Nach seinem ersten Training zurück beim FC Basel hat sich Valentin Stocker Zeit für die Medien genommen. Im Gespräch redet der Rückkehrer über...

... den Zeitpunkt des Transfers:

«Für mich hat eine Rückkehr im letzten Sommer noch nicht gepasst. Ich wollte es noch einmal probieren, noch einmal angreifen und im Winter weiter schauen. Der Kontakt hat sich dann  Ende Dezember angefangen zu intensivieren. Da habe ich gemerkt, dass ich es mir vorstellen kann, schon jetzt zurück zu kommen. Am Ende ist aber alles relativ schnell gegangen. Ich habe Anfang Januar einen Anruf gekriegt und mich auch sofort entscheiden müssen.»

... seine sportlich schwierige Situation bei Hertha:

«Es war wirklich so, dass ich bei Hertha keine Zukunft mehr hatte. Das tat manchmal sehr weh, aber irgendwann akzeptiert man das. Für mich war einfach wichtig, dass ich immer in den Spiegel schauen konnte. Und ich habe auch immer betont, dass ich nicht des Geldes wegen habe bleiben wollen und noch drei, vier Monate auf der Bank sitzen. Die Jahre eines Fussballers sind begrenzt und es macht schon mehr Spass, wenn man eine Chance hat, zu spielen. Ich habe Hertha aber sicher auch helfen können. Vor allem in der ersten Saison, als wir den Abstieg verhinden konnten und ich einen relativ grossen Anteil hatte. Meine Quote war ebenfalls nicht so schlecht, wie ich gedacht habe. Und wenn ich gespielt habe, habe ich mehr oder weniger überzeugt. Eine Bilanz zu ziehen ist daher auch schwer. Für mich bleibt jedoch nichts Negatives haften. Aber ich bin froh, dass es vorbei ist.»

... das Highlight bei Hertha:

«Das war ganz klar das Tor gegen Hannover im April 2015. Mein erst zweites in der Bundesliga. Es war ein besonders schöner Treffer zum 1:1-Ausgleich und das in einer Phase, in der es um den Abstieg ging. »

... die verlorene Freude am Fussball:

«Es ist nicht so extrem, das ich sie ganz verloren habe. Aber es ist enttäuschend, wenn man weiss, dass man trainieren kann, wie man will, und doch nicht eingesetzt werden wird. Ich musste merken, dass es wirklich nicht mehr geht. Dass es keine sportlichen Gründe gab und es einen Schritt weg braucht.»

... das Leben in Berlin:

«In die Stadt Berlin habe ich mich verliebt. Es ist ein Traum. Die Leute dort, ihre Akzeptanz, die Weite dieser Metropole - all das ist einfach schön zu sehen. Ich werde auch immer wieder zurückgehen, wenn ich Zeit habe. Ich denke auch, das Leben dort hat mir unglaublich gut getan, weil auch ich dadurch weitsichtiger und toleranter geworden bin. Ich habe dort auch angefangen, mich intensiver für den Tierschutz, Obdachlose oder Kinderheime zu engagieren. Das kam von mir aus, weil ich gemerkt habe, dass mir das Kraft gibt. Deshalb habe ich mich in einem Winter auch erkundigt, was die Obdachlosen am besten gebrauchen könnten und habe mit einem Budget, das ich von einem Sponsor übrig hatte, warme Winterjacken gekauft. In Berlin kann es echt ganz fies kalt werden. Und für mich ist es wichtig, Verantwortung für Tiere oder Menschen, die weniger privilegiert sind, zu übernehmen.»

... den Entscheid pro Basel:

«Um ganz ehrlich zu sein war ich da relativ offen und hätte mir auch zwei, drei andere Sachen vorstellen können. Es war nicht von Anfang an klar, dass die nächste Station Basel werden würde. Ich habe mir überlegt, ob ich noch etwas anderes sehen will. Es gab auch Annäherungsversuche, bei denen es am Ende aber nicht geklappt hat. Beim FCB hat es dies und darüber bin ich sehr glücklich.»

... Erwartungen:

«Was mich genau hier erwartet, muss ich noch herausfinden. Bei gewissen Sachen bin ich es mir bewusst, bei anderen ist es schwierig zu wissen. Ich denke aber, dass es sich nicht gross von jenen Erwartungen unterscheidet, die man von mir hatte, als ich damals vom FCB weg gegangen bin. Die Leute wollen Leistung sehen und dass ich Tore mache und Titel hole. Diese Erwartungshaltung gehört zum Fussballgeschäft und ich denke, dass sie aufgrund der Vergangenheit auch begründet ist. Dennoch zählt in unserem Beruf am Ende das bisher Erreichte nichts mehr, sondern man muss sich immer neu beweisen. Das ist unser tägliches Brot. Dass ein gewisser Druck da ist, zeigt aber auch, dass ich in meiner ersten Zeit beim FCB nicht alles falsch gemacht habe.»

... die Angst, seinen guten Ruf in Basel zu zerstören:

«Natürlich gibt es immer begründete Zweifel. Die sind bei allen Entscheidungen, die man trifft, da. Ich habe einen super Namen hier und wenn es in die Hose geht, ist das nicht mehr so. Aber es gibt weitaus schlimmere Sachen auf der Welt.»

... die Veränderungen im Verein:

«Es ist Einiges anders. Aber es ist für mich noch zu früh, um viel dazu sagen zu können. Es sind auf jeden Fall viel mehr Staffmitglieder da und ein neuer Trainer. Man sagt zwar immer, es sei ein Heimkommen, aber es ist doch alles fremd. Klar kenne ich ein paar Spieler, aber die würde ich auch bei einem anderen Verein kennen. Es ist daher alles neu und ich muss erst einmal ankommen. Bilanz können wir dann nach einem halben Jahr ziehen.»

... die Schwierigkeit, dass Sportchef Marco Streller ein guter Freund von ihm ist:

«Es ist immer so: wenn alles gut läuft, ist alles ganz einfach. Wenn alles schlecht läuft, ist alles relativ schwierig. Es ist sicher eine spezielle Situation, dass Marco hier als Sportchef fungiert. Aber im Moment der Entscheidung sind wir uns nicht als Freunde gegenüber gesessen, sondern als Geschäftsmänner. Auch wenn das blöd tönt. Es ist auch nicht immer einfach gewesen, weil man schnell auf die emotionale Ebene gehen kann weil man weiss, was man sagen muss, um den Anderen zum Nachdenken zu bringen.»

... seine zukünftige Rolle:

«Ich will mich so gut wie möglich einbringen. Aber zuerst muss ich schauen, was es braucht. Beim FCB war es immer das Ziel, losgelöst von Personen erfolgreich zu sein. Und das haben sie seit Jahren geschafft. Logisch wird erwartet, dass ich der alte Neue bin, und ich halte auch gerne für alles meinen Kopf hin. Konkret kann ich aber noch nichts zu meiner Rolle und meinen Zielen sagen. Man kann nie planen, das habe ich gelernt. Und ich habe auch noch nicht mit Raphi (Wicky, Anm. d. Red.) geredet. Dazu werden wir noch genug Zeit haben.» 

... seine fussballerische Entwicklung:

«Ich weiss nicht, ob ich noch derselbe Spieler bin, aber ich denke es schon. Ich habe mich in diesen dreieinhalb Jahren aber bestimmt auch weiter entwickelt. Es ist nicht so, dass ich unheimlich viel Neues dazu gelernt hätte, aber von der Mentalität, der Physis, dem Zweikampf- und dem Defensiv-Verhalten ist es schon noch einmal ein Stückchen anstrengender als es in Basel war.» 

... seine Art den FCB zu verfolgen in den letzten Jahren:

«Ich habe den FCB relativ schlecht verfolgt, das muss ich ehrlich sagen. Natürlich habe ich die grossen Highlight-Spiele in der Champions League gesehen und mitgefiebert. Die Meisterschaft habe ich mir aber nicht grossartig angeschaut.» 

... sein im November operiertes Knie:

«Da ist absolut alles wieder gut. Die OP hat derselbe Arzt durchgeführt, der schon mein Kreuzband gemacht hat. Es verheilte so gut, dass ich bereits nach dreieinhalb Wochen wieder auf dem Platz hätte stehen können. Ich wäre also auch fit genug, um heute im Testspiel mitzuwirken. Ich habe aber noch keine Ahnung, ob das passieren wird. Es ist gerade alles noch etwas viel, aber bereit wäre ich.»

... die Vorfreude auf das erste Jassduell mit Marco Streller:

«Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir noch vier Spieler zusammenbringen (lacht). Ausserdem pokern sie mittlerweile mehr. Ich glaube, ich schliesse mich einfach dieser Runde an. Ich habe am Montag auch noch etwas zugeschaut, aber ich weiss nicht mal mehr, wer alles dabei ist. Ich war so müde.»