Irgendwann wurde es für die Thuner Fans nur noch mit Galgenhumor erträglich. «Was hat der Schiri gewettet», rief einer in die Runde. Ernst gemeint war dieser Spruch nicht. Aber was Schiedsrichter Nikolaj Hänni gestern gepfiffen hat, grenzt an Wettbewerbsverzerrung. Unmittelbar nachdem er dem 20-jährigen Luzerner Sava Bento Miladinovic in der 27. Minute zu Recht die gelb-rote Karte zeigt, schaut er zu, wie Ferreira Lüthi eine Ohrfeige verpasst. Doch Hänni fehlt der Mut, gleich noch einen zweiten Luzerner des Feldes zu verweisen.

Hännis Darbietung ist eine Lotterie. Mal sieht er etwas nicht, was alle im Stadion sehen. Mal sieht er etwas, was keiner sieht. Immerhin beweist er viel Fantasie. Wie in der 51. Minute. Da pfeift er Penalty für den FC Luzern und lässt damit alle im Stadion ratlos zurück. Am ehesten hat er ein Vergehen von Thuns Verteidiger Klose gegen Tomislav Puljic gesehen. Doch bei genauerem Hinschauen hätte er erkennen müssen, dass Klose kein Foul, Puljic stattdessen ein Handspiel begangen hatte. Wenig Verständnis fanden die Thuner auch für die gelb-rote Karte gegen Demiri, die viel zu hart war.

Thuns Trainer Murat Yakin bewies jedoch Grandezza und ging nach dem Spiel verhältnismässig behutsam mit dem Schiedsrichter um. Natürlich kritisierte er die nicht geahndete Tätlichkeit Ferreiras. Aber er tat dies in moderatem Ton. Bissigere Worte fand er stattdessen für den Auftritt seiner Mannschaft, der naiv gewesen sei. «Wir sind mental nicht auf der Höhe, um einen 3:1-Vorsprung über die
Runden zu bringen», monierte der 36-Jährige und schüttelte dabei immer wieder den Kopf. Dann kritisierte er seinen Verteidiger Klose, weil er beim frühen 0:1 Puljic nicht am Kopfball hinderte. Danach war die Reihe an Schirinzi, weil dieser bei Gygax’ Prachtstreffer zum 3:3 zu passiv agiert habe. Trotzdem fand Yakin nach dem 14. Unentschieden in dieser Saison, dass sein Team intakt sei.

Thun war bis zum Ausschluss von Miladinovic blockiert. Der FC Luzern indes kontrollierte die Partie und hätte sogar in Unterzahl das 2:0 erzielen können. Doch Gygax, der sich im Vergleich zu den letzten Auftritten enorm gesteigert hatte, scheiterte an Torhüter Da Costa. Darauf folgten zehn Minuten, während deren den Thunern alles, den Luzernern gar nichts gelang. Klose rehabilitierte sich für seinen Fehler beim ersten Gegentreffer und erzielte per Kopf das 1:1. Taljevic, Demiri, Lezcano und schliesslich Proschwitz bewiesen beim 2:1, dass man selbst auf dem Lachen-Acker, der eher für Trabrennen taugt, schönen Fussball zelebrieren kann. Und Ifet Taljevic veredelte in der Nachspielzeit seine engagierte Leistung nach Vorarbeit von Roland Bättig mit dem 3:1.

Am Schluss musste Thun um den einen Punkt sogar noch froh sein. Denn in der letzten nennenswerten Aktion entschärfte Schirinzi auf der Linie einen Puljic-Kopfball. Doch ein 3:4 wäre nicht mal mehr mit Galgenhumor erträglich gewesen.