Fussball
Vor dem Cupfinal: Lugano und das Geheimnis um das Glück

Lugano lacht. Lugano tanzt. Es sind Tage des Geniessens im Tessin nach dem sensationellen Ligaerhalt der Bianconeri. Die Tessiner Zeitungen sind voll des Lobes für ihren FC. «La Coppa per brindare», titelt «La Regione». Den Cupsieg, um auf die Saison anzustossen. «Jetzt denken wir an Europa!», heisst es im «Corriere del Ticino».

Etienne Wuillemin
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Luganos Spieler liegen sich in den Armen und am Boden: Ligaerhalt aus eigenen Kraft gesichert

Luganos Spieler liegen sich in den Armen und am Boden: Ligaerhalt aus eigenen Kraft gesichert

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Es ist Freitagmorgen. Noch einmal trainiert das Team. Keine Spuren mehr von Party-Stimmung. «Die Mannschaft hat einen kleinen Apéro organisiert», erzählt Ezgjan Alioski, «um 2 Uhr sind die Letzten aber wieder nach Hause gegangen – schliesslich haben wir im Cupfinal noch etwas zu beweisen.»
Alisoki ist so etwas wie das Symbol des auferstandenen FC Lugano. Trainer Zdenek Zeman hat ihn vom Linksverteidiger zum rechten Flügel umfunktioniert. Prompt hat er zum entscheidenden 4:0-Sieg beim FCZ zwei Tore erzielt. «Das war der Knackpunkt der Saison, plötzlich ist uns der Knopf aufgegangen», blickt Alioski zurück.

Und warum soll das nun nicht nochmals funktionieren? Kurz vor Abfahrt tritt Trainer Zeman nochmals vor die Presse. Er spricht von einem «Wunder». Was dann der Cupsieg wäre, ist die Frage. Zeman überlegt. Da wirft Angelo Renzetti, Präsident des FC Lugano und als Zuschauer ebenfalls am Tisch, ein: «Glück! Ein grosses Glück!»

Um Missverständnisse zu vermeiden: Alioski meint seine Worte keinesfalls als Kritik. «Zeman hat uns auch jetzt die Fehler aufgezeigt – und sorgt damit dafür, dass die Anspannung dableibt. Bei uns kommt niemand auf die Idee, dass wir schon etwas gewonnen hätten.»
Als der Ligaerhalt am Mittwoch geschafft war, sprintete Zeman sofort in die Garderobe. Nach Mitternacht wurde er von einer Horde Sicherheitskräfte zu einem wartenden Auto begleitet. Die Tifosi skandierten immer wieder seinen Namen. Zeman war das alles fast ein bisschen peinlich. Sollte er nun Lugano tatsächlich noch zum ersten Cupsieg seit 1993 führen – die Stadt würde ihm wahrscheinlich ein Denkmal erstellen.