Fussball

Turnier statt Freundschaftsspiel: So funktioniert die «Nations League»

Ab 2018 ersetzt die Uefa die Freundschaftsspiele durch die «Nations League». Wie diese genau funktioniert, weiss auch der Verband noch nicht genau. Hier trotzdem die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Uefa hat wieder einmal getagt – dieses Mal in der kasachischen Hauptstadt Astana. So unbedeutend dieser Fleck Erde in der europäischen Fussballlandkarte bislang war, diese Woche war Astana Schauplatz einer Revolution in der grössten Sportart der Welt. Die 54 Uefa-Mitgliedsverbände haben die Einführung der Nations League beschlossen.

Das neue Format lässt ab 2018 die Freundschaftsspiele praktisch verschwinden. Wie das alles funktionieren soll, weiss die Uefa selber noch nicht genau. Trotzdem bemüht sich «Die Nordwestschweiz», Antworten auf die brennendsten Fragen zu finden.

Warum führt die Uefa die Nations League ein?

Der Verband ist der Ansicht, Freundschaftsspiele hätten ihren Reiz verloren. Insbesondere für kleine Fussballländer, die Mühe haben, attraktive Gegner zu finden. Um die Partien aufzuwerten, sollen sie einen sportlichen Anreiz bekommen. Und durch eine zentrale Vermarktung sollen die Nationalverbände mehr Einnahmen generieren können.

Ersetzt die Nations League die Europameisterschaft?

Nein. Der Sieger der Nations League wird jeweils in den ungeraden Jahren erkoren. Die EM wird weiterhin alle vier Jahre stattfinden.

Ersetzt die Nations League die EM-Quali?

Nein. Die klassische Qualifikation mit ausgelosten Gruppen bleibt bestehen. Sie wird insofern tangiert, als dass sie ab 2018 nicht mehr im Herbst, sondern erst im Frühjahr 2019 beginnt.

Welchen Anreiz hat die Nations League?

Vier Startplätze für die EM 2020 sollen an die Nations League vergeben werden. Also an Länder, welche die Qualifikation für die EM nicht auf dem klassischen Weg geschafft haben.

In welchem Modus wird gespielt?

Die 54 Uefa-Mitgliedsverbände werden gemäss ihres jeweiligen Koeffizienten in vier Divisionen unterteilt. Innerhalb dieser werden Subgruppen à drei oder vier Mannschaften gebildet. Die einzelnen Gruppensieger sollen in einer Art Playoffs den Sieger der jeweiligen Division ausspielen. Der Sieger der Division A ist gleichzeitig der Titelträger der Nations League. Zudem geht es um den Auf- und Abstieg in eine höhere bzw. tiefere Division. Angedacht ist, dass der Sieger jeder Division einen EM-Startplatz erhält. Sollte der Sieger die EM-Teilnahme bereits auf dem klassischen Weg erreicht haben, wird der Startplatz an den Zweitklassierten vergeben usw. Den detaillierten Modus und die Spieldaten erarbeitet die Uefa in den kommenden Monaten.

Gibt es Bald keine Freundschaftsspiele mehr?

Doch, wenige Fenster für Testspiele bleiben offen. Die Uefa verneint zudem, dass die Nations League zu mehr Terminen für die Profis führt.

Warum haben alle 54 Länder zugestimmt?

Hier gibt es wohl keine schlüssigere Antwort als «das Geld» (siehe Kommentar).

Wie wird die Quali für die WM 2022 in Katar tangiert?

Die Uefa erhält von der Fifa eine bestimmte Anzahl Startplätze für die WM (aktuell 13). Gegenüber der «Nordwestschweiz» teilt der Weltfussballverband mit, dass der jeweilige Kontinentalverband für die Organisation der Qualifikation zuständig sei. Jedoch müsse der Modus der Qualifikation von der Fifa genehmigt werden. Ob Startplätze für die WM 2022 an die Nations League vergeben werden sollen, hat die Uefa noch nicht entschieden.

Was sagt der Schweizer Fussballverband?

Mediensprecher Marco von Ah: «Wir können nicht sagen, dass die Nations League eine schlechte Idee ist. Schliesslich haben wir zugestimmt. Die Nations League bringt vermarktungstechnisch grosse Vorteile. Und sie ist die konsequente Fortsetzung des Vorhabens, die Nationalteams aufzuwerten. In Italien und Spanien, wo der Klubfussball dominiert, haben die Nationalteams nicht den Stellenwert, den sie verdienen. In diesem Zusammenhang ist es sicher nicht schlecht, wenn diesen Nationalteams eine weitere Möglichkeit geboten wird, einen Titel zu gewinnen.»

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