WM14
Und wieder eine Überraschung: Costa Rica schlägt Uruguay mit 3:1

Die Fussball-WM 2014 hat ihre erste grosse Sensation. Der krasse Aussenseiter Costa Rica besiegte im Startspiel der "Todesgruppe" D den zweifachen Weltmeister Uruguay nach einem 0:1-Pausenrückstand mit 3:1.

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Uruguay gegen Costa Rica: Wer gewinnt das amerikanische Duell?
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Keystone

Mit einem Doppelschlag innert drei Minuten durch Joël Campbell und Oscar Duarte zwischen der 54. und 57. Minute kehrten die vom hohen Favoriten unterschätzten Mittelamerikaner den animierten Match in Fortalezza. Sie drehten den 0:1-Pausenrückstand nach einem Elfmetertor von Goalgetter Edinson Cavani (24.) in einen unerwarteten 2:1-Vorsprung und bauten diesen gegen die enttäuschenden und zu selbstsicheren Südamerikaner durch Marcos Urena in der 84.Minute noch zum 3:1 aus. Er war erst eine Minute zuvor eingetreten und vollendete ein Zuspiel von Campbell gekonnt aus spitzem Winkel.

Noch nie hat Costa Rica mehr als zwei Tore in einem WM-Spiel erzielt, und erstmals hat das Team des kolumbianischen Trainerfuchses Jorge Luis Pinto Uruguay besiegt. Für den zweifachen Weltmeister ist das Out in den Gruppenspielen nahe gerückt. Die nächsten Gegner heissen England und Italien. Beide ehemaligen Weltmeister hegen hohe Ambitionen, Uruguay in der gezeigten Form wohl kaum.

Wie erwartet figurierte Luis Suarez nicht in der Startelf der "Celeste". Drei Wochen nach seiner Meniskusoperation war der Goalgetter von Liverpool, der am Donnerstag erstmals das komplette Training der Mannschaft mitmachte, noch nicht für einen Einsatz fähig. So rückte der mittlerweile 35-jährige und nun in Japan kickende Diego Forlan, der vor vier Jahren zum besten Spieler des WM-Turniers gewählt worden war, in die Startformation der "Celeste" und wurde zum Sturmpartner von Cavani. Es wurde aber offensichtlich: Der Torschützenkönig der Premier League fehlte spürbar.

Eine erste Aufregung ereignete sich sich bei Temperaturen um 30 Grad in Fortaleza nach zehn Minuten. Costa Rica reklamierte einen Penalty, weil Uruguays Captain Lugano einen Cornerball mit den Händen abgewehrt hatte. Schiedsrichter Felix Brich, der Jurist aus Deutschland, pfiff. Aber er ahndete nicht das Händevergehen des Südamerikaners, sondern ein Stossen zuvor des Zentralamerikaners Oscar Duarte in Luganos Rücken.

Nach diesem Startschreck riss der zweifache Weltmeister aber das Spieldiktat an sich. Vorerst überschoss Edinson Cavani, der kongeniale Sturmpartner von Zlatan Ibrahimovic bei PSG, doch in der 24. Minute brachte er den haushohen Favoriten in Front. Lugano wurde von Junior Diaz im Strafraum der Mittelamerikaner umgestossen, Cavani liess sich die Elfmeterchance nicht entgehen. Der Ref-Entscheid war richtig, allerdings hätte Dr. Brych auch einen Penalty für Costa Rica pfeifen müssen, wurde doch ein Akteur im Strafraum gehalten, wie TV-Bilder bewiesen.

Dass Costa Rica, das vor vier Jahren die Schweiz in einem Testspiel in Sitten mit 1:0 besiegt hatte, nicht nur Kanonenfutter sein wollte, bewies es mit zwei sehenswerten Abschlüssen schon in der ersten Halbzeit. Der kraftvolle Stürmer Joël Campbell, von Arsenal an Olympiakos Piräus ausgeliehen, verfehlte mit einem Distanz-Scharfschuss das Ziel knapp, Verteidiger Giancarlo Gonzalez schoss ins Aussennetz. Allerdings machten sich auch wiederholt technische Mängel und fehlende Ballfertigkeit bemerkbar - vor allem in der dicht gestaffelten Abwehr im Team von Trainer Jorge Luis Pinto.

Der WM-Vierte von 2010 lehnte sich nach dem Vorsprung etwas zurück, erlaubte dem krassen Aussenseiter in der Gruppe D mehr Ballbesitz, kam vorerst aber kaum in Nöte. Im Gegenteil: Kurz vor der Pause musste sich Torhüter Keylor Navas nach einem abgefälschten Weitschuss von Forlan mächtig strecken, um das 2:0 zu verhindern. Navas bewies seine unbestrittene Klasse, ist der Schlussmann von Levante ja nicht umsonst in der vergangenen Saison als bester Goalie der Primera Division auserkoren worden.

Uruguay wenig überzeugend

Der WM-Vierte 2010 und Sieger der Copa America 2011 und des Confederations Cup 2013 hat die Klasse der WM vor vier Jahren (noch?) nicht erreicht. Uruguay offenbarte Schwächen in der Abwehr, Abstimmungsschwierigkeiten, die sich der kecke und lauffreudige Aussenseiter zu Nutze machte. Unerschrocken stürmten die Mittelamerikaner nach vorne und rissen vor allem über die Flanken Löcher in die "Uru"-Abwehr. Innert drei Minuten (54. bis 57.) wendete Costa Rica das Skore. Zunächst glich der überragende Campbell (54.) nach einem tollen Angriff über die rechte Flanke und einem Gewaltschuss aus, dann reüssierte Duarte mit einem Kopfball aus kurzer Distanz am hinteren Torpfosten. Abermals hatte Bolanos die Vorarbeit geleistet. Das 2:1 entstand aber aus einer Abseitsposition. Die TV-Wiederholungen aus verschiedenen Optiken entlarven einfach alles.

Uruguay - Costa Rica 1:3 (1:0)

Castelão, Fortaleza. - 59'000 Zuschauer. - SR Brych (De). - Tore: 24. Cavani (Penalty, Foul an Lugano) 1:0. 54. Campbell (Bolanos 1:1. 57. Duarte (Bolanos) 1:2. 84. Urena (Campbell) 1:3.

Uruguay: Muslera; Maxi Pereira, Lugano, Godin, Caceres; Arevalo Rios, Gargano (60. Alvaro Gonzalez); Stuani, Cristian Rodriguez (76. Abel Hernandez); Forlan (60. Lodeiro), Cavani.

Costa Rica: Navas; Gamboa, Giancarlo Gonzalez, Umana, Duarte, Junior Diaz; Bolano (89. Barrantes), Tejeda (74. Cubero), Borges; Ruiz (83. Urena); Campbell.

Bemerkungen: Uruguay ohne Suarez (verletzt). Costa Rica ohne Saborio, Mora und Oviedo (alle verletzt). 94. Rote Karte für Maxi Pereira (brutales Foul). 15. Abseitstor von Godin annulliert. Verwarnungen: 50. Lugano, 56. Gargano. 81. Caceres ((alle Foul).