Super League

Trotz neuem Trainer Murat Yakin: bei den Grasshoppers bleibt es weiterhin turbulent

CEO Manuel Huber (M.) und Sportchef Mathias Walther (r.) sollen bei der Verpflichtung des GC-Trainers Murat Yakin keine Hauptrolle gespielt haben.

CEO Manuel Huber (M.) und Sportchef Mathias Walther (r.) sollen bei der Verpflichtung des GC-Trainers Murat Yakin keine Hauptrolle gespielt haben.

Warum Erich Vogel wieder Einfluss hat. Warum sich das designierte Verwaltungsratsmitglied Roland Klein rechtfertigen muss. Und warum Sportchef Matthias Walter und CEO Manuel Huber auf dem Prüfstand sind.

Mit Murat Yakin soll bei GC etwas vom Glanz der 90er-Jahre zurückkehren. Zumindest der Start ist mit einem Sieg gegen Sion gelungen. Aber Yakin allein kann GC nicht zu alter Dominanz verhelfen. Muss er auch nicht. Denn es sind die gleichen Namen wie vor mehr als 20 Jahren, die nicht tatenlos zuschauen mögen, wie GC in die Bedeutungslosigkeit abdriftet: Vogel und Spross.

Wer wie Erich Vogel über 40 Jahre als Trainer und Sportchef im Schweizer Fussball mitmischt, hat nicht nur Freunde. Erst recht, wenn er wie Vogel fast schon obsessive Züge entwickelt, um Macht und Erfolg zu erlangen – und dabei moralische, ethische und rechtliche Grenzen auslotet, vielleicht sogar mal überschreitet.

Erich Vogel ist eine Reizfigur. Wer in der Schweiz in irgendeiner Form mit Fussball sein Geld verdient, hat seine Meinung über Vogel. Vogel polarisiert. Am stärksten noch immer bei den Grasshoppers, seiner alten, ewigen Liebe.

Eine Reizfigur: Erich Vogel.

Eine Reizfigur: Erich Vogel.

Es muss nicht nur schlecht sein, wenn Vogel hinter dem Vorhang Regie führt. Die Verpflichtung von Murat Yakin beispielsweise ist eine gute Idee. Offiziell bestätigt wird der Einfluss des früheren Sportchefs zwar nicht. Stattdessen wird Roland Klein bei Yakins Verpflichtung ins Spiel gebracht.

Yakin ist Vogels Mann – keine Frage. Denn wäre Yakin der Mann der offiziellen operativen Führung, hätte man ihn schon vor der Saison verpflichtet. Doch Sportchef Mathias Walther und CEO Manuel Huber hielten an Carlos Bernegger fest. Vielleicht, weil er einfacher zu führen ist. Vielleicht, weil er in der Öffentlichkeit kürzere Schatten wirft. Huber und Walthers Pech: Die ernüchternden Resultate führen ihre Argumente «Pro Bernegger» ad absurdum.

Spross und das grosses GC-Herz

Nur: Warum hat Vogel selbst acht Jahre nach seinem letzten Engagement noch so viel Einfluss bei GC? Viele von Vogels Beziehungen erlitten Risse. Aber nicht jene zur Familie Spross. Vogel war und ist der Fussball-Sachverständige der Familie Spross.

Früher jener von Werner H. Spross («der Gärtner der Nation»), heute von dessen Neffen Heinz. Und das Glück von GC ist: Selbst nachdem Heinz Spross vor drei Jahren als Verwaltungsrat demissionierte, liess er die Hoppers nicht im Stich.

Zusammen mit Peter Stüber der wichtigste Geldgeber: Heinz Spross.

Zusammen mit Peter Stüber der wichtigste Geldgeber: Heinz Spross.

Im Gegenteil: Spross ist zusammen mit Peter Stüber, dem Inhaber der Merbag und damit der Primus unter den Schweizer Mercedes-Händlern, der wichtigste Geldgeber. Und wer bezahlt hat etwas zu sagen.

Das ist in letzter Konsequenz nicht allein Stephan Anliker, der Präsident. Nichts gegen Anliker. Der Architekt aus Langenthal ist ein angenehmer Zeitgenosse. Rechtschaffen und umgänglich. Keiner, der mehr sein will, als er ist. Ein Teamplayer. Und keiner, der den Fussball als Bühne zur Selbstprofilierung nutzt.

Der Präsident: Stephan Anliker.

Der Präsident: Stephan Anliker.

Aber am Ende des Tages ist er bei GC wohl doch so etwas wie «ein Präsident unter anderen». Ein Mann, der «Empfehlungen» aus dem Kreis der grauen Eminenz nicht ignorieren kann. Denn Anliker braucht den Support von Spross und Stüber, um das strukturelle Defizit von acht Millionen Franken auszugleichen.

In diesem Kontext ist es nachvollziehbar, dass Anliker stets gelassen darauf reagiert, wenn er mit Erich Vogel und dessen Einfluss bei GC konfrontiert wird. Vogel darf für Anliker kein Problem sein, sonst hat er selbst eines – mit Spross.

Diese Konstellation ist nicht immer einfach. Umso mehr, weil er von allen Seiten hört, welch schrecklicher Mensch Vogel sei und er den Mann endlich zur Persona non grata erklären soll. Aber Anliker beweist auch in dieser Sache einen Pragmatismus der gehobenen Klasse.

Nun also Roland Klein als jüngstes Zugeständnis? Der Mann soll heute an der Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt werden – als Vertreter der Gelgeber Spross und Stüber. Und nebenbei soll Georges Perego aus dem VR verabschiedet werden. Klein ist ein Vertrauter von Vogel, Perego Vogels langjähriger Intimfeind. Aber wer ist dieser Roland Klein?

Klein wird im Herbst 57, war einst ein grosses Talent beim FC Winterthur und später auch Sportchef. 1995 wandert er nach Asien aus. In Malaysia handelt er mit TV-Rechten. Später, in Katar, erhält er den Auftrag, den Fussball zu entwickeln. Der Plan, katarische Spieler zwecks Ausbildung nach Europa zu transferieren, scheitert. Erfolgreicher ist Klein, Altstars wie Gabriel Batistuta und Stefan Effenberg mit Petrodollars in den Golfstaat zu locken.

Klein und die bösen Gerüchte

In Katar lernt er Hakan Yakin – neuerdings U21-Trainer bei GC – kennen. Man kann sich gut vorstellen, dass sich Yakin während seines Engagements beim Al Gharafa Sports Club etwas verloren fühlt.

In Klein findet er die Bezugsperson, mit der er in seiner Sprache reden kann, die ihm im Alltag behilflich ist, mit der er die viele Freizeit füllt. Die beiden werden Freunde und sind es heute noch.

Designiertes Verwaltungsratsmitglied: Roland Klein.

Designiertes Verwaltungsratsmitglied: Roland Klein.

Wie üblich, wenn ein Vogel-Mann bei GC zum Landeanflug ansetzt, werden Gerüchte gestreut. Über Klein heisst es: «Der war in Katar keine grosse Nummer.» Oder: «Der wurde aus Katar ausgewiesen, weil er im Konkubinat lebte und er hat seither Einreiseverbot». Ob was dran ist? Klein will dazu erst nach der GV Stellung beziehen.

Fakt ist: In Katar ist es verboten, im Konkubinat zu leben. Nur: Klein lebte dort acht Jahre im Konkubinat, was das Gerücht vom Landesverweis nicht wirklich stützt. Trotzdem lösen die bösen Gerüchte den Reflex aus: Kriecht GC erneut einem Hochstapler auf den Leim?

2009 treffen sich Spross und Vogel, damals Vizepräsident, auf der Suche nach Investoren mit Volker Eckel alias Prinz Mohamad al-Faisal. Dieser verspricht die wahnwitzige Summe von 300 Millionen, entpuppt sich aber als Hochstapler. Spross und Vogel brauchen für den Spott nicht zu sorgen.

Klein ist kein Hochstapler im Sinne von Volker Eckel. Von ihm erwartet man kein Geld. Er soll im Verwaltungsrat das Fussball-Kompetenz-Vakuum füllen. Zudem soll er in der sportlichen Führung operativ tätig sein, mit cleverer Transfer- und Personalpolitik seinen Beitrag leisten, das strukturelle 8-Millionen-Franken-Defizit zu reduzieren.

Walther und die fehlende Gunst

Damit dürfte es für Sportchef Walther eng werden. Der Mann ist weder ein Vertrauter von Vogel noch mit herausragenden Leistungen aufgefallen. Sieht man von der Fehleinschätzung ab, an Bernegger festzuhalten, kann Walthers Arbeit nach nur vier Monaten nicht final beurteilt werden. Warum sein Vertrag trotzdem bis 2019 verlängert wurde, ist rätselhaft und macht wohl auch CEO Manuel Huber angreifbar.

Huber selbst hat sich zwar etwas aus der Schusslinie genommen, seit er das Amt des Sportchefs an Walther übergab. Trotzdem wird ihm und Walther derzeit ganz genau auf die Finger geschaut. Sind sie loyal? Stärken sie Yakin den Rücken? Zeigen sie Demut? Beschränken sie sich auf ihre Kernaufgaben? Haben sie ihre Egos im Griff? Profilieren sie sich im Erfolgsfall? Intrigieren sie nach dem ersten Misserfolg? Denn sowohl Huber wie auch Walther stehen nicht allzu hoch in Vogels Gunst.

Bei den Grasshoppers liegt also vieles wieder in Vogels Händen. Das allein garantiert Unterhaltung. Und höchst wahrscheinlich auch einen sportlichen Aufschwung.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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