Es geht zur Hauptsache um eine mögliche Protektion der aus den Vereinigten Arabischen Emiraten respektive Katar alimentierten Grossklubs Manchester City und Paris Saint-Germain. Demnach hätten die beiden Klubs in der Zeit bis 2015 schwer bestraft werden müssen - mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss von den Wettbewerben -, weil sie durch Transferaktivitäten stark verschuldet waren. Die Regeln des "Financial Fair Play" der FIFA schreiben vor , dass die Einnahmen und die Ausgaben der Klubs in einem gewissen Gleichgewicht bleiben müssen.

Der heutige FIFA-Präsident Gianni Infantino habe als Generalsekretär der UEFA die Zahlen der beiden Vereine unter dem Deckel gehalten und damit Protektionismus betrieben. Ob weitere Klubs mutmasslich ebenfalls geschützt wurden, ist nicht bekannt.

Nach den Recherchen der Journalisten von "Football Leaks" gibt es ein E-Mail von Infantino an Manchester City, in dem Infantino von einem "schönen Geschenk" schreibt. Nach den Regeln des Financial Fair Play hätte der Klub mit 60 Millionen Euro gebüsst werden müssen. Infantino habe jedoch einen Rabatt von 40 Millionen gewährt.

Im Fall von Paris Saint-Germain geht es um einen zweifelhaften Vertrag. Demnach zahlte die Tourismus-Behörde von Katar dem Klub über einen Zeitraum von fünf Jahren rund eine Milliarde Euro. Die UEFA habe den Vertrag allerdings mit jährlich zwischen 123'000 und 2,8 Millionen Euro valorisiert. Wenn die Vorwürfe zuträfen, wäre es ein extremer Fall von Steuerhinterziehung (für PSG) und ungetreuer Geschäftsbesorgung (aus der Sicht der finanziell zweifellos entschädigten UEFA). In den Fall ist gemäss "Football Leaks" auch der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy involviert, ein bekennender Verehrer von Paris Saint-Germain.

In anderem Zusammenhang wird der Name des Unterwalliser Staatsanwalts Rinaldo Arnold ins Spiel gebracht. Dieser wurde vom FIFA-Präsidenten Infantino nachgewiesenermassen oft an besondere Fussballspiele und FIFA-Veranstaltungen eingeladen, mitsamt Familie.

Alle streiten alles ab

In allen Fällen streiten die Beteiligten jede Schuld ab, die Klubs wie auch die Einzelpersonen. Sie sagen, alles sei immer mit rechten Dingen zugegangen.

Besonders scharf reagieren die FIFA respektive Infantino. "Es ist kein Wunder, dass diejenigen Funktionäre, die entfernt oder ersetzt wurden oder unzufrieden sind, weiterhin falsche Gerüchte und Anspielungen über die neue Führung verbreiten", schrieb die FIFA, "Wir sind uns bewusst, dass es Menschen gibt, die aus Frustration die FIFA aus eigennützigen Gründen untergraben möchten."

Das Journalistennetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) hat sich seit 2015 durch 70 Millionen Dokumente gearbeitet und einen Bericht veröffentlicht, der Infantino in ein schlechtes Licht rückt. Der Walliser habe Korrekturvorschläge für die überarbeiteten Richtlinien der unabhängigen Ethikkommission gemacht und den Ethik-Kodex so in vielen Punkten geschwächt, heisst es zum Beispiel.

Auf die Vorwürfe gegen ihren Präsidenten ging die FIFA in der Stellungnahme nicht direkt ein. Keiner dieser Berichte enthalte irgendetwas, das auf eine Verletzung von Gesetzen, Statuten oder Vorschriften hinauslaufe.