Club-Wechsel
Trotz Fifa-Verbot: Mit Transferrechten werden im Fussball Milliarden verdient

Im Mai 2015 verbot die Fifa das Third-Party-Ownership, ein Konstrukt, bei dem Dritte Transferrechte an Spielern erwerben. Trotzdem geht die Praxis weiter – mit undurchsichtigen Fonds. Es ist ein Milliardengeschäft.

Adrian Lobe
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Gareth Bale gilt mit rund 100 Millionen offenbar doch als Fussball-Rekordtransfer.

Gareth Bale gilt mit rund 100 Millionen offenbar doch als Fussball-Rekordtransfer.

KEYSTONE/EPA EFE/JUANJO MARTIN

Fussballspieler sind begehrte Ware. Allein in der letzten Transferperiode wurden in den «Big-5-Ligen» (Deutschland, England, Italien, Spanien und Frankreich) 3,3 Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben. Doch die Zeiten, in denen Fussballspieler Klubs gehören, sind vorbei. Der Boom hat längst auch Investoren auf den Plan gerufen. Kapitalgesellschaften und Hedgefonds erwerben Transferrechte an Fussballspielern und versuchen, diese möglichst gewinnbringend zu veräussern.

Eine Wette auf die Zukunft

Third-Party-Ownership (TPO) nennt sich diese Konstruktion. Es ist eine Wette auf die Zukunft. Ganz gross im Geschäft ist Doyen Sports, eine Holding, die in der Steueroase Malta registriert ist. Das Portfolio liest sich wie das Who is Who des Weltfussballs: Radamel Falcao, Álvaro Negredo, Xavi Hernández, Neymar. Doyen Sports hält unter anderem auch die Bildrechte an Boris Becker und Neymar. Zu den Investoren gehören der türkische Manager Fettah Tamince, CEO der Hotelkette Rixos, der kasachische Geschäftsmann Tevfik Arif, ein Partner Donald Trumps, sowie der indonesische Medienmagnat Erick Thohir.

Im Mai 2015 hat die Fifa das TPO verboten. Dagegen klagte Doyen Sports vor einem Gericht in Brüssel – vergeblich. Die Richter wiesen die Klage ab. Die Fifa hat unterdessen eine Untersuchung gegen Doyen Sports eingeleitet. Konkret geht es um den Spieler Eliaquim Mangala, der 2014 für 54 Millionen Euro vom FC Porto zu Manchester City gewechselt war. Der Transfer liegt zwar schon ein Jahr zurück, doch in der Premier League ist das TPO bereits seit der Saison 2008/2009 verboten. Wie aus geheimen Dokumenten, welche der Nachrichtenseite «Bloomberg» zugespielt wurden, hervorgeht, soll der FC Porto die Verhandlungsrechte an Doyen Sports abgetreten haben. Ein solches Abkommen verstiesse gegen das TPO.

In einer Pressemitteilung teilte der Klub mit, er habe 30 Millionen Euro für 57 Prozent der Anteile erhalten. Dem Vernehmen nach soll Doyen Sports ein Drittel gehört haben, die restlichen 10 Prozent einer ominösen Firma in London. Die Kritik am TPO ist, dass Investment-Fonds Druck auf Klubs ausüben und Einfluss auf die Geschäftsführung nehmen können.

Geschäfte im Dunkeln

Die Fifa hat im September den belgischen Zweitligisten Seraing United mit einer Transfersperre und einer Geldstrafe von umgerechnet 135 000 Euro belegt. Seraing, ein Satellitenklub des FC Metz, hatte mit Doyen Sports eine Vereinbarung getroffen, wonach der Klub pro Saison mindestens zwei Spieler verpflichten sollte, an denen die Holding 30 Prozent Transferrechte bekommt.

Doch ist der Kapitalfluss mit dem TPO-Verbot wirklich versiegt?

Antoine Duval, Experte für internationales Sportrecht am Asser Institute in Den Haag, sagt: «Eine fundamentale Sache hat sich seit Mai geändert: Das Third-Party-Ownership kann nicht mehr offen praktiziert werden. Jeder Deal, der an die Öffentlichkeit gelangt, wird von der Fifa und den nationalen Verbänden geblockt, wie der Fall von Seraing zeigt. Das bedeutet aber nicht, dass TPO-Vereinbarungen komplett verschwunden sind.» Der Weltfussballverband hat eine Übergangsphase zugelassen. Das heisst: TPO-Vereinbarungen, die vor dem 1. Mai 2015 in Kraft getreten sind, dürfen weiterlaufen. «TPO-Verträge könnten informell fortbestehen und sich den Überprüfungsmechanismen entziehen», sagt Duval.

Neues Modell für Transfers

Derweil scheint sich bei der Finanzierung von Transfers ein neues Geschäftsmodell durchzusetzen. Fair Play Capital, eine Investmentgesellschaft nach luxemburgischem Recht, versorgt Fussballvereine mit Kapitalspritzen. Das Prinzip funktioniert wie bei einer Bank: Die Investmentgesellschaft leiht dem Verein Geld für den Kauf eines Spielers. Der Kreditrahmen richtet sich nach dem Marktwert des Spielers. Als Sicherheit hinterlegt der Klub Forderungstitel (etwa gegenüber einem anderen Klub oder Sponsor), Ticketeinahmen oder die Abtretung von TV-Rechten.

Fair Play Capital wirbt auf seiner Webseite, «der erste regulierte Investmentfonds im Fussball» zu sein. Die Investmentgesellschaft wurde von der luxemburgischen Bankenaufsicht lizenziert. «Die Klubs empfangen uns mit offenen Armen», sagte Gründer Anthony Costard der französischen Zeitung «20 minutes».

Die Frage ist, wie transparent das Geschäft ist und ob damit Geldwäsche betrieben wird. Die Financial Action Task Force wies bereits 2009 in einem Bericht («Money laundering through the football sector») auf «Verwundbarkeiten» des Systems Fussball hin. Diese seien vor allem auf die komplexe Anteilseignerstruktur, mangelnde Professionalität im Management sowie die niedrigen Markteintrittshürden zurückzuführen. In dem Bericht heisst es: «Die finanziellen Verwundbarkeiten können Fussballklubs zum leichten Ziel von schmutzigem Geld machen.»

Investoren kaufen Klubs auf

Wenn Erick Thohir in seiner Funktion als Präsident von Inter Mailand einen Spieler wie Geoffrey Kondogbia verpflichtet, der ihm qua seiner Beteiligung an Doyen Sports zu Teilen mitgehört, hinterlässt das einen faden Beigeschmack. «Die Tatsache, dass Investoren Fussballklubs aufkaufen, um auf dem Transfermarkt zu spekulieren, ist ein möglicher Nebeneffekt des TPO-Verbots», sagt Sportrechtsexperte Duval. Statt Spieler kauft man nun Vereine. Die Fifa hat mit dem Verbot den Einfluss undurchsichtiger Hedgefonds auf jeden Fall nicht entscheidend zurückdrängen können.