WM-Kolumne
Verloren in Kasan

Nach der Landung in Kasan muss es schnell gehen. Zumindest die zweite Halbzeit zwischen Russland und Spanien möchte ich nicht verpassen.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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Zu Penaltyschiessen reichte es noch.

Zu Penaltyschiessen reichte es noch.

Alexander Zemlianichenko

Um keine Zeit zu verlieren, habe ich den Namen und die Adresse meines Hotels extra in kyrillischer Schrift auf einem Zettel notiert. Der Taxifahrer, der kein Wort Englisch spricht, lacht zustimmend und nickt. Er will mir vermutlich bedeuten, dass er die Adresse kennt.

Wir brausen los. Und fahren. Und fahren. Wir sind nun seit zwanzig Minuten unterwegs und gemäss meinen Berechnungen müssten wir am Ziel sein. Doch der Fahrer macht keine Anstalten, irgendwo anzuhalten. Zum Teufel: Ich habe doch keine Stadtrundfahrt gebucht! Ich interveniere, indem ich den Kopf schüttle. Ich will sagen: Wir sollten längst da sein. Der Fahrer hält an, will noch einmal meinen Zettel sehen. Er schwitzt und beginnt zu telefonieren. Die Adresse stimmt, da bin ich mir sicher. Ich habe das genau gecheckt. Aber der gute Mann hat wohl geflunkert, als er behauptete, den Weg zu kennen. Wir fahren weiter, halten zweimal an, weil der Fahrer Fussgänger fragt, ob diese vielleicht wüssten...

Ich zücke mein Smartphone, gehe ins Netz, rufe «Google Maps» auf und erhalte die Bestätigung, dass unser Standort weit vom Ziel entfernt ist. Ich zeige dem Fahrer auf der Karte unsere aktuelle Lage – und wo wir eigentlich sein müssten. Er runzelt die Stirn, zuckt mit den Schultern. Ich tippe den Namen des Hotels ein, aktiviere den Routenplaner, und schon zeigt eine blaue «Schlangenlinie», wie wir fahren müssen. Vom Rücksitz aus halte ich das Handy seitlich neben den Fahrer.

Es funktioniert. Weil der Verkehr an diesem Sonntag schwach ist – ausser uns beiden schauen alle Russland gegen Spanien –, kann er immer mal wieder einen Blick auf den Screen werfen. Es würde nichts helfen, wenn ich sagte: Nach links, geradeaus, nach rechts – der Mann verstünde nur Bahnhof. Doch auf dem Handy kann er erkennen, wie wir fahren, und die Pfeile signalisieren ihm, wann er abbiegen muss. Nach zehn Minuten sind wir am Ziel. Der Fahrer ist erleichtert, und ich bin es auch. Wir klatschen ab, und der Chauffeur ist erstaunt, dass ich ihm sogar ein Trinkgeld gebe. Wenigstens fürs Penaltyschiessen reicht es noch.