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Warum Christoph Spycher Sportchef der Berner bleibt und nicht zur Nati wechselt

Die bisherige Krönung: Spycher feiert mit YB im April 2018 den Meistertitel.

Die bisherige Krönung: Spycher feiert mit YB im April 2018 den Meistertitel.

Christoph Spycher hat sich gegen den Job als Nati-Manager entschieden. Er bleibe vorerst bei YB, verkündete er an einer Pressekonferenz.

Da sitzt er auf dem Podest. Und eigentlich neigt sich der Mittag schon dem Ende zu. Alles scheint gesagt. Spieler, Trainer und er, der Sportchef, haben entspannt über die vergangenen Wochen bei YB gesprochen. Über die kommenden Herausforderungen, über den gigantischen 19-Punkte-Vorsprung auf den FC Basel, über das tolle Trainingscamp. Aber dann hält Christoph Spycher inne. Und sagt: «Ich habe in den letzten Tagen einen Grundsatzentscheid gefällt. Ich gehe den Weg mit YB weiter und stehe für den Job als Nati-Manager nicht zur Verfügung.»

Es ist ein Satz, der für YB wichtiger ist als alle Siege, die in den kommenden Wochen und Monaten folgen werden. Denn Spycher ist der Architekt des Berner Erfolgs. Und wird nun seine Arbeit weiterführen. Der konkrete Vertrag ist noch nicht unterschrieben, das wird folgen, sobald es die Zeit zulässt. Die Transferzeit ist für einen Sportchef stets hektisch, Ende Januar schliesst das internationale Fenster.

Spycher zur Nati? Später!

Spycher war der Wunschkandidat des Schweizer Fussballverbands für die neue Stelle als Supermanager. Er hat sich einen Überblick verschafft, wie das Aufgabenprofil aussehen würde. Und es ist nicht so, dass ihn die Herausforderung nicht gereizt hätte. «Es ist kein Entscheid gegen den Verband. Es ist durchaus ein Job, der irgendwann interessant werden könnte. Aber der Zeitpunkt stimmt nicht. Es ist nicht der richtige Moment, um YB zu verlassen.»
Immer wieder gab es in den letzten Wochen Gerüchte, Spycher überlege, ob er seinen Vertrag bei den Bernern tatsächlich verlängern wolle. Und wenn, dann nur, falls einige Dinge angepasst werden. Beispielsweise setzte er durch, bald einen Assistenten in seinem Team zu erhalten.

Das Jahr 2018 war eines zum Träumen für die Young Boys. Im Frühling der erste Meistertitel seit 32 Jahren. Im Herbst die erstmalige Qualifikation für die Champions League. In der Liga enteilen die Berner ihrer Konkurrenz bereits wieder um Lichtjahre. 19 Punkte beträgt der Vorsprung zur Saisonhälfte auf Basel. Dass nun das neue Jahr mit der Nachricht von Spychers Verbleib beginnt, ist für YB fast so, als hätte es einen weiteren Titel gewonnen.

Denn eines ist man sich in Bern durchaus bewusst. Das Konstrukt YB ist fragil. Die Vergangenheit hat genügend gezeigt, wie wenig es braucht, um es wieder ins Wanken zu bringen. Es hat genügend Beispiele gegeben, wo man YB auf dem Weg nach oben wähnte – und dann doch das nächste Chaos kam. Es brauchte mit Spycher eine heimische Integrationsfigur, um die verschiedensten Kräfte zu bündeln.

Auf Spycher hört jeder

Und es wird Spycher weiterhin mit jeder Faser brauchen. Es wäre verfehlt, zu glauben, der YB-Aufstieg ginge automatisch immer weiter. Noch immer ist unklar, wie die Pläne der YB-Besitzer aussehen. Nach dem Tod von Andy Rihs ist sein Bruder Hans-Ueli der starke Mann. Es gibt immer wieder Gerüchte, wonach der Verein verkauft werden sollte. Oder zumindest – nach Jahren der Verluste – endlich mal Geld abwerfen muss. Was entscheidenden, negativen Einfluss haben könnte aufs Budget.

Doch auf Spycher scheint rund um YB jeder zu hören. Vielleicht ist es seine grösste Leistung, dass die Mannschaft von YB nach dem wunderbaren Jahr nicht auseinanderbrach. Noch immer steht das Gerüst. Und auch, was die Zukunft betrifft, ist Spycher bereits wieder auf gutem Weg. Im Sommer wechselt Fabian Lustenberger von Berlin nach Bern. Er soll einer der neuen Schlüsselspieler sein. Gut möglich, dass auch dieser Plan aufgeht.

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