Challenge League
Von Monaco nach Wohlen: Globetrotter Muslin ist ein Captain ohne Binde

Seit diesem Sommer stabilisiert der 30-jährige Marko Muslin die Abwehr des FC Wohlen. Die Geschichte, wie aus einem Vagabunden ein Sicherheitsfanatiker wurde.

Calvin Stettler
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Seit Sommer trägt Marko Muslin das Dress der Freiämter.

Seit Sommer trägt Marko Muslin das Dress der Freiämter.

Alexander Wagner

Immer wieder wählt er dieses grosse Wort: Sicherheit. Marko Muslin strebt danach. Kompromisslos. Für sein Wohlergehen, das seiner Familie, aber auch für jenes seines Arbeitgebers. «Früher lagen die Prioritäten anderswo», erzählt der 30-Jährige. Damals, als Marko noch ein Teenager war, reizte ihn das Ungewisse. Abenteuer, «die man eben nur als Fussballer erlebt». Früh lotsen Scouts das Talent aus Brest ins mondäne Fürstentum zur AS Monaco.

Unter Frankreichs heutigem Nationaltrainer Didier Deschamps macht Muslin erste Schritte im Profigeschäft. Der Jungspund trainiert mit Grössen wie Patrice Evra oder Emmanuel Adebayor. «Eine fantastische Zeit», sagt er rückblickend, obwohl er in Monaco bald spürt, dass der Durchbruch nicht gelingen will. Muslin lässt sich nach Holland ausleihen. Über Tilburg, das belgische Lierse und Bulgariens Hauptstadt Sofia findet Muslin im Januar 2009 schliesslich den Weg in die Schweiz, den sicheren Hafen. Der FC Wil nimmt den Defensivspieler unter Vertrag, es folgt ein Gastspiel in Lausanne, die Rückkehr in die Äbtestadt und diesen Sommer schliesslich der Wechsel nach Wohlen, wo er sich formidabel einlebt.

Ein Abwehrchef aus dem Bilderbuch

«Es gab nie einen Punkt, an dem ich in meiner Karriere angestanden bin», versichert Muslin, obwohl er zuvor zweimal für sechs Monate vertragslos war. Reflektiert habe er. Nach jeder Saison. «Und dann die nötigen Veränderungen eingeleitet.» Als im Sommer türkische Investoren das Zepter in der Ostschweiz übernahmen, spürte der Wil-Captain, dass da ein Projekt initiiert wird, mit dem er sich nicht identifizieren kann. «Ich habe noch Freunde dort», sagt er, um zu unterstreichen, dass er mit Wil im Reinen ist. Was diese Freunde über die türkische Regentschaft zu berichten wissen? «Es ist anders», entgegnet Muslin lapidar. Dieser empathische Mensch mag es nicht, zu werten.

Lieber erwähnt Muslin abermals den Sicherheitsaspekt. Bereits im siebten Jahr lebt er mit seiner Frau in der Schweiz, wo er dereinst auch seine Karriere beenden will. Die Lebensbedingungen, die Infrastruktur, das Bildungswesen, einfach alles sei hervorragend. «Vor allem für meine beiden kleinen Kinder», ergänzt Muslin. Seinen Ruf als vagabundierender Fussballer hat er abgestreift. Er bereue allerdings keines seiner Engagements. «Vielmehr schätze ich, was ich dank des Fussballs alles erleben durfte.» All diese Erfahrungen prägten Muslin. Sowohl als Menschen wie auch als Spieler. Der 30-Jährige verkörpert den arrivierten Abwehrchef, ruhig am Ball, kommunikativ im Spiel und vorbildlich im Umgang mit den Nachwuchsspielern. Führungsqualitäten, die die Wohler Verantwortlichen überzeugten. Ein typischer Captain eben, einfach ohne Binde.

Muslin will sich nicht benoten

Den Verlauf der Hinrunde bewertet Muslin positiv. «Auch wenn wir uns manchmal nicht belohnen konnten.» Er mag den agilen Spielstil der Freiämter. Mit weiten Pässen nimmt auch er Einfluss am Offensivspiel. Dass sich Wohlen momentan am Tabellenende befindet, beunruhigt den Verteidiger nicht: «Wir steigen nicht ab.» Lieber verweist er auf die Automatismen, die nach dem personellen Aderlass im Sommer langsam wieder greifen. Es sei wichtig, dass sich dies in den letzten Spielen vor der Winterpause auch mit Punkten belegen lasse.

Eine Note für seine bisherige Performance in Wohlen will sich Muslin keine geben. «Aber sicher genügend, hoffe ich zumindest», sagt der Wohler und lächelt. Wir nicken bestätigend. Ein grosser Traum verfolgt ihn aber noch: «Es wäre cool, wenn mein Vater in der Schweiz ein Team trainieren würde.» Markos Vater Slavoljub ist seit über 25 Jahren im Geschäft. Zuletzt leitete er für kurze Zeit Standard Lüttich. Mit ihm sinniert Marko täglich über den Fussball. Wohl auch darüber, dass die Wohler Abwehr seit Juli ein Stück sicherer ist.