Zuschauer
Tausende freie Plätze: Darum waren die Tribünen am Cupfinal halb leer

Seit 2009 war kein Final in Bern mehr ausverkauft. Auch beim Knüller FCZ gegen FC Basel blieben mehrere tausend Plätze unbesetzt. Warum können der Verband und die Klubs nicht stärker mobilisieren?

Antonio Fumagalli
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Bei Anpfiff blieben viele Plätze im Stade de Suisse unbesetzt.

Bei Anpfiff blieben viele Plätze im Stade de Suisse unbesetzt.

Keystone

Es ist keine drei Wochen her, seit der FC Basel sein Heimspiel im Europa-League-Viertelfinal gegen Valencia vor leeren Rängen austragen musste. Wer seinen Blick nicht nur auf das Geschehen auf dem Platz richtete, wähnte sich allerdings auch beim Cupfinal vom Montag zumindest aus gewissen Blickwinkeln fast an einem Geisterspiel. Besonders auf der grossen Gegentribüne waren ganze Sektoren gar nicht besetzt, in vielen weiteren gab es zwischen den anwesenden Zuschauern grosse Lücken.

Die offiziellen Zahlen verdeutlichen den Eindruck: 23 312 Personen wollten sich die Affiche im Stade de Suisse live ansehen. Gemäss eigener Homepage bietet das Stade de Suisse an Fussballspielen aber knapp 32 000 Zuschauern Platz.

Dabei wären eigentlich alle Zutaten für ein publikumswirksames Finalspiel gegeben gewesen: Mit dem FC Basel und dem FC Zürich duellierten sich zwei der traditionsreichsten und populärsten Fussballklubs der Schweiz, die Ausgangslage war nach dem umstrittenen letzten Meisterschaftsspiel zwischen den beiden besonders brisant und sogar das Wetter spielte mit. Woran lag es dann, dass sich offensichtlich trotzdem viele Fussballfans dazu entschieden, das Spiel lieber zu Hause vor dem Fernseher statt live im Stadion zu verfolgen?

Sogar Klub-Kontingent zu gross

Die Ursachensuche gestaltet sich vielschichtig. Tatsache ist, dass im Stade de Suisse viele Sitzplätze auch dann verwaist geblieben wären, wenn man alle Billette hätte absetzen können. Aus Sicherheitsgründen hat der Schweizer Fussballverband (SFV) als Organisator einige Sektoren, die direkt an die Fankurven anschliessen, komplett gesperrt - eine Massnahme, die mittlerweile bei vielen Risikospielen angewendet wird.

Wäre die Lage in den Fanblocks eskaliert, hätte über diese Sektoren eine zusätzliche Evakuierungsmöglichkeit bestanden. Die maximale Zuschauerzahl wurde am Montag dadurch um mehrere tausend auf rund 26 700 gedrückt. Wie Figura zeigt, konnten aber nicht mal diese Plätze komplett belegt werden.

Die beiden Fussballklubs zeigen sich auf Anfrage einigermassen ratlos über die Gründe des verhältnismässig schwachen Zuschaueraufmarschs - schliesslich haben beide das Kontingent nicht ausgeschöpft, das ihnen der Verband zur Verfügung gestellt hatte. Der FCB konnte beispielsweise nur 7500 der rund 8500 Karten an seine Fans verkaufen. Zum Vergleich: Bei einem FCB-Heimspiel gehen im Schnitt über 27 000 Zuschauer ins Stadion. «Warum auch innerhalb unserer Sektoren nicht alle Tickets abgesetzt werden konnten, werden wir sicherlich diskutieren», sagt die FCB-Kommunikationsverantwortliche Andrea Roth.

Der SFV verweist auf mehrere Aspekte, die zu den leeren Plätzen geführt haben könnten. Einer ist die Frage der Sicherheit im Fussballstadion, die nicht erst nach den Fanmarsch-Ausschreitungen zu reden gibt: «Die öffentlichen Diskussionen im Vorfeld des Spiels, die stark auf den Sicherheitsaspekt fokussierten, waren sicher nicht verkaufsfördernd», sagt Kommunikationschef Marco von Ah, der sich dennoch mindestens 25 000 Zuschauer erhofft hatte.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich insbesondere Familien, die in der Regel nicht in den Fankurven anzutreffen sind, von der Debatte abschrecken liessen. «Wir können nachvollziehen, wenn sich Eltern gerade bei einem solchen Spiel mehr Gedanken um die Sicherheit ihrer Kinder machen», sagt Irene Heimgartner, Leiterin Politik bei Pro Juventute.

50 000 im Stadion - Tempi passati

Auch das Datum des diesjährigen Cupfinals hat offenbar nicht allen gepasst. Beim Fussballverband heisst es, dass der Ostermontag «möglicherweise kein idealer Termin mehr» sei, da traditionsgemäss viele Leute über das verlängerte Wochenende verreisen. Ob in künftigen Jahren wieder auf einen anderen Tag ausgewichen wird, ist offen. Tatsache ist: Der letzte ausverkaufte Cupfinal im Stade de Suisse - FC Sion gegen die Young Boys im Jahr 2009 - fand an einem Mittwochabend statt.

Gemäss einhelliger Meinung der Funktionäre hatten die Ticketpreise - ein Tribünenplatz war ab 80 Franken zu haben - nur beschränkt Einfluss auf die Verkaufszahlen. Vielmehr scheint der Schweizer Cupwettbewerb nicht mehr die gleiche Attraktivität auf die Fans auszuüben wie in der Vergangenheit - zu gross ist die Konkurrenz durch die nationale Meisterschaft und internationale Spitzenspiele.

Letztes Beispiel: Als der FC Zürich Ende März gegen den FC Thun im Halbfinal spielte, wollten sich gerade mal 8500 Zuschauer den Match im Stadion ansehen.

Die Zeiten, in denen über 50 000 Zuschauer zum Cupfinal pilgerten, sind nicht nur aufgrund der geringeren Stadienkapazitäten definitiv vorbei.

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