Fussball
Test bestanden: Materialforscher von Empa geben das Okay für den WM-Ball

Im Auftrag der Fifa hat die Empa in der Schweiz den offiziellen Ball für die WM in Russland geprüft. Der «Telstar» hat den Test bestanden.

Niklaus Salzmann
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Bei 250-maligem Eintauchen in einen Wasserbehälter darf der Ball nur minimal schwerer werden.

Bei 250-maligem Eintauchen in einen Wasserbehälter darf der Ball nur minimal schwerer werden.

HO

Sein Name stammt aus dem Jahr 1970, aber abgesehen davon hat der neue WM-Fussball «Telstar 18» wenig mit den damaligen Modellen gemein. Die Anforderungen sind inzwischen deutlich höher. Um sicherzustellen, dass sie erfüllt werden, hat die Fifa den Ball, der von Adidas geliefert wird, vom eidgenössischen Materialforschungsinstitut Empa testen lassen.

Der Ball sei an 4000 Punkten vermessen worden, um nachzuprüfen, ob es sich um eine perfekte Kugel handelt, teilt die Empa mit. Weiter wurde er 250-mal in einen Wasserbehälter gequetscht. Dabei durfte er nur minimale Mengen an Wasser aufnehmen, da sich dieses auf das Gewicht und damit die Flugeigenschaften des Balles auswirkt.

Zwar zeigten sich Top-Torhüter wie die Spanier David De Gea und Pepe Reina nach einem Testspiel im März kritisch. «Torhüter werden grosse Probleme mit diesem Ball haben», sagte Reina gegenüber der spanischen Sportzeitung «AS». Doch Martin Camenzind, Gruppenleiter an der Empa, führt dies nicht auf die physischen Eigenschaften des Balles zurück. «Eindrücke sind etwas Subjektives», lässt er sich in der Medienmitteilung zitieren. «Wir verlassen uns auf objektive Parameter, die den Telstar 18 charakterisieren.»

2000-mal an Wand geknallt

Seit 22 Jahren führt die Empa im Auftrag der Fifa Versuchreihen mit Fussbällen durch. Dabei wird auch gemessen, wie viel Luft der Ball in 24 Stunden verliert und wie hoch er vom Boden abspringt, wenn er aus zwei Metern fallen gelassen wird. Zudem wird er 2000-mal mit 50 Stundenkilometern gegen eine Stahlwand geschossen. Während eines Profispiels erreichen die Bälle zwar noch weit höhere Geschwindigkeiten – Penaltys werden mit deutlich über 100 Stundenkilometern geschossen, womit dem Torhüter rund eine Drittelsekunde Reaktionszeit bleibt.

Noch schwieriger wird es für ihn, wenn der Ball ein unregelmässiges Flugverhalten zeigt. Das hängt einerseits von der Rotation ab, die ihm der Spieler verleiht, anderseits von der Aerodynamik. Doch Camenzind von der Empa kontert die Kritik der Torhüter, die den «Telstar 18» als Flatterball bezeichnen: «Wir konnten in einer Studie mit einem computergesteuerten Fuss zeigen, dass Bälle, bei denen ein flatterndes Flugverhalten bemängelt wurde, sich im Experiment bei definierten Verhältnissen keineswegs so verhielten.»

Er macht vielmehr optische Effekte geltend. Der fliegende Ball könne bei bestimmten Lichtverhältnissen ein ungewohnter Anblick sein, da er mit unregelmässigen Elementen bedruckt sei – im Gegensatz zu den klassischen Fünf- und Sechsecken.

Und doch erinnert die schwarz-weisse Bedruckung an den Klassiker aus dem Jahr 1970: Bei diesem waren die zwölf Fünfecke schwarz und die zwanzig Sechsecke weiss. Dank des Kontrastes sollte der Ball auf den Bildschirmen der Fernsehgeräte, die mehrheitlich noch keine farbigen Bilder zeigten, besonders gut sichtbar sein. Das machte den Ball zum Fernsehstar, zum «Telstar». Selbstverständlich handelte es sich noch nicht um ein geschweisstes und geklebtes Kunststoffding, sondern um einen genähten Lederfussball. Bei den Tests der Empa wäre er ziemlich sicher durchgefallen.