Unumwunden gibt er zu, Begehrlichkeiten von anderen Klubs geweckt zu haben. Jupp Heynckes sagt: «Es waren die ganz reichen Klubs darunter. Es waren aber Klubs, wo man hätte Urlaub machen können. Und es war ein Klub, der international heraussticht; der sportlich nicht ganz so gut aufgestellt ist wie die Bayern, aber eine ähnliche Aura hat» Gemeint ist bei letzterem Beispiel Real Madrid. Dort war Heynckes schon mal als Trainer engagiert.

Von 1997 bis 1998. Eigentlich wollten die Königlichen damals den heutigen Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld verpflichten. Doch die Parteien konnten sich nicht einigen. Also wurde Heynckes als Nachfolger von Fabio Capello verpflichtet. Nicht als erste Wahl, was Heynckes ziemlich bald zu spüren bekam. Nach dem Out im Cup gegen einen Zweitligisten rumorte es im Bernabeu. Und auch Platz vier in der Meisterschaft war eine Enttäuschung. Trotzdem hat Heynckes in nur einem Jahr bei Real Madrid Spuren hinterlassen. Er hat die Madrilenen nach 32 Jahren zum ersten Champions-League-Titel geführt.

Das Versprechen an seine Frau

Nun sollte Heynckes in Madrid wieder Sehnsüchte stillen. Wankelmütig sei er zwischenzeitlich schon geworden, sagt er. Aber er hat nach dem verlorenen Champions-League-Final 2012 gegen Chelsea seiner Frau versprochen, den Zweijahresvertrag bei den Bayern zwar zu erfüllen, ihn aber nicht zu verlängern. Heynckes will vorerst mal Pause machen, regeneriern, reflektieren und nach eigener Aussage bestimmt kein Engagement ab dem 1. Juli eingehen.

Aber von Rücktritt spricht er nicht. Mit feuchten Augen sagt er: «Diese Jahr hat unglaublich viel Substanz gekostet. Ich bin bis ans Limit gegangen. Aber ich war halt auch wahnsinnig enttäuscht über die Niederlage gegen Chelsea und habe deshalb keinen Urlaub gemacht. Besonders in den letzten Wochen habe ich mein Alter gespürt.»

Bayern-Präsident Uli Hoeness, ein enger Vertrauter und Freund von Heynckes, hätte geraten: «Geh doch mal aus, was essen ein Glas Wein oder mehr trinken. Ich antwortete ihm: Wann soll ich das machen?» Nun bleibt ihm Zeit für Restaurant-Besuche, Spaziergänge mit dem Hund und für Musik. Und wenn die Lebensgeister zurück seien, wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagt, «wenn sein Urlaub vorbei ist, wollen ich und Uli noch einmal ein Gespräch mit Jupp führen und ihn fragen, ob die Türen beim FC Bayern nicht noch ein Stück weit offener sind.»

Dritter Abschied

Es ist das dritte Mal, dass Jupp Heynckes Abschied von den Bayern nimmt. 1987 holte ihn Hoeness erstmals als Nachfolger von Udo Lattek nach München und entliess ihn am 8. Oktober 1991, was er später als «meinen grössten Fehler» bezeichnete. Trotzdem sagte Hoeness an der Presskonferenz: «Jedesmal ist er als Freund gegangen. Jupp hat vorbildlich gearbeitet, er ist vorbildlich voran gegangen und die Spieler sind ihm blind gefolgt.»

Rumenigge würde Heynckes am liebsten in einer Kutsche mit vier weissen Pferden durch München fahren lassen. «Jupp hat vom ersten Tag des Trainingslagers bis zum Pokalsieg einen Plan gehabt, der fast in Master-Arbeit erledigt wurde. So eine Intensität habe ich noch nie erlebt. Mit dem Triple haben wir etwas Historisches erlebt. Genauso wichtig wie der Erfolg ist die Solidarität in diesem Verein. Jupp Heynckes hat diese Solidarität vorbildlich vorgelebt. Es hat in dieser Saison nicht einen Fall gegeben, dass ein Spieler Zirkus macht. Das ist allein das Verdienst von Jupp Heynckes.»

Heynckes selbst sagt über seinen ruhmreichen Abgang als Triple-Gewinner: «Wir haben in diesem Jahr viele Dinge optimiert. Nach der Niederlage gegen Chelsea war ein beispielloser Prozess in Gang gekommen. Und dann, im Wintertrainingslager in Katar habe ich gespürt, dass wir den besten Fussball der Bayern-Historie spielen werden. Das Team war überragend und homogen. Eine solche Harmonie innerhalb einer Mannschaft habe ich zuvor noch nie erlebt.» Davon wird nun auch sein Nachfolger, der frühere Barça-Trainer Josep Guardiola, profitieren.