Flitzer von Basel
«Von der Haupttribüne aus war es extrem einfach, auf den Rasen zu gelangen»

Einen Tag nach der 0:1-Niederlage des FC Basel gegen Real Madrid gibt es eigentlich nur ein Thema: Die Flitzer, welche in den Schlussminuten auf das Feld gestürmt waren. watson sprach mit einem der «Pitchinvader».

Quantin Aeberli, watson.ch
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Die Ordnungskräfte griffen nicht sofort ein, als Fans den Rasen stürmten.

Die Ordnungskräfte griffen nicht sofort ein, als Fans den Rasen stürmten.

Keystone

Ivan B.*, wie geht es Ihnen einen Tag nach Ihrem grossen Auftritt, nachdem Sie beim Champions-League-Spiel zwischen Basel und Real Madrid den Rasen betreten haben?

Ivan B: Eigentlich ganz gut. Ich habe mir am gleichen Abend nochmals überlegt, ob sich die Aktion gelohnt hat oder nicht, ich war mir nicht mehr ganz sicher. Heute hoffe ich nur, dass es keine allzu hohe Busse gibt, denn Ronaldo aus nächster Nähe zu sehen, hat sich schon gelohnt.

Wie haben Sie die ganze Aktion miterlebt?

Als ich ich den Rasen betreten hatte, habe ich an nichts mehr gedacht. Zuerst war ich extrem nervös, doch danach wollte ich nur noch zu Cristiano Ronaldo. Es hat eigentlich schon ziemlich Spass gemacht – bis die Security kamen.

War es Ihr erstes Mal?

Ja.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, an einem solch prominenten Spiel den Rasen zu betreten?

Es war eine total spontane Aktion. Mein Kollege und ich dachten lange darüber nach und haben zusammen gelacht. Und nach längerem Gespräch haben wir gesagt, lass es uns machen. Und so taten wir es.

War das Ziel das Treffen mit Cristiano Ronaldo oder wollten Sie einmal im Leben berühmt sein?

Nein, das Ziel war ganz klar einmal Ronaldo aus nächster Nähe zu sehen und ihn zu berühren. Eine kurze Berührung fand statt, doch dann sagte er, er wolle jetzt noch ein Tor schiessen. An mehr kann ich mich nicht genau erinnern, es ging extrem schnell.

Ein unerwünschter Gast hat es während der Partie zwischen dem FC Basel und Real Madrid aufs Spielfeld geschafft.
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Die Ordnungskräfte griffen nicht sofort ein.
Superstar Cristiano Ronaldo musste sich die Fans zuerst selbst vom Leibe halten.
Doch dann griffen die Stewards doch noch ein.
Zum Teil auch ziemlich resolut.
Bis die Situation im Griff war.
Was ist da los? Flitzer filmen Flitzer

Ein unerwünschter Gast hat es während der Partie zwischen dem FC Basel und Real Madrid aufs Spielfeld geschafft.

Keystone

Wie sind Sie überhaupt auf den Platz gekommen? Haben Sie die Sicherheitsleute nicht aufgehalten?

Es war extrem einfach. Die Sicherheitsleute sitzen mit knapp zehn Metern voneinander entfernt. Wir schlängelten uns in die vorderste Reihe, platzierten uns richtig und sind dann unter der Stange zwischen den Securitys auf den Rasen. Von der Haupttribüne war es kein Problem, auf den Rasen zu gelangen.

Die Basel-Fans sahen ziemlich wütend aus. Wie reagierten diese auf Ihre Flitzer-Aktion?

Es war krass. Die Fans schossen alles, was sie in den Händen hielten. Einige versuchten uns auch mit Fahnenstangen zu schlagen wegen unserer Spielverzögerung. Als wir das Stadion durch den Hauptausgang verlassen wollten, warteten draussen zirka 30 Hooligans. So mussten wir einen anderen Ausgang benutzen.

Welche Folgen trägt das Ganze mit sich?

Ich musste meine Personalien abgeben und habe zwei Jahre Stadion-Verbot in der Schweiz. Dazu kommt eine Busse. Wie hoch diese ist, weiss ich noch nicht, ich hoffe nicht mehr als ein paar hundert Franken.

Waren Sie sich über die Folgen bewusst?

Nur gering. Ich habe danach nochmals recherchiert, wie hoch eine Busse ausfallen kann und gesehen, dass manchmal bis zu 3000 Franken bezahlt werden musste. Ich denke aber nicht, dass sie so hoch ausfallen wird. Dann hätte es sich definitiv nicht gelohnt.

Was sagen Ihre Eltern dazu?

Ich habe es ihnen gesagt, natürlich waren sie nicht sehr erfreut. Aber die Wut hielt sich in Grenzen. Fällt die Busse jedoch auf mehrere Tausend Franken aus, werden sie noch ein Wörtchen mit mir reden.

Wie sieht es heute aus: Bereuen Sie Ihre Aktion?

Es gibt zwei Seiten: Wenn eine Rechnung von 3000 Franken kommt, dann bereue ich es allemal. Doch wenn ich ein paar Hundert Franken zahlen muss, damit ich Ronaldo sehen konnte, akzeptiere ich es. Ich finde es war eine lustige und gute Erfahrung. Man lebt bekanntlich nur einmal (lacht).

Werden wir Sie ein weiteres Mal auf dem Rasen sehen?
Ich denke wohl nicht. Ich habe es nun einmal erlebt, ein zweites Mal brauche ich nicht. Und die Securitys behandeln einem ja auch nicht so sanft.

*Name der Redaktion bekannt

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