Champions League
Wackelkandidat Bruno Varela – Benficas Problem zwischen den Pfosten

Im Sommer verlor Benfica seine besten Spieler. Daran hat man sich in Lissabon zwar längst gewöhnt. Keine andere Mannschaft hat in den vergangenen Jahren so viele so einträgliche Transfers gemacht.

Sébastian Lavoyer
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Der brasilianische Keeper Ederson verliess Benfica diesen Sommer.

Der brasilianische Keeper Ederson verliess Benfica diesen Sommer.

KEYSTONE/EPA LUSA/ANTONIO COTRIM

Trotz der Routine tun sich die Portugiesen mit einem Abgang aber besonders schwer: jenem von Torhüter Ederson. Für die Benfica-Rekordsumme von 40 Millionen Euro wechselte der 23-jährige Brasilianer im Sommer auf die Insel zu Manchester City.

Lücke, die man verzweifelt zu schliessen versucht

Hinterlassen hat er eine Lücke, die Benfica verzweifelt zu schliessen versuchte. Zu den Kandidaten gehörte auch FCB-Keeper Tomas Vaclik. Letztlich entschied man sich, Bruno Varela (22) von Vitória Setúbal zurückzuholen. Ein Wackelkandidat, wie sich unlängst herausstellte.

Nach der Pleite gegen ZSKA verlor Benfica auch in der Meisterschaft gegen Boavista Porto. Trotz Dominanz. Trotz mehr Chancen. Wegen Varela. Denn der junge Keeper boxte den Ball nach einem Freistoss eine Viertelstunde vor Spielschluss ins eigene Tor. 2:1 für den Aussenseiter.

Und der letzte Auftritt von Varela. Seit zwei Spielen steht wieder Routinier Julio César (38) im Kasten. Ehemaliger Nationalkeeper von Brasilien. Aber immer wieder mit Rückenbeschwerden.

Und heute wird es kurz vor 21 Uhr so um die 15 Grad – zumindest für Portugiesen und Brasilianer ist das kalt.

Die Gretchenfrage

Wer also spiele, wird Trainer Rui Vitória an der gestrigen Medienkonferenz gefragt. Der sanfte General lächelt, zupft sich ein bisschen nervös am Kragen der Trainerjacke und sagt: «Die besten elf werden auf dem Platz stehen.»

Dann erzählt er die Geschichte, wie er in seinem zweiten Jahr als Trainer, noch keine 35 Jahre alt, im Cup auf den FC Porto traf. Mit einer drittklassigen Mannschaft gegen das Team von Mourinho. Er hatte die Wahl zwischen einem routinierten Mann, dem «Götti» seiner Tochter, und dem jüngeren Stammkeeper. Es sei eine seiner schwersten Entscheidungen gewesen bis heute. Sie fiel zuungunsten seines Freundes aus.

«Die Kunst des Krieges – für Trainer»

Aber Vitória ist ein gewiefter Taktiker, verfasste mitunter ein Buch mit dem
Titel «Die Kunst des Krieges – für Trainer». Von der portugiesischen Presse rechnet die Mehrheit damit, dass er dieses Mal auf die Routine setzt. Damals war er krass unterlegen, jetzt ist er Favorit und braucht den Sieg.

Ansonsten ist die Achtelfinalqualifikation nach der Auftaktpleite zu Hause gegen ZSKA akut in Gefahr. Und da scheint es nichts als vernünftig, wenn man auf Erfahrung setzt.