Damit kein falscher Eindruck erweckt wird: Beim Grasshopper Club ist mit der Verpflichtung von Pierluigi Tami nicht über Nacht der Wohlstand ausgebrochen. Die Vereinsleitung liess es sich aber nicht nehmen, ihren neuen Trainer im noblen Hotel Renaissance im aufstrebenden Zürcher Stadtkreis 5 zu präsentieren und nicht wie üblich im Campus in Niederhasli.

Anlass, plötzlich mit der grossen Kelle anzurühren, wäre beim 27-fachen Champion in der Tat fehl am Platz. VR-Präsident Stephan Anliker, Sportchef Axel Thoma und Pierluigi Tami erwähnten gebetsmühlenartig, dass bei GC Bescheidenheit angesagt sei. «Die Lage ist nach wie vor angespannt», sagt Axel Thoma.

Kein Zampano

Dass bei der einstigen Nobeladresse im Schweizer Fussball die Bescheidenheit Einzug gehalten hat, beweist die Verpflichtung von Tami. Der 53-Jährige ist weit davon entfernt, sich als grosser Zampano aufzuspielen. Mit einem sympathischen «Buongiorno» begrüsste er die anwesenden Medienvertreter und versuchte ihnen zu erklären, was er besser machen möchte als sein Vorgänger Michael Skibbe, der sich im Fall Salatic zunächst aufgerieben und letztlich kapituliert hatte. «Ich kenne Michael Skibbe nicht gut und weiss nicht, was er gemacht hat. Bei mir wird es aber keinen Fall Salatic geben», sendet Tami eine deutliche Botschaft aus. An den ganzen Klub und natürlich auch an Vero Salatic.

Wie sich der Trainer des Jahres 2011 mit den Gesetzmässigkeiten im Zürcher Fussball zurechtfinden wird, müssen die kommenden Wochen zeigen. Nach den anhaltenden Unruhen im Verein darf man gespannt sein, ob Tami im Stande ist, die Wogen zu glätten. Sein Schritt aus der Komfortzone als U21-Trainer im Schweizer Fussballverband hin zum Super-League-Trainer verdient Respekt. Ausgerechnet Tami, der heimatverbundene Tessiner, der sein ganzes Leben in seinem Kanton gelebt hat, bricht aus dem beschaulichen Minusio aus und versucht im fortgeschrittenen Alter sich urbane Resistenz anzueignen. Zunächst alleine: Bis im Sommer bezieht er getrennt von der Familie in Zürich eine Wohnung, danach kommen Ehefrau und Tochter nach. «Bis dahin hoffe ich, Züridütsch zu lernen.»

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Vorerst wird Pierluigi Tami seine Mannschaft besser kennen lernen, im Trainingslager in Südspanien. Bis zum Rückrundenstart am 7. Februar bleiben ihm drei Wochen Zeit, den Spielern seine Ideen – oder, wie er sagt, seine Kultur zu vermitteln. «Für mich stehen drei Themen im Vordergrund: Arbeit, Arbeit, Arbeit.» Sein Arbeitseifer in Ehren: Am Ende wird auch Tami an den Resultaten gemessen werden. Und da ist sein Spielraum eng bemessen. Das verdeutlicht der Blick auf die Tabelle. GC ist zwar nur zehn Punkte von den Europacup-Rängen entfernt, aber auch nur sechs Zähler vom Abstiegsplatz. In diesem Sinne: Avanti!n. Und da ist sein Spielraum eng bemessen. Das verdeutlicht der Blick auf die Tabelle. GC ist zwar nur zehn Punkte von den Europacup-Rängen entfernt, aber auch nur sechs Zähler vom Abstiegsplatz. In diesem Sinne: Avanti!