Konterfussball, Kurzpassspiel oder tiefes Verteidigen – Real beherrscht sämtliche Varianten und kann während des Spiels von der einen zur anderen wechseln.

Was, wenn der Liverpool-Dreizack (von links: Salah, Mané und Firmino) im Final gegen Real nicht sticht?

Was, wenn der Liverpool-Dreizack (von links: Salah, Mané und Firmino) im Final gegen Real nicht sticht?

Liverpool muss im Hinblick auf den Final in Kiew also vor allem zwei Dinge tun:

  • Die anfällige Defensive stabilisieren
  • Auf ein weiteres Offensiv-Feuerwerk von Mané, Firmino und Salah hoffen

Mit 29 Toren (von 46) hat das MFS-Trio gerade die Champions-League-Bestmarke von BBC (Gareth Bale, Karim Benzema, Cristiano Ronaldo) geknackt, die in der Saison 2013/14 zusammen auf 28 Treffer kamen.

Diesen Rekord hat Liverpool Real Madrid also bereits abgeluchst, am 26. Mai will es den Königlichen auch noch den Henkelpott aus den Händen reissen. Doch das wird mit Sicherheit ein hartes Stück Arbeit.

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