Mit dem 2:2 dürften die Berner Oberländer trotzdem nicht ganz zufrieden sein. Sie führten zweimal und kassierten den Ausgleich erst in der 92. Minute.

2:1 führte Thun bis in die Nachspielzeit, nachdem Verteidiger Marc Schneider in der 56. Minuten mit einem präzisen Diagonalschuss den zweiten Auswärtstreffer erzielt hatte. Doch quasi aus dem Nichts entglitt den Berner Oberländern der Sieg doch noch. Fabrizio Miccoli traf in der 92. Minute mittels Freistoss aus 23 Metern ins Tor. Der 32-jährige Angreifer gehört in Palermo nicht mehr zum Stamm, gegen Thun war er nach 38. Minuten eingetreten. Aber er kann mit seiner Technik noch immer den Unterschied ausmachen. Deshalb nennen sie ihn in Italien auch den 'Diego aus dem Salento'.

Mutig suchte der (vermeintliche?) Aussenseiter aus der Schweiz die Offensive - und wurde schon nach sechs Minuten belohnt. Christian Schneuwly wurde auf dem rechten Flügel von Dario Lezcano angespielt. Er hatte Zeit und Raum und wartete gekonnt zu, bis Aussenverteidiger Benjamin Lüthi in Position gesprintet war, um das flache Zuspiel zum 1:0 ins Tor zu lenken.

Der Treffer wird Palermos neuen Trainer Stefano Pioli doppelt geärgert haben. Makulatur war nun der Wunsch, das Heimspiel ohne Gegentor zu überstehen. Und vor dem gefährlichen Flügelspiel der Thuner hatte er seine Spieler eindringlich gewarnt. Seine Botschaft war offenbar nicht angekommen, doch die von italienischen Medien als 'offene Baustelle' bezeichnete Mannschaft Palermos setzte rasch zur Korrektur an. Schon in der 13. Minute traf der Slowene Josep Illicic mit einem Schuss aus 30 Metern ins Tor. Thuns Keeper David da Costa liess sich vom achtfachen Serie-A-Torschützen der letzten Saison überraschen und muss die Verantwortung für diesen Gegentreffer auf sich nehmen.

Die Thuner verdienten sich den (Teil-)Erfolg dank einer abgeklärten Leistung. Sie hielten dem Ball grosse Sorge und waren mit Erfolg bemüht, möglichst wenige ärgerliche Ballverluste verzeichnen zu müssen. Erstaunlicherweise gerieten sie je länger desto weniger in Bedrängnis. Nach dem zweiten Thuner Tor kam von Palermo wenig. Einzig Illicic zwang Da Costa nochmals zu einer Parade (68.) - bis Palermos 'Diego' den Abend für die Sizilianer doch noch wenigstens halbwegs rettete.

Palermo - Thun 2:2 (1:1).

Renzo Barbera. - 28'760 Zuschauer. - SR Mazic (Ser). - Tore: 6. Lüthi (Schneuwly) 0:1. 13. Illicic (Weitschuss aus 30 Metern) 1:1. 56. Schneider (Lezcano) 1:2. 92. Miccoli (Freistoss aus 23 Metern) 2:2.

Palermo: Benussi; Muñoz (61. Bacinovic), Bovo, Mantovani; Cassani, Migliaccio (80. Acquah), Nocerino, Balzaretti; Illicic, Zahavi; Pinilla (38. Miccoli).

Thun: Da Costa; Lüthi, Matic, Schindelholz, Schneider; Demiri (88. Hediger), Bättig; Christian Schneuwly, Lezcano (77. Andrist), Wittwer; Lustrinelli (76. Sanogo).

Bemerkungen: Thun ohne Reinmann (krank). Verwarnungen: 9. Mantovani (Foul). 35. Migliaccio (Foul). 62. Lustrinelli (Foul/im Rückspiel gesperrt). 78. Wittwer (Foul).