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Walter Samuel gehört nicht zum Kreis der Casting-Kandidaten

Für seine Teamkollegen ist Walter Samuel die gute Seele – verlängern die FCB-Bosse deshalb mit dem Altstar?

Sebastian Wendel
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Pedalt Walter Samuel auch nächste Saison zu den FCB-Trainings?

Pedalt Walter Samuel auch nächste Saison zu den FCB-Trainings?

KEYSTONE

Mit was Dieter Bohlen in Deutschland die Massen begeistert, veranstaltet nun auch FCB-Trainer Paulo Sousa: eine Casting-Show. In den verbleibenden Ligaspielen lässt Sousa jene Spieler auflaufen, die bis zum Titelgewinn vor einer Woche nur wenig Einsatzzeit bekommen haben. Der Portugiese will so herausfinden, mit welchen Profis aus der zweiten Reihe er weiterhin zusammenarbeiten will.

Für einen, der bisher nur sporadisch zum Einsatz gekommen und dessen Zukunft ebenfalls ungewiss ist, gelten andere Regeln: Walter Samuel. Er gehört nicht zum Kreis der Casting-Kandidaten, die sich vor Sousa beweisen müssen. Bei ihm wissen Trainer und Verein, woran sie sind: Gewinner der Copa Libertadores, sechsfacher italienischer Meister, Champions-League-Sieger und Klubweltmeister mit Inter Mailand, Serie-A-Verteidiger des Jahres 2010, 56 Länderspiele für Argentinien.

International einen Namen gemacht hat sich Samuel vor allem mit seiner harten Spielweise. Javier Zanetti, argentinischer Landsmann und langjähriger Teamkollege Samuels bei Inter, sagt: «Walter ist der härteste Verteidiger, den ich je getroffen habe.» So hart wie eine Mauer, dachten sich die Inter-Fans, und gaben Samuel den Spitznamen «il muro».

Doch der Zahn der Zeit nagt auch am härtesten Beton: Vor einem Jahr bekam Samuel bei Inter wegen seiner Knieprobleme keinen neuen Vertrag mehr. Als dann der FCB zugriff, war die Skepsis gross: Kann Samuel sportlich helfen? «Nein, Experiment Altstar misslungen», lautete die Antwort nach der Hinrunde, in der er die meiste Zeit verletzt war und in den wenigen Einsätzen nicht überzeugen konnte. Gesundheit und Leistung waren in der Rückrunde zwar besser, Samuel als Leistungsträger zu bezeichnen wäre aber übertrieben.

Doch haben sie sich in Basel, als Samuel einen Vertrag bis Ende dieser Saison unterzeichnete, gar nicht von ihm erhofft, dass er primär die Abwehr stabilisiert. Sondern vielmehr, dass er den Jungen hilft. Ihnen in der Kabine vorlebt, was es heisst, ein Profi zu sein, und im Training Fehler aufzeigt. «Bei einem mit seinem Renommee könnte man meinen, dass er Cup-Spiele gegen unterklassige Klubs nicht mehr nötig hätte. Doch Walter Samuel zeigt, dass die Sandreutenen in Münsingen für einen echten Profi keine Strafaufgabe ist. Er zeigt in jeder Minute Leidenschaft für diesen Beruf», sagt Georg Heitz, der FCB-Sportdirektor. Ähnlich tönt es von Trainer Paulo Sousa: «Ich habe Walter nur selten aufgestellt. Aber wurde er gebraucht, hat er immer geliefert.»

Auch innerhalb der Mannschaft geniesst Samuel hohes Ansehen. Die Spieler schätzen die zurückhaltende Art des Argentiniers und dass sie ihm auf Augenhöhe begegnen. Starallüren? Fehlanzeige. Bei der Frage, ob Samuel ein weiteres Jahr beim FCB bleiben soll, ist der Wunsch der Teamkollegen an die Klubführung eindeutig: Lasst die Mauer stehen! Taulant Xhaka etwa sagt: «Ich wünsche mir, dass er bleibt. Er ist als Person sehr, sehr wichtig für uns.»

Der grösste Fürsprecher Samuels ist kein Geringerer als der Captain: Marco Streller schwärmt bei jeder Gelegenheit vom Charakter und der Aura des 37-Jährigen: «Er ist ein wahrer Champion.» Wenn Samuel bleibt, wäre in der FCB-Kabine der Verlust an Leadership nicht ganz so gross, als wenn neben Streller auch der Argentinier gehen würde. Grundsätzlich scheinen die FCB-Bosse bereit, den Wunsch des Teams zu erfüllen: Im Moment laufen mit Samuel Gespräche über dessen Zukunft. Eine Entscheidung fällt in den nächsten Tagen.

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