Kolumne

Vladimir der Grosse: Warum Petkovic mehr Anerkennung verdient hätte

Petkovic wird seit seinem Amtsantritt kritisiert.

Petkovic wird seit seinem Amtsantritt kritisiert.

Seit seinem Amtsantritt vor fünfeinhalb Jahren ist Vladimir Petkovic stetiger Kritik ausgesetzt, obwohl sich sein bisheriger Arbeitsnachweis sehen lässt. Der Nationalmannschafts-Trainer steht nämlich kurz davor in die Geschichte des Schweizer Fussballs einzugehen.

Früher hiessen die Schweizer Fussballnationaltrainer René Hüssy, Roger Vonlanthen oder Léon Walker. Ihnen folgten Paul Wolfisberg, Daniel Jeandupeux und Uli Stielike. Alle diese Trainer hatten ein paar Gemeinsamkeiten: Sie waren ausgewiesene Fachleute, gute Fussballlehrer und tolle Interviewpartner. Sie waren erprobt im Erklären knapper Niederlagen, und sie konnten genau analysieren, warum die Schweiz jeweils Spiele verlor, die sie hätte gewinnen müssen.

Eine weitere Gemeinsamkeit der genannten Trainer war die, dass sie alle in sämtlichen Qualifikationen für Europa- und Weltmeisterschaften gescheitert sind. Man erinnere sich daran, dass die Schweiz zwischen der WM 1966 in England und der WM 1994 in den USA insgesamt sechs Weltmeisterschaften und sieben Europameisterschaften verpasst hat. Anders gesagt: Die Schweiz ist 13-mal in Folge an der Qualifikation zu einem grossen Turnier gescheitert.

Dem Engländer Roy Hodgson gelang es danach, die Nationalmannschaft an zwei Endrunden zu führen (WM 94 und EM 96). Nach ihm herrschte wieder einige Jahre Flaute. Ähnlich erfolgreich wie Hodgson war ein Jahrzehnt später Köbi Kuhn, der zwischen 2004 und 2008 gar drei Endrunden in Folge erreichte, wobei ihm die Qualifikation zur EM 2008 geschenkt wurde, weil die Schweiz als Austragungsland automatisch teilnahmeberechtigt war. Nach Kuhn qualifizierte Ottmar Hitzfeld die Schweiz für zwei Weltmeisterschaften, scheiterte aber in der Qualifikation für die EM 2012 am Kleinstaat Montenegro.

Vladimir Petkovic, der Hitzfeld 2014 beerbte, ist nach dem Sieg vom Dienstag auf bestem Weg, etwas zu schaffen, was in der über hundertjährigen Geschichte des Schweizer Fussballverbandes noch keinem Trainer gelungen ist: drei Qualifikationen für grosse Turniere in Folge. Seit Petkovic die Schweiz trainiert, versucht die Nati, anders als noch unter Hitzfeld, gegen alle Gegner dominant aufzutreten. In jedem Fussballland würde einem Mann wie Petkovic ein Monument errichtet werden. In der Schweiz dagegen wird er seit seinem Amtsantritt vor fünfeinhalb Jahren angefeindet. Vielleicht ist die Schweiz trotz der anhaltenden Erfolge im Herzen halt doch eher eine Segelnation als ein Fussballland.

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