Holland
Warum Südafrikaner auch Holländer sind

Die Buren landeten 1652 in der Tafelbucht und ihre Nachfahren feiern nun in Orange mit den Europäern.

Drucken
Teilen
Warum Südafrikaner auch Holländer sind

Warum Südafrikaner auch Holländer sind

Ronny Blaschke, Kapstadt

Für die Länge einer Halbzeit ging es im holländischen Generalkonsulat zu wie in einem Jugendklub. Freunde des Fussballs drängten in das Gebäude an der Strand Street, vor ihnen stand David de Waal, Konsul in Kapstadt, und machte Faxen.

Er trug das orange Trikot seiner Heimat und blies in eine Plastiktröte, vor einer hohen Wand, bedeckt mit holländischen Fussballpostern. Er wurde beobachtet von Kapstadts Bürgermeister Dan Plato, der wenig von dem Getröte wahrnehmen konnte. Plato trug Ohrenschützer, natürlich in Orange, vom holländischen Erfinder Muffrica genannt.

Konsul de Waal und Bürgermeister Plato freuten sich wie vor einem Spiel auf dem Bolzplatz. Plato lächelte und sagte: «Wir Südafrikaner unterstützen das holländische Team, wenn unser Team nicht spielt.» Er sagte das vor dem letzten Gruppenspiel Südafrikas gegen Frankreich, er wusste nicht, dass Bafana bald ausscheiden würde.

Doch was vermutlich als Höflichkeitsfloskel gemeint war, sollte wahr werden: Viele Südafrikaner sind nach der Vorrunde zu Teilzeit-Holländern geworden. Bafana statt in Gelb, nun in Orange. «Uns verbindet sehr viel», sagt David de Waal. Viele Südafrikaner haben holländische Wurzeln, kennen jemanden mit holländischen Wurzeln oder kennen jemanden, der jemanden kennt mit holländischen Wurzeln. Sie alle unterstützen Holland heute im Viertelfinale gegen Brasilien.

Millionen sprechen Afrikaans

Vermutlich hat kein Land Südafrika so beeinflusst wie Holland. Am 6. April 1652 war Jan van Riebeeck mit achtzig Gefolgsleuten in der Tafelbucht gelandet. Die Buren, die Bauern, liessen sich nieder und forderten ihr Recht ein, unterbrochen von der britischen Kolonialisierung. Ihre Sprache, Afrikaans, eine Kreuzung aus Holländisch, Deutsch, Französisch, Malay und Nguni-Sprachen, wird noch heute von Millionen Südafrikanern gesprochen. Holländer können sich am Kap problemlos verständigen.

Die historische Beziehung wird nun in der Gegenwart des Fussballs gepflegt. Die holländische Botschaft in Pretoria wird bis zum Ende der WM in ein oranges Licht getaucht sein. Das Konsulat in Kapstadt wird von einem riesigen Plakat verziert, auf dem ein Streifen in den Farben der holländischen Flagge in das Greenpoint Stadion fliesst, darüber der Schriftzug: «Mit Stolz in Südafrika».

Nicht nur in den angrenzenden Häusern hängen Fahnen mit denselben Farben aus den Fenstern. Vor dem Spiel Holland gegen Kamerun zogen Zehntausende durch Kapstadt. Mehr als tausend Fans waren in Wohnwagen aus der Heimat nach Südafrika gereist, es gab kaum Flüge.

Viele Südafrikaner schlossen sich an, auch die Studentin Marette Odendaal aus der Kleinstadt Swellendam. «Die WM führt uns vor Augen, wie sehr wie mit Holland verbunden sind, nicht nur wegen der Sprache», sagt sie. Im Stadion hing ein Banner: «Die Kaap is weer oranje», das Kap ist wieder orange. Ein Spruch, der vielen Schwarzen weniger Frohsinn vermittelt hat. Die Buren haben auch viel Leid über die Südafrikaner gebracht.

Besuch als Geste

Hollands Trainer Bert van Marwijk antwortete mit einer Geste. Er gab er seinen Spielern einen Vormittag frei. So konnten sie nach Robben Island übersetzen, auf die Gefängnisinsel, ein Symbol des weissen Apartheidregimes, zehn Kilometer vor der Küste Kapstadts, wo Nelson Mandela 18 seiner 27 Haftjahre verbracht hatte. Auch diesen Besuch werten die Zeitungen Kapstadts als Bekenntnis der Holländer zu Südafrika.

Aktuelle Nachrichten