Datenschützer
Video-Offensive gegen Hooligans: «Heimliche Aufnahmen sind heikel»

Wie die Swiss Football League verkündete, werden gewaltbereite Fans neu mit versteckten Kameras gefilmt, um besser identifiziert zu werden. Doch ist das überhaupt legal? Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte gibt die Antwort.

Nicolas Drechsler
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Die Schweizer Fussball Liga will mit Videos gewaltbereite Fans identifizieren.

Die Schweizer Fussball Liga will mit Videos gewaltbereite Fans identifizieren.

Keystone

Gleich 26 der bisher erstellten 35 Berichte, die die Kamerateams der Swiss Football League (SFL) zusammengestellt haben, beziehen sich auf das Spiel FCB - FCZ vom 12. April in Basel. Laut SFL habe man die Dokumentationen an die Basler Kantonspolizei übergeben, die sie nun an die Zürcher Kollegen und an die Basler Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat.

Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, bestätigt auf Anfrage den Erhalt der Aufnahmen. «Wir sind natürlich sehr froh um solche zusätzlichen Informationen», sagt der Kriminalkommissär. «Die Aufnahmen werden in das eingeleitete Ermittlungsverfahren einfliessen.»

Das Filmen durch Private ausserhalb des Stadions stelle nicht zwingend ein rechtliches Problem dar, meint Gill. Hier gelten die üblichen Grundsätze des Rechts am eigenen Bild. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) hat die SFL auf die problematischen Aspekte aufmerksam gemacht.

«Wenn Private heimlich Videoaufnahmen von Personen machen, ist dies grundsätzlich heikel», heisst es in einer Stellungnahme des EDÖB. Zulässig seien Aufnahmen nur, wenn ein triftiger Grund vorliege und der Zweck nicht mit milderen Mitteln erreicht werden könne. Ein solcher Grund sei etwa die Aufklärung schwerer Gewaltdelikte.

Das Filmen auf öffentlichem Grund sei zudem nur nach Absprache mit den kommunalen oder kantonalen Behörden möglich. Betroffene Personen hätten auch die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen ungerechtfertigte Aufnahmen vorzugehen. Ob die heimlich gemachten Aufnahmen in einem Strafverfahren zugelassen werden, liege im Ermessen der Gerichte.

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