Marco Streller
Vier ehemalige Kontrahenten sagen Pipi Adieu – mit gemischten Gefühlen

Der Stürmer bestreitet am Freitag sein letztes Ligaspiel. Wir haben bei vier Verteidigern nachgefragt, wie froh oder wie traurig sie über den Rücktritt des FCB-Goalgetters sind.

Cedric Heer
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Eines von vielen harten Duellen: Streller gegen YB-Profi von Bergen.

Eines von vielen harten Duellen: Streller gegen YB-Profi von Bergen.

KEYSTONE

«Danke Pipi» steht auf dem T-Shirt, das anlässlich des Karriereendes der FCB-Legende verkauft wird. Darüber lacht das Porträt des Publikumslieblings. «Danke Pipi!» Zum zweitletzten Mal bestreitet der Fussballprofi Marco Streller heute ein Pflichtspiel, zum letzten Mal tritt er in der Liga an. Streller wird heute Abend vor dem Spiel gegen St. Gallen offiziell verabschiedet (mehr dazu siehe Text rechts neben dem Bild). Danach wird Streller zusammen mit seinen Teamkollegen auf dem Barfüsserplatz seinen achten Meistertitel feiern.

«Danke Pipi». Das denken nicht nur die FCB-Fans, sondern – auch wenn es nicht jeder so sagen würde – auch die Verteidiger der Basler Super-League-Konkurrenten. «Danke für die vielen harten, intensiven, leidenschaftlichen, fairen, unfairen und hochklassigen Duelle!» Auch sie werden Streller vermissen, wenn im Sommer die nächste Saison startet und ihnen ein anderer Stürmer im rot-blauen Trikot entgegentritt. Wir haben bei vier Verteidigern nachgefragt, wie froh oder wie traurig sie über den Rücktritt des FCB-Goalgetters sind.

Steve von Bergen, BSC Young Boys Bern:

Keystone (key)

«Vor dem letzten Spiel in Basel habe ich Marco im Spielertunnel gefragt, weshalb er bereits jetzt seine Karriere beendet. Er sagte kurz und knapp, dass er langsam zu alt sei – und lachte. Solche Geschichten gibt es über Marco viele zu erzählen, vor allem aus unserer Zeit aus der Nationalmannschaft. Zusammen mit Ludovic Magnin sorgte er immer wieder für lustige Episoden, die aber nicht wirklich für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Marco war stets ein fairer Gegenspieler, auch wenn er jeweils viel kommentierte und diskutieren wollte – aus meiner Sicht fast zu viel, denn ich spreche während des laufenden Spiels nicht gerne ausführlich mit meinen Gegenspielern.

Vor Marco und seiner Laufbahn kann man nur den Hut ziehen. Wer acht Mal Schweizer Meister wird und zudem mit Stuttgart die Deutsche Meisterschaft gewinnt, gehört definitiv zu den ganz Grossen. Leider wurde er früher oft unterschätzt und hat erst verspätet jene Wertschätzung und jenen Stellenwert erhalten, die er sich erarbeitet und verdient hat. Ich gratuliere ihm zu seiner grossartigen Karriere und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute. Als Gegenspieler werde ich ihn jedoch nicht unbedingt vermissen ...»

Alain Nef, FC Zürich:

Alex Spichale

«Wirklich kennen gelernt habe ich Marco in der U21-Nationalmannschaft. Damals hatten wir alle Unsinn im Kopf, weshalb wir auch schon mal durch die Küche aus dem Hotel ausgebüxt sind. Wir waren damals eine gute Truppe mit André Muff, Daniel Gygax, Rijat Shala, Roland Schwegler – und eben Marco als Anführer. Das war eine gute und lustige Zeit, woran wir uns immer wieder gerne zurückerinnern.

Auch heute haben wir noch einen sehr guten Draht zueinander, auf wie neben dem Platz. Zwar ist er mir auf dem Feld immer mal wieder um die Ohren gerannt, das war aber spätestens nach dem Spiel vergessen. Dass er nun zurücktreten wird, ist schade für den gesamten Schweizer Fussball. Seine Tore werden mir zwar nicht fehlen, dafür aber umso mehr seine Persönlichkeit. Ich habe ihn sehr schätzen gelernt und er ist mir über die Jahre ein guter Freund geworden.»

Florian Stahel, FC Vaduz:

Keystone

«Ein perfektes Beispiel, um Marco zu beschreiben, ereignete sich im letzten Aufeinandertreffen. Bei einem Abschlussversuch traf er den Ball mit dem schwächeren linken Fuss optimal. Wäre der Ball aufs Tor gekommen, wäre er wohl drin gewesen. Doch ich stand an der richtigen Stelle und konnte dem Ball den entscheidenden Richtungswechsel geben. Das hat ihn zunächst grausam aufgeregt, kurze Zeit später konnten wir darüber aber schon wieder lachen. Marco war stets ein fairer Sportsmann und ein erfreulicher Fussballer. Dass er nun mit dem Meistertitel zurücktreten kann, freut mich sehr für ihn.»

Daniel Pavlovic, Grasshoppers Zürich:

Keystone

«Es ist schon eindrücklich, wie sich Marco auf dem Feld meist durchsetzen und über Jahre Top-Leistungen erbringen konnte. Genau deshalb habe ich mich auch immer gefreut, gegen ihn spielen zu dürfen. Auch, weil er stets freundlich und authentisch auftrat. Dies zeigte er auch immer auf dem Feld, jedoch spielte er immer am Limit und vermag seinen Körper noch immer gut einzusetzen. Nicht ohne Grund ist er einer der besten – wenn nicht gar der beste – Stürmer der Super League. Weil er sich dabei aber vor allem mit unserer Innenverteidigung duellierte, bin ich davon grösstenteils verschont worden – oder er von mir, das werden wir nun wohl nicht mehr abschliessend klären können.

Nicht nur Basel verabschiedet einen wichtigen Spieler. Auch die gesamte Liga verliert ein grosses Aushängeschild. Er ist eine grosse Persönlichkeit, die man nicht einfach so ersetzen kann.»

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