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Virtuelle Goldgräber – wird e-Sport bald zur neuen Einnahmequelle?

e-Sport wächst schnell. Das sieht man beispielsweise an der Entwicklung der Preisgelder.

e-Sport wächst schnell. Das sieht man beispielsweise an der Entwicklung der Preisgelder.

Laut Experten könnten e-Sport-Einnahmen für Schweizer Fussballklubs schon bald ein Ersatz für verpasste Champions-League-Millionen sein. Noch ist e-Sport ein Experimentierfeld – werden die Klubs, die jetzt einsteigen, in Zukunft einen Vorteil haben?

e-Sport wächst schnell. Das sieht man beispielsweise an der Entwicklung der Preisgelder. An der Weltmeisterschaft für das Strategiespiel «Dota 2» wurden zuletzt über 25 Millionen Dollar ausgeschüttet. Doch nicht nur die Preisgelder steigen. Auch die Industrie macht Gewinne. Die Einnahmen 2018 sollen sich auf 905 Millionen Dollar belaufen, und bis 2020 soll e-Sport weltweit 600 Millionen Menschen erreichen. Es ist Big Business. Virtuelle Fussballturniere sind auf den grossen Bühnen der Welt allerdings nur Beigemüse.

Anders in der Schweiz, sagt Manuel Oberholzer, Gründer und COO der MYI Entertainment GmbH, der grössten Schweizer e-Sports-Agentur: «In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr 250 000 Franken Preisgeld im e-Sport-Bereich ausgeschüttet. Ein Fünftel davon im Fifa-Bereich.» Zwar werde die Statistik ein wenig verfälscht, da es bei Fifa-Turnieren häufig einen «Buy-in» gebe, also die Spieler eine Teilnahmegebühr zahlen und sich das Preisgeld dadurch erhöht, trotzdem hat Fifa in der Schweizer e-Sport-Szene einen beachtlichen Anteil.

Die «e-Sport Super League»

Doch während der virtuelle Fussballin der Schweiz noch in Kinderschuhen steckt, sind andere Länder viel weiter. Die Niederlande oder Österreich verfügen bereits über eine eigene Liga. Nun ist auch in der Schweiz davon die Rede. In der «e-Sport Super League» sollen sich die e-Sportler der Schweizer Fussballklubs messen können. Wann diese startet und ob überhaupt, ist allerdings unklar. Silvio Kern von der Swiss Football League sagt: «Es läuft seit Monaten ein Projekt. Es werden Bedürfnisabklärungen bei den Klubs getroffen. Das Ganze wird in einem Konzept zusammengeführt. Einen fixenTermin für die Lancierung gibt es aber nicht.»

«Momentan ist es ein Experimentierfeld»

Die Zuversicht, dass die Schweizer e-Sport-Liga demnächst kommen wird, ist aber gross. Und wird der Fifa-e-Sport dann zur Goldgrube? Noch nicht, erklärt Oberholzer: «Momentan ist es ein Investment. Es braucht Zeit, um Verständnis zu entwickeln. Aber die Klubs, die jetzt einsteigen, werden in Zukunft einen Vorteil haben.»

Rentabel sei das Geschäft mit den Gamern auch beim FC Basel nicht, sagt COO Roland Heri. Doch der Verein sei überzeugt, dass sich das ändern wird: «Wir sind sehr zuversichtlich. Momentan ist es ein Experimentierfeld. Das Investment ist aber absolut überschaubar. Unsere Trainingslager für die Junioren kosten mehr als der gesamte Betrag, den wir in e-Sport investieren. Das, was dabei herauskommen könnte, ist ungleich grösser.»

Notfalls auf Eis legen

Heri betont, dass sich der FC Basel nicht vor e-Sport verschliessen will. Es sei eine potenzielle zukünftige Möglichkeit für Schweizer Fussballklubs, Geld zu machen: «Schweizer Fussballklubs haben genau zwei Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Das ist das internationale Geschäft und die damit verbundene Begehrlichkeit unserer besten Spieler. Nun ist aber wieder eine grosse Säule zusammengebrochen, da der Schweizer Meister nicht mehr direkt für die Champions League qualifiziert ist.» Die besten Klubs aus der Schweiz müssten sich darum vermehrt nach neuen Einnahmequellen umsehen, um verpasste Champions-League-Millionen zu kompensieren.

Doch was, wenn sich der e-Sport – wider aller Prognosen – als Flop herausstellt? «Wir werden in den nächsten Jahren schauen, was das Geschäft bringt», sagt Heri. «Wenn es für den FCB keine erfolgreiche Geschichte wird, legen wir es auf Eis. Danach sieht es im Moment aber ganz und gar nicht aus.» Die virtuellen Goldgräber sind im Rausch.

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