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Uli Forte vor dem Spiel der vielleicht letzten Chance: «Basel ist abgezockter als wir»

Die Bilanz ist nicht gut. Nur eines der zehn letzten Spiele gegen den FC Basel konnten die Young Boys für sich entscheiden. Auch die Statistik von Trainer Uli Forte gegen den FCB ist bescheiden: 20 Spiele, 4 Siege.

Markus Brütsch
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Auf den FC Basel fokussiert: Uli Forte will mit seinen Young Boys nach zwei Niederlagen den Meister in dieser Saison erstmals bezwingen und die Super League spannender machen.

Auf den FC Basel fokussiert: Uli Forte will mit seinen Young Boys nach zwei Niederlagen den Meister in dieser Saison erstmals bezwingen und die Super League spannender machen.

Keystone

Uli Forte, ein 1:4 gegen Everton in der Europa League ist alles andere als eine Moralspritze für den Spitzenkampf gegen den FCB. War viel Arbeit im psychologischen Bereich nötig, um die Mannschaft wieder aufzubauen?

Uli Forte: Der Staff hat unmittelbar nach dem Spiel damit begonnen, die Mannschaft aufzurichten. Die jüngeren Spieler hatten an der Niederlage mehr zu knabbern als die Routiniers.

Befürchten Sie nicht, es könnte in den Köpfen etwas hängen geblieben sein?

Nein, die Europa League und die Super League sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Es war wichtig, zu analysieren, was wir falsch gemacht haben; aber dann war es genauso wichtig, das Spiel schnell abzuhaken. Everton wird erst in der nächsten Woche wieder ein Thema werden, wenn wir nach Liverpool reisen.

YB wirkte vom Tempo der Engländer überfordert.

Nein, so würde ich das nicht sehen. Wir hatten auch unsere Chancen. Aber nach dem frühen 1:0 sind wir zu weit zurückgewichen, zu passiv gewesen. Und dann sind die zwei Offsidetore dazugekommen, das war bitter. Das hat uns das Leben erschwert. Dass wir danach noch einen Penalty verschossen, passte ins Bild dieses Abends.

Romelu Lukaku war nicht in den Griff zu kriegen.

Nicht umsonst ist er von Everton für 42 Millionen Franken geholt worden. Er hat eindrücklich bewiesen, weshalb er so viel gekostet hat. Leider konnten wir ihn nicht in Schach halten.

Sie hatten gesagt, das Spiel gegen Everton sei wie ein Dessert. Ist es Ihnen im Hals stecken geblieben?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind froh, dass wir in der Europa League so weit gekommen sind.

War das eine europäische Lehrstunde?

Das klingt jetzt ein bisschen übertrieben. Bei Everton hat alles geklappt, bei uns nicht. Aber es war ja auch nicht alles schlecht.

Der FC Basel hat gegen Porto nicht gut gespielt und trotzdem ein 1:1 erreicht. YB aber hat sein Europacupspiel 1:4 verloren. Hat das mit Reife zu tun?

Ich weiss nicht. In Basel ist der Offsidetreffer der Portugiesen annulliert worden, bei uns ist das zweimal nicht der Fall gewesen. Aber klar: Der FC Basel hat nach wie vor seine grossen Qualitäten.

Er wirkt in diesen ersten Spielen nach der Winterpause jedoch nicht mehr so unwiderstehlich wie auch schon.

Der FC Basel ist immer noch der FC Basel. Er hat gegen den FC Porto ein 1:1 mitgenommen. Nein, der FCB hat nach wie vor seine Klasse. Er holt Punkte und steht nicht umsonst mit grossem Vorsprung auf dem ersten Platz. Andrerseits wollen wir in der Super League auf dem eingeschlagenen Weg bleiben. Wir haben da einen guten Lauf.

Ihr Team hat acht Punkte Rückstand auf den FCB. Somit dürfte es heute für YB die letzte Chance sein, mit einem Sieg an den Serienmeister heranzukommen.

Das weiss ich jetzt nicht. Was ich sagen kann: Im Gegensatz zum Spiel gegen Everton wollen wir das Zepter in der Hand haben. Dieses Spiel ist viel wichtiger als jenes gegen Everton. Es hat absolute Priorität. Das tägliche Business ist die Super League.

Warum hat YB gegen Basel so grosse Mühe, gute Resultate zu holen?

Der FC Basel hatte im Porto-Spiel kaum Torchancen, aber 1:1 gespielt. Er ist abgezockter als wir. Wir hatten viele Möglichkeiten, schossen aber nur ein Tor. Das ist der Unterschied.

Ist es ein erheblicher Nachteil, einen Tag weniger Pause zu haben als der FCB, der am Mittwoch gespielt hat?

Es ist ein Nachteil. Aber dennoch denke ich nicht, dass dies allzu gross ins Gewicht fallen oder gar entscheidend sein wird. Auch der FCB hat gegen Porto lange und hart arbeiten müssen. Es ist doch gut, dass wir jetzt gleich gegen den FCB antreten können und es Schlag auf Schlag weitergeht. Da brauche ich keinen zu motivieren. Wir wollen den Abstand auf Basel verkürzen.

Was kann man in einer solch kurzen Zeit zwischen den beiden Spielen überhaupt noch tun?

Nicht mehr als sich erholen, erholen und erholen. Und ein gegnerbezogenes taktisches Training haben wir auch noch absolviert.

Das YB-Kader ist gross, die Absenzenliste mittlerweile aber kurz. Wie erleben Sie den Konkurrenzkampf bei YB?

Er ist mit der Rückkehr einiger lange Zeit verletzter Spieler sichtbar grösser geworden. Genau das brauchen wir, um konkurrenzfähig zu sein.

Sie können nun in einer anspruchsvollen Woche wie dieser frische Kräfte in die Mannschaft rotieren. Kommt jetzt einer wie Alexander Gerndt gegen den FCB zum Zug?

Das ist gut möglich. Ich werde aber erst kurz vor dem Spiel wissen, welche von den angeschlagenen Spielern zur Verfügung stehen.

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