WM14
Warum Mehmedi von Anfang an gegen Frankreich spielen muss

Die Leistung, die Admir Mehmedi nach der Einwechslung auf dem Platz gegen Ecuador zeigte, war stark. Nun drängt der Torschütze zum Ecuador-Ausgleichstreffer gegen Frankreich in die Startelf – warum durfte er bisher eigentlich nicht?

Etienne Wuillemin, Salvador
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Torschütze Admir Mehmedi wird wohl gegen Frankreich in die Startelf rücken.

Torschütze Admir Mehmedi wird wohl gegen Frankreich in die Startelf rücken.

Keystone

Gut, ist Admir Mehmedi Fussballer geworden. Als Reiseleiter würde er sich nicht für die Auswahl der besten Schweizer aufdrängen. Als Mehmedi im Schweizer Fernsehen über den Kontakt mit der brasilianischen Bevölkerung sprach, sagte er: «Die Leute hier sprechen halt nur spanisch. Da ist es für viele von uns schwierig, zu kommunizieren. Die meisten von uns sprechen kein Spanisch ...» «... oder Portugiesisch, damit kommt man hier auch gut durch», versuchte Moderator Lukas Studer noch zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Den Eindruck, den Mehmedi am vergangenen Sonntag auf dem Rasen von Brasília hinterlassen hatte, war ungleich besser. Zwei Minuten und acht Sekunden stand er erst auf dem Platz, als er per Kopf zum 1:1 traf.

Und weil Valentin Stocker, für den Mehmedi in der Pause ins Spiel kam, nicht das Geringste gelang, ist die Frage einmal mehr aktuell: Gehört Admir Mehmedi gegen Frankreich in die Startelf?

Lösung des «Spielmacher-Problems»

Während der Schweizer WM-Vorbereitung zielte die Debatte darauf, dass der formstarke Mehmedi dank seinen zwölf Saisontreffern in der Bundesliga eine Lösung für das «Spielmacher-Problem» sein könnte, das die Schweiz seit dem Ende der Ära Hakan Yakin plagt.

Seit dem ersten Spiel nach dem Umbruch am 4. Juni 2011 gegen England bekleidet Xhaka die Position. Mit je länger desto geringerer Wirkung.

Xhaka ist so etwas wie die Symbolfigur dieser neuen Schweiz. An ihm hält Hitzfeld seither stets fest. Und es würde überraschen, wenn er es nicht weiter täte. So will Hitzfeld Xhaka und Mehmedi nicht vergleichen, weil er völlig unterschiedliche Rollen in ihnen sieht.

Xhaka ist der Team-Stabilisator an vorderster Front. Mehmedi im Geiste viel offensiver. Er lässt sich weniger gern in ein Schema pressen. Darin eingeengt verliert er viel von seiner Gefährlichkeit. Der offensive Freigeist widerstrebt einem ordnungsliebenden Trainer wie Hitzfeld aber. Darum lässt er Mehmedi mehr auf den Seiten spielen.

Die Rolle von Mehmedi lässt sich leicht an seinen Einsatzstatistiken im Nationalteam ablesen. Zu 9 seiner 22 Einsätze kam er als Einwechselspieler. Noch aufschlussreicher ist der Fakt, dass bei seinen 13 Spielen von Beginn weg nur drei Pflichtspiele darunter waren, zwei davon waren gar «Kehrausspiele» in der EM- und WM-Qualifikation.

Für die Wende gegen Ecuador verantwortlich

Seit Sonntag hat sich die Ausgangslage noch einmal verändert. Mehmedi hat sich nach seiner bereits hervorragenden WM-Vorbereitung erneut in den Vordergrund gespielt. Nicht nur wegen seines Tores. Danach sagte er: «Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich nicht von Beginn weg spielte, aber ein Profi muss das wegstecken können.»

Nun greift Mehmedi also die Position von Stocker an. Die Frage ist, inwiefern die Vergangenheit in Hitzfelds Überlegungen eine Rolle spielt. Nach dem Startsieg gegen Spanien vor vier Jahren veränderte er die Mannschaft – und verlor dann prompt gegen Chile. Doch diesmal ist die Ausgangslage anders.

Gegen Ecuador waren die Einwechselspieler Mehmedi und Seferovic explizit für die Wende verantwortlich.

Hitzfeld betonte stets, wie wichtig die Bank sei. Wenn er nun das Team beisammen lässt, dann sendet er ein ungutes Signal an die Ersatzspieler: Nämlich, dass ihre Leistungen überhaupt keinen Einfluss haben und die Startelf in Stein gemeisselt ist.

Auffällig im ersten WM-Spiel war, wie sehr die Schweizer unter der fehlenden Kreativität im Mittelfeld litten. Mehmedi liess sich viel häufiger in die Mittelzone zurückfallen als sein Vorgänger Stocker.

Er sucht die Einbindung ins Spiel aktiv. Wohingegen Stocker seine Position viel mehr als Flügelstürmer interpretierte, dabei aber völlig verloren ging.

Das lag teilweise auch daran, dass ihn die Mitspieler weniger forcieren als beim FC Basel. Zudem kann es nur von Vorteil sein, wenn im offensiven Mittelfeld nicht nur Linksfüsser spielen.

Vieles spricht im Vorfeld des Spiels gegen Frankreich also für Admir Mehmedi. Eines ist jedenfalls gewiss: Das Schweizer Team, oftmals verschrien als Mannschaft, die zwar in ihrer Grundkomposition gut aufgestellt sei, aber zu wenig breit sei, hat bewiesen, über Alternativen auf der Ersatzbank zu verfügen.

Ob der Jubelschrei nach dem entscheidenden Tor spanisch, portugiesisch, albanisch, französisch oder deutsch vorgetragen wird – das interessiert dann niemanden mehr.

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