Fussballanalyse
Warum der Wechsel zu Vladimir Petkovic der Nati nur gut tut

An der Fussball-WM 2014 hat unsere Nationalmannschaft nicht Geschichte geschrieben. Mit dem neuen Trainer Vladimir Petkovic ist auch Zeit für weitere Veränderungen – bis zur EM 2016 gehts nicht mehr lange.

Etienne Wuillemin
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Schafft es der neue Nati-Trainer Vladimir Petkovic (links) mit der Nati an die EM 2016 in Frankreich?

Schafft es der neue Nati-Trainer Vladimir Petkovic (links) mit der Nati an die EM 2016 in Frankreich?

Keystone

Die Worte waren immer wieder zu hören, zu lesen, zu spüren gar: «Wir wollen Geschichte schreiben!» Was bleibt davon nach dieser WM? Mit Schweizer Auftritten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können? «Geschichte schreiben» bedeutet, dass sich künftige Generationen an ein Ereignis erinnern werden. Dass bisher geltende Gesetze ausser Kraft gesetzt werden. Nach dieser Definition haben die Schweizer Fussballer und Trainer Ottmar Hitzfeld keine Geschichte geschrieben. Die Tradition der ehrenvollen Niederlagen bleibt bestehen.

Die Schweiz bewies, dass sie Widerstände überwinden kann

Gewiss gibt es Momente und Szenen aus diesem Achtelfinal-Drama, die uns lange in Erinnerung bleiben. Benaglios Paraden. Dzemailis Kopfball an den Pfosten. Oder Drmics vergebener «Chip»-Versuch. Und natürlich ändert die fehlende Historie nichts an der aufopferungsvollen, disziplinierten Schweizer Leistung. Darauf dürfen Spieler und Fans stolz sein. Erfreulich war auch die eklatante Steigerung in den letzten beiden Partien. Die Schweiz hat im Nachgang des 2:5-Debakels gegen Frankreich bewiesen, Widerstände überwinden zu können. Dies ist der grösste Verdienst von Hitzfeld.

Seine Ära ist nach sechs Jahren zu Ende. Die Bilanz lautet: ordentlich. Aber gut oder gar herausragend ist sie nicht. Als «Messias» angekündigt und mit einem riesigen Palmares angetreten, hätte man mehr erwarten dürfen als eine WM-Achtelfinal-Teilnahme in sechs Jahren. Vor allem hat diese Mannschaft mehr Talent im spielerischen Bereich, als es Hitzfeld zuliess. Deshalb wird der Wechsel auf der Trainerposition der Schweiz gut tun.

Die Zeit ist gekommen, um Fragen zu stellen

Vergleiche zwischen Fussball und Eishockey sind mit Vorsicht zu geniessen. Trotzdem: Die Schweizer Eishockeyaner erlebten drei Jahre vor dem Einzug in den WM-Final eine bittere Enttäuschung, als sie den Viertelfinal gegen Deutschland verloren. An dieser Erfahrung sind sie gewachsen. Vielleicht wachsen auch die Fussballer an der Niederlage gegen Argentinien. Nach Jahren des Beton-Eishockeys unter Ralph Krueger brauchte es einen mutigen Trainer wie Sean Simpson, um das brachliegende Talent auszuschöpfen.

Vladimir Petkovic kann nun beim Fussball-Nationalteam dasselbe tun. Es ist ihm zu wünschen, dass er personell einiges ausprobiert. Dass er es wagt, Fragen zu stellen. Ist Inler der richtige Captain? Ist der Zeitpunkt gekommen, um ein Goalie-Duell auszurufen? Gibt es für einige Spieler Rollen, in die sie besser hineinpassen als derzeit? Der Zeitpunkt für Veränderungen ist optimal. An der EM 2016 in Frankreich nehmen 24 Mannschaften teil. Die Qualifikation ist auch dann möglich, wenn es den einen oder anderen Rückschlag geben sollte.

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