"Ich bin zufrieden mit der Vorbereitung", meldet Urs Fischer aus Berlin. "Wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht." Die Hauptprobe glückte. Union setzte sich am Sonntag in der 1. Runde im DFB-Pokal gegen den Regionalligisten Halberstadt souverän 6:0 durch, am Montag folgte im letzten Testspiel gegen Lichtenberg ein 4:1.

Das Abenteuer Bundesliga beginnt für Fischer und den Klub aus dem Berliner Stadtteil Köpenick am Sonntag, wenn der Champions-League-Teilnehmer Leipzig im Stadion An der Alten Försterei gastiert. Getrübt wird die Vorfreude nur durch einen aufgrund des Gegners angekündigten Fan-Boykott in der Startviertelstunde.

"Für den ganzen Klub ist die Bundesliga eine neue Erfahrung und eine Herausforderung", sagt Fischer. Für ihn persönlich habe sich abgesehen von dem etwas grösseren Medieninteresse aber wenig verändert. "Ich arbeite so wie immer und versuche, die Mannschaft so gut wie möglich auf die Saison vorzubereiten."

Für Fischer selber war die Umstellung vor einem Jahr viel grösser gewesen. Ein neues Land, eine neue Liga und quasi auch eine neue Sprache begegneten ihm, als er nach sieben Jahren als Cheftrainer in der Super League den Sprung ins Ausland wagte und bei Union anheuerte. Mit den Eisernen gelang ihm gleich im ersten Anlauf das, was seinen Vorgängern verwehrt geblieben war: Der erstmalige Aufstieg in die Bundesliga.

Die Bilder vom Saisonfinale sind haften geblieben. Die Tage im Mai, als Union am letzten Spieltag in Bochum den direkten Aufstieg verpasste, diesen aber danach in der Relegation gegen den favorisierten Bundesligisten Stuttgart doch noch realisierte. "Von der Dramaturgie und dem mentalen Aspekt her ist dieser Aufstieg kaum zu toppen", sagt Fischer.

Der Zürcher schwelgt aber nicht in der Vergangenheit. Sein Fokus gilt der Gegenwart: dem nächsten Training, dem nächsten Spiel - der nächsten Liga. Ab Sonntag heissen die Gegner Leipzig oder Bayern und nicht mehr Sandhausen oder Heidenheim. "Wir müssen uns so schnell wie möglich adaptieren und zurechtfinden", so Fischer. Wie für jeden Aufsteiger heisst auch für Union das primäre Saisonziel Klassenerhalt. "Wir sind ambitioniert. Aber wenn wir dies schaffen sollten, haben wir etwas erreicht, weil wir das erste Mal dabei sind."

Berliner Transferoffensive

Um für die Bundesliga gerüstet zu sein, hat Union eine sehr aktive Transferperiode hinter sich. Rund ein Dutzend neue Spieler stehen Fischer zur Verfügung, unter ihnen bekannte Gesichter wie Verteidiger Neven Subotic, Mittelfeldspieler Christian Gentner oder Stürmer Anthony Ujah. Zusammen haben die drei knapp 700 Spiele in der Bundesliga bestritten. "Sie bringen nicht nur Erfahrung, sondern auch viel fussballerische Qualität mit", sagt Fischer.

Die vielen Transfers haben nicht allein mit dem Aufstieg zu tun. "Auch wenn wir in der 2. Liga geblieben wären, hätte es Veränderungen gegeben." Es gehe darum, sich weiterzuentwickeln. Vor allem bei eigenem Ballbesitz sieht Fischer Luft nach oben. "Dies war unsere Achillesferse in der 2. Liga." Zwar rechnet der Zürcher selbstredend mit weniger Ballbesitz seiner Mannschaft im Oberhaus, "aber wir müssen die Qualität haben, den Ball auch einmal in den eigenen Reihen halten zu können".

Eine gute Organisation und eine ausgewogene Balance zwischen Defensive und Offensive sollen die Berliner auch in der Bundesliga auszeichnen. Union unter Fischer galt als schwierig zu bespielen, mit nur fünf Niederlagen kassierten die Köpenicker die klar wenigsten in der 2. Liga. Auch 15 Remis bedeuteten Rekord, sorgten zwischenzeitlich aber auch für leise Kritik. Fischer sieht dies pragmatisch: "Jeder Punkt ist Gold wert." In der Bundesliga noch mehr.

Dass ganz oben ein anderer Wind wehen wird, bekam Union beim 0:3 im Testspiel gegen Celta Vigo zu spüren. Für Fischer diente der Auftritt gegen die Spanier als Weckruf für seine Mannschaft. "Wenn du Fehler machst, bist du in der 2. Liga oft mit einem blauen Auge davon gekommen. In der 1. Liga wirst du dafür bestraft werden."