Jubelnd zieht Veroljub Salatic sein Trikot aus und schmeisst es durch die Luft. Dass er dafür eine Verwarnung bekommen würde, ist ihm in diesem Moment so etwas von egal.

Vermutlich kann er in diesem Augenblick selber nicht so ganz begreifen, was ihm soeben gelungen ist. Er, der von seinem Arbeitgeber GC wegen der Kritik am Klub und am Trainer intern gesperrt worden ist, hat bei seinem Comeback nach einer knappen Stunde zum 1:0 ins Tor getroffen. Ausgerechnet er, der in 297 Super-League-Spielen lediglich sechzehn Tore geschossen und in der letzten Saison in 31 Partien nur ein einziges Mal getroffen hatte. Er der letztmals am 2. Februar beim 3:1 in Luzern geskort hatte, ausgerechnet er also führte seinen Klub, für den er vor über 11 Jahren sein erstes Profispiel bestritten hatte, gegen den FC St. Gallen zum vierten und so wichtigen Sieg. Auch Trainer Michael Skibbe, für den das Tischtuch zwischen ihm und dem vormaligen Captain zerschnitten gewesen war, erhob sich und klatschte begeistert Beifall.

Salatics Leistungen vor der Suspendierung

Veroljub Salatic spielte vorerst durchaus so, als wäre er nie weg gewesen. Was auf den ersten Blick nicht bedeuten muss, er habe brillant gespielt. Man sollte nicht vergessen: In den ersten neun Pflichtspielen dieser Saison, als der Aufbauer vor seiner internen Suspendierung noch dabei war, hatten die Grasshoppers nur einmal gewonnen und Salatic selber lediglich ein einziges Mal, beim 2:1 in Aarau, eine gute Leistung abgeliefert.

So gesehen, war es sogar eine ganz ordentliche Leistung, die Salatic eine Stunde lang abrief. Nominiert im zentralen defensiven Mittelfeld neben Michael Dingsdag hatte der 29-Jährige viele Ballkontakte. Obwohl der «ewige GC-Captain» die Binde nicht wieder übernommen und sie Daniel Pavlovic gelassen hatte, wurde er von seinen Teamkollegen als Ballverteiler immer wieder gesucht.

Physisch waren trotz der knapp dreimonatigen Wettkampfpause keine Defizite auszumachen; ein Sprinter ist Salatic noch nie gewesen. Wie gehabt stieg er auch immer wieder kompromisslos in die Zweikämpfe, von denen er die allermeisten zu seinen Gunsten entschied.

Immer noch kein Kreativspieler

Doch der grosse Kreativspieler ist er natürlich in der Pause nicht geworden. Das ist er noch nie gewesen. Er spielte die meisten Pässe quer, manchmal zurück und selten steil. Er war ballsicher, ordnete das Spiel seiner Mannschaft und beruhigte es bei Bedarf. Auf einen offensiven Geistesblitz allerdings würde man wohl vergeblich warten müssen.

Dachte man, dachten wohl alle. Ausser Salatic. Nach einer Stunde stand er im St. Galler Strafraum, aufgetaucht wie aus dem Nichts, aber goldrichtig, um die Hereingabe von Munas Dabbur zum 1:0 zu verwandeln. Die GC-Fans, die Salatic beim Verkünden der Mannschaftsaufstellung ziemlich emotionslos, ohne Pfiffe und ohne Jubel, empfangen hatten, waren aus dem Häuschen.

Dann schlug er noch einen brillanten Pass auf Dabbur, der das 2:0 vergab, um in den letzten Minuten dann doch noch das 2:0 und 3:0 zu erzielen. Zuvor hatte Schiedsrichter Stephan Klossner den St. Gallern nach einem angeblichen Foul an Vaso Vasic zu Unrecht das 1:1 Albert Bunjakus aberkannt. Vielleicht hatte er auch einfach nur die Salatic-Party nicht stören wollen.

Grasshoppers - St. Gallen 3:0 (0:0)

6600 Zuschauer. - SR Klossner. - Tore: 58. Salatic (Dabbur) 1:0. 88. Dabbur (Ben Khalifa) 2:0. 90. Dabbur (Ravet) 3:0.

Grasshoppers: Vasic; Lang, Gülen, Jahic, Pavlovic; Salatic, Dingsdag (91. Bauer); Ngamukol (46. Ravet), Abrashi (83. Ben Khalifa), Caio; Dabbur.

St. Gallen: Herzog; Thrier, Russo, Besle, Facchinetti; Mutsch (61. Mathys), Janjatovic; Tafer, Bunjaku, Tréand (64. Roberto Rodriguez); Cavusevic (67. Karanovic).

Bemerkungen: Grasshoppers ohne Grichting (gesperrt), St. Gallen ohne Everton (gesperrt) und Montandon (verletzt). Verwarnungen: 11. Russo (Foul). 15. Bunjaku (Foul). 52. Jahic (Foul). 59. Salatic (Unsportlichkeit). 61. Ravet (Foul). 62. Janjatovic (Foul).

Resultate: Luzern - Thun 0:0. Grasshoppers - St. Gallen 3:0 (0:0).

Rangliste: 1. Basel 14/29 (28:17). 2. Zürich 14/27 (27:16). 3. St. Gallen 15/25 (23:19). 4. Thun 15/23 (21:18). 5. Young Boys 13/18 (20:17). 6. Aarau 14/16 (16:19). 7. Grasshoppers 15/15 (17:25). 8. Sion 14/14 (13:17). 9. Vaduz 14/14 (10:19). 10. Luzern 14/10 (15:23).