Beim FC Basel war Valentin Stocker unumstritten. Nun muss er sich mit der Rolle des Reservisten begnügen. Dass dies jetzt so ist, liegt nicht zuletzt an Salomon Kalou.

Eigentlich ist Hertha-Berlin-Trainer Jos Luhukay ja ein Verfechter flacher Hierarchien. Doch in Salomon Kalou könnte Hertha bald wieder einen herausragenden Führungsspieler in seinen Reihen haben – wie einst Marcelinho oder Marko Pantelic. Ganz zum Fluch von Stocker.

Ein fantastischer Mensch

Rückblick: Trotz der herbstlichen Kälte zog Kalou sein Trikot aus und warf es einem Fan auf der Tribüne zu. Nach seinem ersten Bundesliga-Tor beim 1:0-Erfolg über den VfL Wolfsburg präsentierte sich der Champions-League-Sieger von 2012 als Star zum Anfassen – wohl wissend, dass man sich Erfolg im Leben hart erarbeiten muss.

«Er ist ein fantastischer Mensch», lobte Luhukay seinen Last-Minute-Einkauf. «Ich glaube, dass er sich bei uns schon wohlfühlt. Wenn der sportliche Erfolg dazukommt, sind wir auf einem guten Weg.» Auch Mitspieler Per Skjelbred wusste über den 67-maligen Nationalspieler und zweifachen WM-Teilnehmer der Elfenbeinküste nur Gutes zu berichten: «Ein netter Kerl, und ein toller Spieler. Gute Technik, starke Dribblings.»

Kalou selbst strahlte nach dem Spiel übers ganze Gesicht. «Das Tor war vor allem für die Mannschaft wichtig.» Mit seinem wuchtigen Kopfball hatte der Drei-Millionen-Einkauf seinem Team nach vier vergeblichen Anläufen den ersten Saisonsieg beschert. «Der Trainer hat mich Schritt für Schritt aufgebaut. Das war gut», sagte Kalou, der nach zwei Einwechslungen erstmals von Beginn an spielte und die «Alte Dame» prompt aus dem Tabellenkeller köpfelte. «Kalou can do», lautete das Motto in der Hauptstadt.

Tritte auf die nackten Füsse

Wie Stocker kam auch Salomon Kalou neu nach Berlin, doch anders als der Schweizer scheint er sich nun durchzusetzen. Und damit ist auch klar, dass es für Stocker noch einen Platz weniger gibt im Team.

Das bescheidene Auftreten von Kalou neben dem Platz hat viel mit dem entbehrungsreichen Weg zu tun, den der Ivorer in seiner afrikanischen Heimat gehen musste. Seine Füsse sind vernarbt, weil er in der Fussball-Akademie von Abidjan lange ohne Schuhe spielen musste. Fussballschuhe gab es nur für die älteren Jahrgänge. «Immer, wenn die Grossen das Gefühl hatten, dass wir gewinnen könnten, sind sie uns auf die nackten Füsse getreten», erzählte Kalou einst.

Gelernt von den Stars

Geprägt wurde «Kalounho», wie der Torjäger in seiner Heimat genannt wird, in seiner Chelsea-Zeit (2006 bis 2012) von Stars wie Michael Ballack oder Didier Drogba. «Sie sind eben die mit dem grossen Namen. Selbst, wenn du alles gibst, kommst du nicht an denen vorbei.» Mit Sonderschichten arbeitete er sich aus dem Schatten. «Jetzt habe ich selbst die Erfahrung und kann den jungen Spielern bei Hertha etwas davon mitgeben.»

Hertha kann die Erfahrung gut gebrauchen. Der Klub hat sich vom Diktat des Kollektivs gelöst, will sich auch mit individueller Stärke in der Bundesliga etablieren. Kalou kann einer der Wegbereiter sein, der in Spielen den Unterschied macht. Trainer Luhukay will von einer Sonderrolle noch nichts wissen. «Wir haben darauf geachtet, Spieler mit Charakter zu holen. In dieses Gefüge passt er gut rein.»

Für Stocker müssen solche Aussagen ein Schlag ins Gesicht sein. Er wartet noch immer darauf, auch in dieses Gefüge zu passen. Kalou steht im dabei im Weg.