FC Aarau
Vorweihnachtliche Geschenke beim 2:2 im Tourbillon

Der FC Aarau kehrt mit einem 2:2 aus dem Wallis zurück. Für die Mannschaft von Sven Christ wäre mehr möglich gewesen. Durch Tore von Lüscher und Wieser führten die Aarauer zwischenzeitlich 2:0.

Von François Schmid-Bechtel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Die Aarauer bejubeln den zweiten Treffer.
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229267255 Die harte Landung für Marco Thaler (rechts).
229267265 Marco Thaler(rechts) im Zweikampf mit dem Walliser Konaté.
Sion - Aarau
aarau Marco Thaler im Zweikampf mit Moussa Konaté.
Garat Der Aarauer Juan Pablo Garat (links) bereinigt gegen Leo Lacroix.
Sion Harte Landung für Marco Thaler (u.) gegen den Walliser Moussa Konaté.

Die Aarauer bejubeln den zweiten Treffer.

Keystone

Es gab Zeiten, da hat der FC Aarau über ein Unentschieden in Sion gejubelt. Aber nicht gestern. «Wenn man 2:0 führt, kann man mit einem Punkt nicht zufrieden sein», sagt der 20-jährige Verteidiger Marco Thaler. Trainer Sven Christ bedauert, «dass wir die Geschenke zur 2:0-Führung, nicht wirklich angenommen haben.»

Lüschers Führungstreffer

Die 6. Minute: Ognjen Mudrinski will Frank Feltscher lancieren. Der Pass gerät etwas zu lang. Sions Torhüter Deana fängt den Ball ab, wird leicht von seinem Mitspieler Pa Modou touchiert und lässt ihn wieder fallen. Feltscher reagiert blitzschnell, spielt auf Sven Lüscher, der das 1:0 für Aarau erzielt.
Die 22. Minute: Mudrinski auf Feltscher, dieser mit dem Absatz wieder auf Mudrinski. Sein Querpass kommt zu Sandro Wieser, aber nicht optimal, weshalb der Liechtensteiner nicht mehr mit allzu viel Druck abschliessen kann. Doch Rüfli lenkt den relativ harmlosen Schuss von Wieser für Deana unhaltbar ins eigene Tor ab – das zweite Geschenk der Walliser.

Die Geschenke des Schiedsrichters

Schiedsrichter Nicolaj Hänni will bei der grossen Bescherung nicht im Abseits stehen. Bis zur 19. Minute macht Sion-Captain Xavier Kouassi ziemlich viel, nämlich zwei sehr grobe Fouls, um vom Platz zu fliegen. Doch Hänni schenkt Kouassi quasi einen verlängerten Arbeitstag.
In der verhängnisvollen 29. Minute schenkt er Sion die Rückkehr ins Spiel. Olivier Jäckle prallt im Kopfballduell mit seinem Kollegen Juan Pablo Garat zusammen. Garat bleibt lieben. Und Pascal Erlachner, der vierte Offizielle an der Linie, schreit in sein Mikro «Kopfverletzung». Wenn der Verdacht auf eine Kopfverletzung besteht, muss der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen. Doch Hänni lässt weiter laufen. Warum? Darüber kann man nur rätseln. Sion jedenfalls nimmt das Geschenk an. Vidsosic flankt in die Zone, die Garat verteidigen würde, wenn er nicht benommen am Boden läge. Doch das kümmert Ndoye nicht. Er setzt sich gegen die leichtgewichtigen Andrist und Feltscher problemlos durch und erzielt das 1:2. «Wenn Garat in dieser Szene nicht am Boden liegt, kassieren wir das Tor nicht. Und wenn wir das 1:2 nicht kassieren, gewinnen wir dieses Spiel», sagt Christ.

Der Anschlusstreffer hinterlässt Spuren

Der Anschlusstreffer entspringt der ersten gefährlichen Offensivaktion der Walliser. Doch sie hinterlässt Spuren beim FC Aarau. Vor den Mut, Sion frühzeitig unter Druck zu setzen, schiebt sich die Angst vor der Niederlage. Dass Mall in der 36. Minute zum zweiten Mal den Ball übers Tribünendach haut, spricht zwar für ihn, aber nicht für die Ausrichtung seiner Feldspieler. Sion drückt, aber Sion brilliert nicht und kommt einfach zum 2:2. Eckball Vidosic, Kopfball Pa Modou. Thaler, der unmittelbar vor der Pause nach einem Luftduell mit Konaté für einen kurzen Moment nicht mehr weiss, wo er sich befindet, verliert das entscheidende Kopfballduell. Nur: Das 2:2 dem jungen Verteidiger anzukreiden, wäre falsch. Weil Thaler schlicht keine Unterstützung erhielt.

Die Geschenke von Sven Christ

Damit nicht genug der vorweihnachtlichen Geschenke. Noch vor zwei Monaten rätselte man, ob Sandro Wieser jemals kapieren würde, dass Fussball mehr als nur «Hacke, Spitze, eins, zwei, drei» ist. Seit kurzem wissen wir: Ja, er scheint es kapiert zu haben. An seinen fussballerischen Qualitäten gab es nie Zweifel. Aber an seiner Einstellung. Gegen Sion war er nicht nur Torschütze, sondern die dominante Figur auf der Kommandobrücke. Die Verwandlung Wiesers vom Phlegma zum dynamischen Zweiwegspieler ist auch das Verdienst von Sven Christ. Wie auch die Verwandlung Kim Jaggys vom zaghaften Aussenverteidiger zum bissigen Terrier.
Und Christ hat den Aarauer Fans auch eine Mannschaft geschenkt, die mehr will als nur den Klassenerhalt. Deshalb der Frust nach dem 2:2 in Sion.

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