Außergewöhnliche Situationen erfordern bisweilen außergewöhnliche Maßnahmen. Und außergewöhnlich war es allemal, was sich am Freitagmittag auf dem Vereinsgelände des FC Bayern München zutrug. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic hatten geladen, es gab offensichtlich Gesprächsbedarf. Zur Erinnerung: Der FC Bayern hat seit vier Spielen nicht mehr gewonnen. Trainer Niko Kovac bezeichnete eine derartige Phase am Freitag ironisch und mit einem Grinsen als "Weltwunder".

Kaum hatte Kovac mit großem Eifer vor allem die mangelnde Chancenverwertung und das fehlende Glück als Hauptgründe für die momentane Misere angeführt, äußerten sich die drei Bosse - allerdings anders, als es zu vermuten gewesen wäre. Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic attackierten die Medien in ungewöhnlich scharfer Form. Deren Berichterstattung sei nicht mehr faktenbasiert, es sei "despektierlich", "unverschämt", "respektlos" oder "widerlich", wie über die Spieler geschrieben oder gesprochen werde, vor allem über die Nationalspieler, vor allem über Manuel Neuer.

Rummenigge zitierte zu Beginn seiner Ausführungen sogar das Grundgesetz, Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Für den Fußball scheine dies nicht zu gelten, sagte er. Hoeneß ereiferte sich auch darüber, wie bestimmte Medien zuletzt mit dem Bundestrainer umgegangen seien. Joachim Löw seien die Füße geküsst worden, jetzt sei versucht worden, ihn abzuschießen. Und deshalb, sagte er, "ist es mal an der Zeit, dass sich der wichtigste Klub in Deutschland mal klar positioniert". Heißt: Er schaltet Anwälte ein, wenn ihm etwas nicht passt.

Mit der sportlichen Krise habe dies selbstverständlich nichts zu tun, beschwichtigte Hoeneß. Ja, "jetzt haben wir mal vier Spiele erlebt, die uns ohne Frage auch nicht gefallen haben", und ja, versicherte er, "wir werden mit unseren Spielern und uns sehr kritisch umgehen". Aber: Der Ton sollte stimmen. "Es ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern", sagte Rummenigge mit Pathos, "weil wir uns die herabwürdigende, hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen". Konkrete Beispiele dafür blieb das Trio allerdings schuldig.

Der Trainer war an diesem Tag erst mal außen vor. Er habe, behauptete Kovac treuherzig, nichts gelesen in den vergangenen zwei Wochen sondern gearbeitet. Und analysiert, warum es in den vergangenen vier Spielen (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen) nicht so gelaufen sei wie in den ersten sieben Spielen (sieben Siege). Seine wichtigste Erkenntnis ist: "Der Ball geht nicht dahin, wo wir ihn gerne hätten, nämlich ins Tor." Und deshalb, betonte er, "werden wir jetzt nicht alles auf links drehen", was der FC Bayern brauche, "ist das Quäntchen Glück".

Er habe viele gute Trainer gehabt, merkte ein erstaunlich gut gelaunter, unrasierter Kovac am Freitag an, und von denen habe er gelernt: "Wenn's mal nicht läuft, nicht alles auf den Kopf stellen. Denn das ist Aktionismus, das bringt keinen Erfolg. Bleib deiner Linie treu." Und Kovac bleibt seiner Linie treu, zumindest bei seinen Äußerungen. Tenor: Alles wird gut. "Es ist nicht alles so schwarz, wie es jetzt gemalt wird", sagte er zum wiederholten Male, "es war auch nicht alles so rosig in den ersten sieben Spielen".

Übrigens: Der Trainer "steht bei mir nicht infrage, er weiß, dass wir hinter ihm stehen", ereiferte sich Salihamidzic. In den vergangenen zwei Wochen war das abgesehen von zwei Sätzen von Hoeneß nicht so deutlich geworden, der Sportdirektor aber betonte: "Wir müssen uns doch nicht öffentlich Küsschen geben, die Bundesliga ist keine Dschungelshow." Der FC Bayern aber ist auf dem besten Wege, wieder zum FC Hollywood zu werden.