WM-Achtelfinal
Trotz allem: Die Einzel-Noten zum WM-Out können sich sehen lassen

Was für ein bitteres Ende! Die Schweiz kämpfte gegen Argentinien auf Augenhöhe und rennt nach einem Ballverlust in einen Konter von Messi, den Di Maria erfolgreich abschliesst. Die Noten der Schweizer Natispieler zum brutalen WM-Out.

Etienne Wuillemin, Sao Paulo
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Einzelkritik: Die Noten der Schweizer Natispieler gegen Argentinien
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Stephan Lichtsteiner, Note 4,5 Verlor vor dem 0:1 den Ball an Palacio. Nie in seiner Karriere wäre eine gelbe Karte wertvoller gewesen. Sehr bitter.
Fabian Schär, Note 5 Auch seine zweite WMPartie ist hervorragend. Kann Messi im entscheidenden Augenblick aber auch nicht stoppen.
Johan Djourou, Note 5 Am Anfang einige kleine Unsicherheiten. Danach immer besser. Gewann viele Kopfballduelle. Zuletzt voller Selbstvertrauen.
Ricardo Rodriguez, Note 5,5 Ein Auftritt ohne Fehl und Tadel. Gewann viele Duelle gegen Messi und di María in seiner gewohnt souveränen Art.
Valon Behrami, Note 5 Messi verlor die Nerven seinetwegen. Er ist wieder der alte Behrami. Immer am kämpfen, viele Sprints, viele Blocks.
Gökhan Inler, Note 5 Der Schweizer Dirigent. Viele gute Bälle in die Tiefe. Mit der Zeit zu viele Unkonzentriertheiten. Hielt das Team zusammen.
Granit Xhaka, Note 4 Häufig unglücklich unterwegs – sei es mit Ballverlusten oder Fehlpässen. Kämpferisch – aber vergab eine grosse Chance.
Xherdan Shaqiri, Note 5,5 Bereitete die besten Schweizer Offensivszenen herausragend vor. Wenn es gefährlich wurde, hatte er seine Füsse im Spiel.
Admir Mehmedi, Note 5 Ähnlich wie gegen Honduras. Lief enorm viel, verteidigte konsequent und gut mit. Im Angriff an seine Grenzen gestossen.
Josip Drmic, Note 4 In der 39. Minute könnte er sich krönen. Alleine vor dem Tor aber versagen die Nerven. So eine Chance kommt nur einmal.
Gelson Fernandes, Note 4,5 Kam in der 66. Minute für Xhaka. Und half mit aufopferungsvollem Einsatz mit, die Schweiz in die Verlängerung zu retten.
Haris Seferovic, Note 4 Kam in der 83. Minute für Drmic. Viele leichte Fehler. Zu wenig gemacht aus den Konterchancen.
Blerim Dzemaili, keine Note Kam in der 113. Minute für Mehmedi. Pfosten-Kopfball in der 121. Minute. Unfassbares Pech. Zu kurz im Spiel für Bewertung.

Einzelkritik: Die Noten der Schweizer Natispieler gegen Argentinien

Keystone

Diego Benaglio, Note 5,5

Am Ende erleben wir noch Benaglio, den Dribbelkünstler. Ganz vorne am Strafraum. Dort mit ein bisschen weniger Übersicht als auf seiner angestammten Position. Wahrscheinlich hätte er schon mit ein bisschen mehr Arbeit gerechnet. Egal. Zeigt seine beste Parade der WM gegen Messis ansatzlosen Schuss. Als er in der Verlängerung auch noch Di Marias Schuss entschärft, denken wir schon ans Penaltyschiessen und die Helden-Geschichte „Diego lässt Argentinien verzweifeln“. Es ist leider nicht Di Marias letzter Auftritt. Beim Gegentor machtlos.

Stephan Lichtsteiner, Note 4,5

Wenn eine WM so zu Ende geht, ist das nur eines: tragisch. Dann stellt man sich Fragen. Ruft „hätte, wäre, wenn“ in die dunkle Nacht hinaus. Hätte Lichtsteiner doch Palacio einfach umgerissen in dieser 118. Minute! Es wäre doch die beste gelbe Karte der Geschichte gewesen! Wenn er doch nur gewusst hätte, dass Messi auf den Konter lauert! Nein: Hätte, wäre und wenn existieren nicht. Und darum ist diese Szene ein Symbol für Lichtsteiners gesamte WM. Er kann und wird bald wieder viel besser sein. Wir wollen trotzdem nicht vergessen: 117 Minuten lang spielt er defensiv herausragend.

Fabian Schär, Note 5

Er hat an dieser WM zuerst Rückschläge erleben müssen. Anstatt Stammspieler plötzlich nur noch die Nummer 4. Nach von Bergens Verletzung und Senderos‘ leistungsmässigem Offenbarungseid waren seine Qualitäten endlich gefragt. Auch gegen Argentinien hervorragend. Und trotzdem wird ihn die missglückte „Blutgrätsche“ gegen Messi in der 118. Minute wohl noch lange in den Träumen verfolgen. Ihm ist nur eines zu wünschen für die Zukunft: Gesundheit! Bleibt er verletzungsfrei, wird er Messi irgendwann wieder begegnen.

Johan Djourou, Note 5

Die Bühne ist perfekt. Aber eigentlich hätte man solche Dribblings eher mehr von Messi erwartet. Egal. Djourou erobert sich mit einem Tackling den Ball. Fast strauchelt er. Er hält sich trotzdem auf den Beinen. Und vernascht gleich drei Argentinier. Die Szene beschreibt seinen Abend gut. Fast, aber nicht ganz gestrauchelt. Für einmal darf man die Fehlpässe zu Beginn vernachlässigen. Die Unsicherheit weicht bald einer Souveränität, die dem Team gut tut. Und die ihm selbst sichtbar Selbstvertrauen gibt – dann ist plötzlich sogar ein Tango mit dem Ball möglich. Räumte immer wieder mit starken Kopfbällen in der Defensive auf.

Ricardo Rodriguez, Note 5,5

Freunde der Gerüchteküche, macht euch auf einen heissen Sommer gefasst! Es wird nicht lange gehen, bis die ersten Spekulationen um Ricardo Rodriguez auftauchen. Chelsea? Manchester United? Barcelona? Er spielt gegen Messi und Di Maria nicht so, als würden diese Klubs eine Nummer zu gross sein. Natürlich gibt es einen oder zwei Momente, wo er Messi nicht aufhalten kann am rechten Flügel. Wichtiger aber sind die vielen Aktionen, mit denen er Messi eben stoppt. Rodriguez? Weltklasse!

Valon Behrami, Note 5

Wie ist das genau in der 87. Minute? Täuscht der Eindruck, oder versucht Messi tatsächlich, Behrami zu schlagen? Sollte eine versuchte Tätlichkeit gemäss Regeln nicht exakt gleich bestraft werden wie eine begangene Tätlichkeit? Lassen wir das. Wenn ein Fussballfan dieser Erde den Spieler Behrami nicht kennt, dann würde sich Behrami selbst mit seiner grossartigen Aktion gegen Ecuador erklären. Nur war der Valon von Ecuador nur während 20 Sekunden der echte Valon. Gegen Argentinien ist er es wieder über die gesamte Spieldauer. Starke Vorstellung. Viele Sprints. Viele Blocks. Viele Ballgewinne. Fazit: Er wächst an seinen Gegnern.

Gökhan Inler, Note 5

Das Verhältnis zwischen guten Pässen und Fehlpässen stimmt. Aber der Grat ist schmal. Ein starker Beginn mit vielen Akzenten. In dieser Phase ist er der unbestrittene Chef auf dem Feld. Der Mann, der das Team zusammenhält. Der Dirigent. Aber plötzlich nehmen auch die Unkonzentriertheiten zu. Die Fouls ebenfalls. Wobei in solch einem Spiel gilt: Lieber ein Foul zu viel als eines zu wenig. Summa summarum ein starker Captain.

Granit Xhaka, Note 4

Er ist Hitzfelds Mann. Seit dem Umbruch im Juni 2011. Egal auf welcher Position, der Trainer sah in ihm etwas, das der Mannschaft gut tut. Eigentlich ist es absurd, Xhaka als rechten Flügel zu bringen. Noch absurder sogar denn als Spielmacher. Die ungewohnte Position ist ihm anzusehen. Und es bleibt dabei: Er hat lieber das komplette Spiel vor sich. Mit dem Handicap einer frühen gelben Karte zusätzlich belastet. Trotzdem hat er auch seine guten Momente. Beinahe bringt er die Schweiz in Führung. Aber der linke Fuss Romeros verhindert es. Auch darum wird nicht wahr, was Xhaka einst kühn prophezeite: Der WM-Halbfinal mit der Schweiz.

Xherdan Shaqiri, Note 5,5

Ein Spiel wie gemacht für ihn. Er ist der Schweizer, an dem die Unberechenbarkeit hängt. Er ist der Spieler, der den Schuss Genialität reinbringt, der sogar einen WM-Titel-Favoriten wie Argentinien überfordert. Zweimal innert einer Viertelstunde lässt er seine Weltklasse aufblitzen. Einmal serviert er Xhaka den Ball nach einem Dribbling. Einmal lanciert er mit einem Aussenristpass im Fallen Drmic. Beide Aktionen hätten zu Tore führen können. Oder müssen? Nach einer etwas langen Kunstpause ist es wieder er, der den Fast-Ausgleich durch Dzemaili vorbereitet. Schade klappts auch diesmal nicht. Die Tränen flossen zum Spielende, war untröstlich.

Admir Mehmedi, Note 5

Irgendwann Ende des letzten Sommers wandte sich Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, an die Medien. Es war, als Admir Mehmedi gerade eine rote Karte kassiert hatte, weil er dem Schiedsrichter den Vogel zeigte. Es war ein flammender Appel an Mehmedi, aber auch für Mehmedi. Kernbotschaft: Mehmedi müsse jetzt „laufen, laufen, laufen“, „merken, wie das Spiel in der Bundesliga funktioniert“, „merken, wie jeder kämpft, als ginge es um sein Leben“. Die Worte haben gewirkt. Mehmedi hat selbst gemerkt, wie sich sein Spiel veränderte. Er ist dann in solchen Spielen wie gestern ein leidenschaftlicher Verteidiger. Er stört sich dann auch nicht daran, dass er offensiv nicht so viel bewirken kann. Das verdient einen guten Lohn.

Josip Drmic, Note 4

Vor dem Spiel sagte Drmic diesen einen Satz: „Vielleicht gibt es von mir auch einmal ein Video, das Messi dann anschauen kann.“ Nach 39 Minuten steht Drmic alleine vor dem argentinischen Tor. Was überlegt er? Vielleicht: „Wie kann ich dieses Tor möglichst kunstvoll schiessen, damit es Messi sein Leben lang immer wieder anschauen muss?“ Kommt darum dieser rätselhafte Chip-Versuch? Mit dem schwächeren linken Fuss und viel zu weit vom Tor entfernt? So eine Chance kommt nur einmal. Lief viel. Ohne Ertrag.

Gelson Fernandes, Note 4,5

In der 66. Minute für Xhaka eingewechselt. Ob es das richtige Zeichen ist, einen Spieler wie ihn einzuwechseln, wenn der Gegner spürbar taumelt? Ihn selbst braucht das nicht zu kümmern. Er hat das getan, was man von ihm erwarten kann. Defensiv fleissig. Offensiv ohne Impulse. Die Geschichte wäre zu gut gewesen: Gelson Fernandes, mit seinem Tor der Held gegen Spanien vor vier Jahren, wiederholt seinen Effort. Das Happy-End mit dem always-happy-man bleibt aus.

Haris Seferovic, Note 4

Auch für diese Story betätigen wir den Replay-Knopf. Drmic raus, Seferovic rein (in der 82. Minute) – und wir erwarten das Tor! Wie gegen Ecuador. Wieder hoffen wir vergebens. Seferovic bleibt vieles schuldig. Er führt keinen schnellen Gegenstoss zu Ende. Er verliert zu viele Bälle. Es ist nicht sein Abend.

Blerim Dzemaili, keine Note

Irgendwie wird man den Eindruck einfach nicht los: Immer wenn Dzemaili eingewechselt wird, passiert etwas Gefährliches. Diesmal ist es die 113. Minute (für den mit Krämpfen geplagten Mehmedi). Und er steht plötzlich im Mittelpunkt, als niemand mehr zu hoffen wagt. Flanke Shaqiri, der Ball fliegt auf seinen Kopf. Er setzt an zum Ausgleich – und wird vom Pfosten gestoppt. Dass er mit dem Knie danach das Tor ebenfalls verfehlt, ist purer Zufall, so schnell geht das alles in dieser Szene. Zu kurz für eine Bewertung. Hätte er getroffen, er hätte die Note sechs in unseren Herzen!

Die Bilder zur Partie:

Argentinien-Schweiz, Achtelfinal: Die Bilder zum Spiel
66 Bilder
Das Spiel ist Aus, die Schweiz scheidet ganz bitter aus
Xherdan Shaqiri kann die Niederlage nicht fassen
Shaqiri, er zeigte eine grossartige Partie, nach Spielende am Boden zerstört
Diego Benaglio muss getröstet werden
Pfostenschuss! Dzemaili kommt freistehend zum Kopfball, trifft aber nur den Pfosten, von dort geht ihm der Ball ans Bein und dann ins Out.
 Dzemaili hat die Riesen-Riesenchance zum 1:1 Unentschieden kurz vor Schluss
Dzemaili trauert der grossen Chance nach
Dzemaili alleine nach Spielschluss Ihm wird der Pfostenschuss nach Spielende wohl noch Tausend Mal durch den Kopf gehen
Die Schweizer trauern unmittelbar nach dem Pfostenschuss der Grosschance nach
Djourou nach dem Siegtreffer Argentiniens am Boden zerstört
Shaqiri bei der letzten Freistosssituation Sekunden vor Schluss
Angel di Maria zerstört in der 118. Minute die Viertelfinal-Träume der Schweizer
Benaglio muss sich in der 118. Minute geschlagen geben
Jubel bei den Argentiniern über den Treffer von Di Maria
Messi zieht ab, die Schweizer Abwehr kann klären
Ein Leidgenosse
Inler macht auf gute Freunde
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Benaglio muss kurz gepflegt werden
Benaglio wird hart angegangen und tut sich an der Schulter weh
Djourou steht Higuain im Weg
Messi zieht Mehmedi davon
Drmic mit der Grosschance - er versucht den Ball über Romero zu lupfenund scheitert
Shaqiri mit dem Dribbling gegen Mascherano
Drmic vergibt die zweite Grosschance des Spiels
Xhaka kommt beim Penaltypunkt freistehend zum Abschluss, doch vergibt die Grosschance
Rodriguez zeigt eine starke erste Halbzeit
Mascherano verdächtigt Inler einer Schwalbe
Shaqiri wird von Zabaleta gelegt
Messi gegen Djourou
Shaqiri grüsst Messi
Gonzalo Higuain am Ball, Stephan Lichtsteiner und Granit Xhaka sind zur Stelle
Die Startformation der Schweizer gegen Argeninien
Das Team der Argentinier
Auf gehts, Schweizer Nati!
Die Schweizer zeigen Muskeln - oder was auch immer, auf alle Fälle: Nett gekleidet!
Das Schweizer Team läuft sich ein
Lionel Messi beim Einspielen
Die Schweizer Fans in Sao Paulo auf dem Weg ins Stadion
Die Argentinier verehren Diego Maradona
Fans haben sich lieb vor dem Spiel
Die argentinischen Fans stimmten schon abends spät auf das Spiel ein
Das Stadion in Sao Paulo
Die Schweizer Nati bricht auf und steigt in den Bus
Die Schweizer Nati jubelt - ob sie das auch gegen 20 Uhr tun werden?
Argentinische Fans machen Stimmung bei einer Liveübertragung des argentinischen Staatsfernsehens.
Stadion
Die Schweizer Nati hat die Chance ihres Lebens, packt sie und schreibt Geschichte!
Stephan Lichtsteiner postet auf den Sozialen Medien dieses Bild und schreibt dazu: Kein Berg isch z'höch... mir packeds! Hopp Schwyz!
Shaqiri gegen Messi Unser Karikaturist Silvan Wegmann hat gezeichnet - brilliant!

Argentinien-Schweiz, Achtelfinal: Die Bilder zum Spiel

Keystone

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