England

Warum der Erfolg von Leicester City aus Thailand kommt

Vichai Srivaddhanaprabha setzt auf thailändische Familienwerte.imago

Vichai Srivaddhanaprabha setzt auf thailändische Familienwerte.imago

Nur noch wenige Runden sind in der Premier League zu spielen und weiter thront Leicester City auf dem ersten Platz. Der Erfolg des Überraschungsteams hat 2010 begonnen, mit dem Verkauf des Klubs an den thailändischen Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha.

Englands Fussball wird diese Saison von einem Überraschungsteam dominiert: Leicester City, letztes Jahr vom Abstieg bedroht, liegt sieben Spiele vor Schluss der Saison mit acht Punkten vor dem ersten Verfolger. Für Traditionsteams wie Manchester United, Liverpool und Chelsea ist der Titelkampf gelaufen. Dabei ist Leicester eines der billigsten Teams der ganzen Premier League. LautTransfermarkt.com beläuft sich der Wert der Mannschaft auf 127 Millionen Euro, derjenige von Chelsea auf knapp 500 Millionen.

Seit 2014 und einem Jahr Absenz wieder in Englands Topliga, hatte der phänomenale Aufstieg von Leicester im Jahr 2010 begonnen, und zwar mit dem Verkauf des Klubs an den thailändischen Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha, Inhaber von Thailands Duty-FreeMonopol «King Power», das auch in Restaurants, Hotels und Sonnenenergie investiert.

Keine Angeber

Bangkoks Hauptflughafen Suvarnabhumi, wodurch jedes Jahr 50 Millionen Passagiere geschleust werden, ist vollgepflastert mit Leicester-Werbung. Und auch wenn im Fussball-fanatischen Königreich die Treue der meisten Fans Manchester United oder Liverpool gebührt, ist Leicester selbst in England der heimliche Favorit vieler. Weil sie keine Angeber sind. «Jeder mag sie, sie sind nicht arrogant», sagt Taku Hosaka, ein in Thailand spielender japanischer Fussballprofi. Auch ohne Fan zu sein, man gönnt dem Emporkömmling den Titel.

Klubbesitzer Vichai hat mit dem Leicester-Kauf ein goldenes Händchen bewiesen, ohne dass ihn dies überraschen würde. 2014 versprach er, 230 Millionen Euro in den Klub zu pumpen – «das stört uns überhaupt nicht» –, um in drei Jahren an der Spitze zu sein, wobei er mit Spitze die fünf Topteams meinte.

Die Gründe für den Erfolg sind vielfältig. So pilgern sechs thailändische Mönche regelmässig nach Leicester, um den Klubrasen und das Stadion zu segnen. Und Vichai hält thailändische Familienwerte hoch. Das sei die Kultur, die man nach England brachte. Sich den Spielern, dem Manager und den Angestellten widmen. Den Klub wie eine Familie managen, ein offenes Ohr für die Probleme von jedem Einzelnen haben.

Selbstredend, dass Leicester die durchzogene Saison der Traditionsklubs zugutekommt. Doch für Vichai waren die Früchte, die er jetzt erntet, immer schon klar gewesen. «Am Tag, als wir das Team kauften, hatten wir uns in 30 Minuten entschieden», sagt sein Sohn Aiyawatt, der den Klub hinter den Kulissen managt.

Fette Dividenden

Knapp 50 Millionen Euro blätterte sein Vater damals hin. Inzwischen sind weitere rund 80 Millionen dazugekommen. Eine Investition, die sich bald mit Dividenden auszahlen dürfte. Allein für die Spielsaisons 2016 bis 2019 sind Rekordsummen für TV-Rechte in der Höhe von 6,5 Milliarden Euro ausgehandelt worden. Der letztjährige Titelgewinner Chelsea erhielt 99 Millionen Pfund, umgerechnet 125 Millionen Euro, selbst die viertplatzierten Manchester United kamen noch auf 97 Millionen Pfund. Plus Champions League, die mindestens weitere 40 Millionen Pfund wert ist.

Und King Power ist nicht das einzige Produkt aus Thailand auf den Trikots von Premier-League-Mannschaften. Die Bierbrauer Singha und Chang sponsern Chelsea beziehungsweise Everton, mit der Konsequenz, dass in den Stadions der Klubs der bierverrückten Nation exklusiv Sponsorenbier zu trinken ist. Um enttäuschte Chelsea-Fans bei Laune zu halten (derzeit Rang 10), spendierte Singha im Februar jedem Besucher eine Flasche. Was schon bei Leicester City vergangene Saison, als der Abstieg drohte, Wunder gewirkt hatte. Nach dem Freiausschank von Bier (ebenfalls Singha) setzte das Team zum Höhenflug an.

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