Vier Minuten Nachspielzeit, und schon ist alles anders. Der FC Basel gewinnt 2:1, statt 0:1 zu verlieren. Marc Janko wird zum Matchwinner, statt weiter daneben zu hauen wie die letzten zwei Monate. Und Urs Fischer beweist ein goldenes Händchen, statt sich vorwerfen lassen zu müssen, seine Wechsel seien verpufft. Die Stimmung kippt in diesen vier Minuten komplett. Das Joggeli bebt. Endlich geht der FCB wieder einmal unter die Haut.

Andraz Sporar zeigt gegen Lausanne, dass er eine Verstärkung ist.

Andraz Sporar zeigt gegen Lausanne, dass er eine Verstärkung ist.

Gewinner gibt es viele. Andraz Sporar wirbelt in seinem zweiten Spiel von Beginn an eine Halbzeit lang und natürlich ist vor allem Marc Janko froh, endlich wieder getroffen zu haben. Die vergebene Chance gegen Paris hat den Österreicher nach eigener Aussage «in seinen Träumen verfolgt». Nun scheint der Knoten geplatzt. Janko ist der Matchwinner und hat neue Argumente für einen Platz im Team.

Marc Janko trifft endlich wieder. Das es das wichtige 2:1 ist, umso schöner.

Marc Janko trifft endlich wieder. Das es das wichtige 2:1 ist, umso schöner.

Auch Trainer Urs Fischer freut sich für seinen Stürmer und erklärt sein Rotationsprinzip: «Seydou (Doumbia) und Marc haben sich anfänglich abgewechselt, weil sie beide getroffen haben. Jetzt ist Andraz dazugekommen. Das ist gut für uns, so sind wir flexibler.»

Janko kann sich mit der Dreierrotation abfinden: «Das ist intern so geregelt, dass jeder damit leben kann. Wenn man dann aber dran ist, will man natürlich Leistung bringen. Je länger man ohne Tor bleibt, umso unzufriedener wird man.» Seine zweimonatige Torflaute im Klub machte ihm zu schaffen. Etwas Erleichterung holte er sich in der Nationalmannschaft. Dort traf er in drei Spielen zweimal. Am Freitag gehts für ihn und Österreich nun gegen Irland.

Was Einsatz und Leidenschaft betrifft war Jean-Paul Boëtius nie besser als gegen Lausanne.

Was Einsatz und Leidenschaft betrifft war Jean-Paul Boëtius nie besser als gegen Lausanne.

Genug geschmort

Beim FCB drängen auch auf den Flügelpositionen zwei weitere Ergänzungsspieler in die Startformation: Mohamed Elyounoussi und Jean-Paul Boëtius. Vor allem der Holländer überrascht. Plötzlich sieht man ihn kämpfen und rackern. Plötzlich sind seine Übersteiger nicht nur ansehnlich, sondern effektiv. Plötzlich erkennt man, dass Boëtius eine Verstärkung für den FCB sein kann.

Birkir Bjarnason muss zuschauen, wie seine Konkurrenz punktet.

Birkir Bjarnason muss zuschauen, wie seine Konkurrenz punktet.

Der 22-Jährige, dessen Marktwert – seit er im Sommer 2015 in Basel anheuerte – von 4,5 auf 2 Millionen Euro gesunken ist, hat lange genug schmoren müssen. Nur acht Super-League-Minuten gegen Lugano standen in dieser Saison bislang zu Buche. Boëtius durfte sonst nur im Cup oder bei der U21 ran. «Ich habe das nicht als letzte Chance empfunden. Die Aufgabe des Trainers, über den Kampf ins Spiel zu finden, war klar und ich bin froh, dass wir gewonnen haben», sagt Boëtius, der in der ereignisreichen Nachspielzeit bereits ausgewechselt war.

Eine neue Vokabel

Elyounoussi spielt gegen Lausanne durch und bereitet in der 91. Minute den Ausgleich mustergültig vor. «Eigentlich mache ich lieber die Tore, aber wenn das nicht klappt, nehme ich auch den Assist», sagt der smarte Stürmer. Der Skorerpunkt ist überfällig, denn der Norweger kreiert während der gesamten Partie zahlreiche Möglichkeiten und erklärt: «Ich habe den Torriecher. Ich bin dort, wo es gefährlich wird.»

Übersicht, Spielwitz und Torriecher. Nur der Killerinstinkt fehlt Mohamed Elyounoussi im Moment noch.

Übersicht, Spielwitz und Torriecher. Nur der Killerinstinkt fehlt Mohamed Elyounoussi im Moment noch.

Elyounoussi lernt fleissig Deutsch und musste nach dem Spiel eine weitere Vokabel lernen: Chancentod. Mit fehlender Spielpraxis habe die mangelnde Effizienz nichts zu tun, meint der 22-Jährige: «Das ist reine Kopfsache.»

Kurios, dass Elyounoussi in der letzten Viertelstunde neben Zuffi im ungewohnten Zentrum agiert. «Dort habe ich zuletzt vor zehn Jahren als Junior mal gespielt. Vielleicht sollte ich immer da spielen», sagt der Norweger lachend.

Vom Chancentod zum Chelsea-Schreck: Mohamed Salah

Vom Chancentod zum Chelsea-Schreck: Mohamed Salah

Auch das mit dem Chancentod will er in den Griff bekommen: «Ich werde mir Hilfe bei Alex Frei holen.» Die FCB-Legende hatte schon dem letzten Basler Chancentod beigebracht, wie das mit dem Toreschiessen funktioniert: Mohamed Salah. Chelsea London zittert noch heute.