Wer von den YB-Anhängern an die Saisons 2007/08 und 2009/10 zurückdenkt, als die Young Boys jeweils am letzten Spieltag den Meistertitel dem FCB überlassen mussten, der erinnert sich wie von selbst an Valentin Stocker. Damals war der junge Luzerner - vor dem Wechsel in die deutsche Bundesliga - der oberste Spielverderber. Mit Toren und guten Leistungen in den entscheidenden Direktbegegnungen machte er Basel fast im Alleingang zum Meister.

Aber Stocker 2018 war am Sonntag im Stade de Suisse nicht mehr Stocker 2008. Er wirkte in der ominösen 82. Minute zögerlich und bekam ein einfaches Zuspiel nicht unter Kontrolle. Er musste es dadurch auf ein Duell mit Goalie Marco Wölfli ankommen lassen. Dass der Ball schliesslich Richtung Pfosten trudelte, war ein Zufall und nicht das Resultat eines geschickten Abschlussversuchs.

Dass Stocker nach dem spektakulären 2:2 im ausverkauften Stadion von allen Baslern am schwersten zu trösten war, versteht sich. Vor den Mikrofonen sprach er ausführlich von seinen beiden grossen Torchancen: "Bei der ersten Chance hätte ich es allein probieren müssen. Aber ich glaubte, dass der Querpass besser wäre. Bei der zweiten Chance hatte ich eine schlechte Ballannahme, eine schlechte Kontrolle. Manchmal geht der Ball in dieser Situation ins Tor, und manchmal, wenn es nicht läuft, halt eben an den Pfosten."

Valentin Stocker analysierte auch die ganze Mannschaftsleistung: "Am Anfang hatten wir etwas Angst. Die ersten 20, 25 Minuten waren wir nicht gut im Spiel. Aber ab dort, nach dem Tor von Hoarau, haben wir wieder einmal einen guten Match gezeigt. Wir waren in den Zweikämpfen gut. Wir haben viele zweite Bälle gewonnen und haben gute Chancen erarbeitet. Eigentlich könnten wir jetzt zufrieden sein mit unserem Spiel. Aber ist ist logisch, dass wir jetzt vor allem enttäuscht sind. Es ist hart für alle, auch für die vielen Fans, die mitgereist sind."

Dann fügte Stocker an: "Es ist klar, dass sich dieses Unentschieden wie eine Niederlage anfühlt. Für die nächsten Spiele müssen wir das mitnehmen, was wir am Ende der ersten Halbzeit und in der ganzen zweiten Halbzeit gezeigt haben."

Trainer Raphael Wicky brauchte für die Spielanalyse weitgehend die gleichen Worte wie Stocker. Der Walliser sagte über die Startphase sogar: "Es waren sehr, sehr schwache 25 Minuten. Ängstliche 25 Minuten, unverständlicherweise. Wenn man mit Angst durch ein Fussballspiel geht, gewinnt man nicht viel. Von dort weg zeigten wir ein gutes Spiel. Wir hatten viele gute Torchancen - so viele wie schon lange nicht mehr. Ich versuche jetzt, das Glas halb voll zu sehen und alles Positive mitzunehmen."

Wickys Antipode Adi Hütter behielt nach dem aufwühlenden Spiel ("die Zuschauer sind auf ihre Rechnung gekommen") die Ruhe. Der Vorarlberger machte dem glücklosen Gegner einschliesslich Wicky ein Kompliment: "Die Basler sind mit dem Rücken zur Wand gestanden. Sie zeigten, dass sie unbedingt gewinnen wollten, und sie hatten die besseren Chancen."