FC Basel
Urs Fischer: «Wenn schon, dann fühle ich positiven Druck»

Jetzt wirds happig: Nach dem Einrollen in der Super League gegen Vaduz und GC wartet auf FCB-Trainer Urs Fischer die erste wichtige Etappe in Polen.

Sebastian Wendel, Posen
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«Wenn schon, dann fühle ich positiven Druck.» Ein relaxter Urs Fischer vor der Champions-League-Qualifikation.

«Wenn schon, dann fühle ich positiven Druck.» Ein relaxter Urs Fischer vor der Champions-League-Qualifikation.

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Als Urs Fischer kurz nach 9 Uhr die Abflughalle am Basler Euro-Airport betritt, wirkt er locker. Keine Anzeichen von Druck, von Anspannung, dafür ein heiteres «ihr wollt mich, also kriegt ihr mich» zu den wartenden Journalisten. Später posiert er für Fotos mit Feriengängern, bevor er mit beschwingtem Schritt, den kleinen Rucksack lässig um eine Schulter gehängt, ins Flugzeug steigt. Nach der Landung schäkert er am Gepäckband mit einem weiblichen mitgereisten Fan – immer gut gelaunt, immer aufmerksam, immer nett.

Kann das wirklich sein? Kann man vor der ersten grossen Prüfung beim neuen Arbeitgeber so locker drauf sein? Zur Erinnerung: Heiko Vogel war 2012 der letzte FCB-Trainer, der die Champions-League-Qualifikation verpasste. Wenige Wochen später war er entlassen. Egal. Urs Fischer zeigt: Man kann locker sein, auch wenn um einen herum Druck aufgebaut wird. Es wirkt echt, wenn er sagt: «Druck – was heisst schon Druck? Druck hatte ich auch beim FC Thun.» Oder: «Ich freue mich auf die Champions-League-Qualifikation. Wenn schon, dann fühle ich positiven Druck.»

Wenn man die erste Phase der FCB-Saison mit einer Tour-de-France-Etappe vergleicht, dann haben Trainer und Mannschaft das Einrollen hinter sich. 2:0 gegen Vaduz, 3:2 gegen GC, sechs Punkte, vier mehr als YB, bereits wieder Tabellenführer in der Super League, schön und gut. Doch jetzt gilt es so richtig ernst, jetzt steht richtig viel auf dem Spiel. Es geht darum, die hohen Erwartungen des verwöhnten Basler Publikums zu erfüllen. Es geht um den Anspruch der FCB-Profis: Für sie ist die Champions League, was für Tour-Sieger Chris Froome das Gelbe Trikot ist: Alles andere als Champions League interessiert nicht. Jetzt geht es um 20 Millionen Franken. Jetzt geht es für Urs Fischer und den FC Basel in die Berge.

Wieder Luft zum Atmen

Als bekannt wurde, wer Nachfolger von Paulo Sousa und somit neuer FCB-Trainer wird, rümpften viele die Nase. Erstens: Eine FCZ-Legende in Basel – geht das? Zweitens: Vom Fussballzwerg Thun zum Riesen FCB – ist dieser Schritt nicht per se zu gross? Der Eindruck nach den ersten Wochen: Es klappt. Mit Fischer haben die Spieler wieder Luft zum Atmen, unter dem diktatorischen Regime von Sousa drohte der Erstickungstod. Die Fans, eine spezielle Sorte in Basel, fühlen sich näher bei der Mannschaft, seit die Tore zum Trainingsplatz wieder offen sind. Es lässt tief blicken, wenn FCB-Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Wir alle beim FCB spüren derzeit viel Freude.»

Trotzdem gilt auch für Fischer die alte Fussballweisheit: Was zählt, ist auf dem Platz. Bislang stimmt es auch dort, zwei Siege aus zwei Pflichtspielen, mehr geht nicht. Dazu zeigte die Formkurve am Wochenende beim 3:2-Sieg gegen GC steil nach oben. Null Nährboden für Unruhe – bis jetzt. Denn ab sofort rückt der Liga-Alltag in den Hintergrund. Ab sofort muss Fischer beweisen, dass er die Mannschaft auch für knifflige Aufgaben, wie es jene gegen den polnischen Meister Lech Posen zweifellos ist, taktisch und mental einstellen kann. Egal, ob bereits gegen die Polen oder danach in den Playoffs: Sollte Fischer die Champions League verpassen, kommt Unruhe auf – garantiert. Auch wenn Heitz sagt: «Wir werden die Arbeit von Urs Fischer nicht daran messen, ob er die Qualifikation schafft oder nicht.»

Fischer ist kein Berufsanfänger

Der Sportdirektor bemüht sich, den Druck auf Fischer kleinzureden: «Die Champions League ist keineswegs ein Muss. Wie jedes Jahr haben wir viele neue Spieler, das Team ist noch nicht voll eingespielt.» Aber natürlich: Heitz, die Spieler, der ganze FCB will in die Champions League. «Wir sind zuversichtlich, dass es klappt.» Und Heitz ist überzeugt, dass Fischer alles mitbringt, um das Team in die Königsklasse zu führen: «Er verdient ein bisschen mehr Kredit. Urs ist kein Berufsanfänger. Er hat sich mit Thun für die Europa League qualifiziert und kennt die Doppelbelastung von Liga und Europacup.»

Optimistisch ist auch Zdravko Kuzmanovic, Fischers Schlüsselspieler im Mittelfeldzentrum. Der Serbe ist zurückgekehrt zum FCB, um Meister zu werden und um Champions League zu spielen. Er erwartet die Qualifikation. Er sagt: «Für mich ist das wichtig, für meine Teamkollegen auch. Und für den Trainer genauso – es würde ihm vieles erleichtern. Ich vertraue ihm, dass er das richtige Rezept findet, um uns in die Champions League zu führen.»

Als Kuzmanovic dies sagt, sitzt Fischer bereits im Flugzeug. Es geht nach Posen, wo höllisch laute Fans und ein euphorisiertes Heimteam den FCB empfangen. Es ist so wie an der Tour de France bei der Fahrt hoch auf den Mont Ventoux oder die Alpe d’Huez. Jetzt gilt es ernst. Jetzt geht es in die Berge.

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