Das letzte Heimspiel von Lausanne-Sport endete unrühmlich. Nicht bloss, weil danach der Abstieg feststand, sondern vor allem wegen der Vorfälle, die Schiedsrichter Sandro Schärer veranlasst hatten, die Partie abzubrechen.

Zuerst hatten Lausanne-«Fans» Böller und Pyros gezündet, waren dann vor dem Gästeblock aufgetaucht und mit Stangen auf die Thuner Anhänger losgegangen, um wenig später aus dem Stadion zu flüchten. Gemäss der Kantonspolizei Waadt wurden am Abend zehn von ihnen festgenommen.

Der Lausanner Alain Rochat beobachtet Pyros.

Der Lausanner Alain Rochat beobachtet Pyros.

Zuerst hatte Schärer die Partie lediglich unterbrochen und eine Viertelstunde abgewartet in der Hoffnung, er könne das Spiel fortsetzen. Doch er kam zum Schluss, dass die Sicherheit nicht gewährleistet und ein Weiterspielen nicht zu verantworten sei. Lausanne-Präsident David Thompson nannte danach das Verhalten der rund zwanzig Lausanne-«Fans» einen Skandal.

Ein Skandal war aber auch das fahrlässig lasche Sicherheitsdispositiv auf der Pontaise. Da darf sich die Waadtländer Klubführung nicht aus der Verantwortung stehlen. Denn wie Augenzeugen berichteten, waren diesbezüglich die Vorkehrungen durch den Platzverein völlig ungenügend. Ein Grüppchen von zehn Security-Leuten, bewaffnet mit Pfefferspray, stand bereit, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Böller 100 Meter neben Familien

Der Thuner Präsident Markus Lüthi nimmt den Schiedsrichter in Schutz, obwohl sein Team 2:0 in Führung lag und kein Interesse an einem Abbruch hatte. «Für Schärer habe ich Verständnis, die Sicherheit war schlecht», sagt Lüthi.

Er selber habe keine Angst gehabt, aber mit ansehen müssen, wie 100 Meter neben Familien Böller explodierten und Menschen panikartig ihre Plätze verlassen hätten: «Das stimmt mich traurig», sagt Lüthi, «die Sicherheitsleute waren überfordert.»

Auch Lausanne-Spieler Joël Geissmann sagt, er habe keine Angst gehabt. «Die Fans hatten es ja nicht auf uns Spieler abgesehen und wir gingen sofort in die Kabine», sagt Geissmann. Er denke gleichwohl, dass Schärer richtig entschieden habe, abzubrechen.

Vermummte stürmen den Platz.

Vermummte stürmen den Platz.

Dominic Wuillemin, der die Partie für die «Berner Zeitung» mitverfolgte, sieht es ähnlich: «Klar, die ‹Fans› hauten ab, und deshalb konnte man vielleicht den Eindruck haben, es sei möglich, weiterzuspielen. Aber es hätte sein können, dass die Chaoten zurückkehren. Was dann? Deshalb kann ich Schärers Entscheid nachvollziehen.»

Wuillemin hatte während des Spiels im Lausanne-Block ein Plakat entdeckt, das gegen die Thuner-Fans gerichtet war. Er vermutet deshalb, dass es sich um eine geplante Aktion handelte und der Abstiegsfrust eine untergeordnete Rolle spielte. Für Wuillemin steht fest: «Lausanne war auf eine solche Situation nicht vorbereitet. Das war naiv.»

Liga-Präsident Heinrich Schifferle, der zur gleichen Zeit im Stade de Suisse weilte, um den Pokal an Meister YB zu übergeben, sagt: «Grundsätzlich muss es immer das Ziel sein, eine Partie zu Ende zu spielen. Doch Sandro Schärer ist ein Top-Schiri und ich zweifle nicht daran, dass sein Entscheid nachvollziehbar ist.» Die Liga hat nun ein Verfahren eröffnet, das Verdikt ist abzusehen: Lausanne verliert 0:3 Forfait, kassiert eine Busse und muss ein Heimspiel ohne Zuschauer austragen.