Fussball

Suche nach dem Licht: Wie überzeugend siegt die Schweiz gegen San Marino?

Wie viele Tore schiesst die Schweiz gegen San Marino? Nationaltrainer Petkovic braucht Erfolgserlebnisse.

Wie viele Tore schiesst die Schweiz gegen San Marino? Nationaltrainer Petkovic braucht Erfolgserlebnisse.

Die Schweizer Fussballer können derzeit sehr gut etwas Licht ertragen. 0:2 gegen England. 0:1 gegen Slowenien. Die Sicht in Richtung EM 2016 in Frankreich ist nach dem missglückten Start gerade etwas vom Nebel getrübt.

Am Sonntag lag San Marino in dickem Nebel. Erst ganz oben, dort wo die wunderbare Festung «La Guaita» thront, blickte der Besucher in die Sonne. Davon hat das Schweizer Nationalteam noch nichts mitbekommen. Es reiste gestern Mittag im Flugzeug von Zürich nach Rimini. Aber die Schweizer Fussballer können derzeit sehr gut etwas Licht ertragen. 0:2 gegen England. 0:1 gegen Slowenien. Die Sicht in Richtung EM 2016 in Frankreich ist nach dem missglückten Start gerade etwas vom Nebel getrübt.

Das wird sich heute, zumindest kurzzeitig, ändern. San Marino heisst der Gegner. Der Letzte der Fifa-Weltrangliste. 121 Niederlagen aus 125 Spielen. Etwas anderes als ein Schweizer Sieg ist undenkbar. Die Wahrscheinlichkeit ist um einiges grösser, dass SVP-Übervater Christoph Blocher den sofortigen EU-Beitritt fordert.

Ein guter Krisenmanager?

Natürlich hat sich auch der neue Nationaltrainer Vladimir Petkovic seinen Start anders vorgestellt. Vier Punkte sollten es sein nach zwei Spielen, lieber sechs. Jetzt ist es eben keiner. Letzte Woche sagte Petkovic: «Ich könnte auch eine weitere Niederlage in Slowenien verkraften.» Jetzt geht es ein erstes Mal darum, dies zu beweisen. Wobei klar ist, dass ein Sieg heute nicht reicht, um wirkliche Zeichen der Besserung zu erhalten. Dafür ist mindestens ein weiterer überzeugender Erfolg gegen Litauen Mitte November vonnöten.

Am Abend vor dem Spieltag sagt er: «Es geht für uns darum, das Vertrauen zurückzugewinnen.» Das gilt natürlich vor allem für die Stürmer. Seit 319 Minuten wartet die Schweiz bereits auf ein Tor. Ist er in San Marino mit einem Sieg zufrieden? Oder muss das Team auch überzeugen? «Siegen und überzeugen», sagt Petkovic und fügt an: «Nur überzeugen reicht nicht.» Ganz verdaut hat er die Niederlage in Slowenien noch nicht.

Wirklich beunruhigend sind diese ersten beiden Schweizer Niederlagen noch nicht. Aber die Tendenz, diese zu verharmlosen, wie das bisweilen geschieht, ist gefährlich. Nur schon der Weg zu drei Siegen bis Mitte März, ist beschwerlich.

Viel Zeit vergangen

Petkovic hat einmal gesagt: «Ich musste lange durchs Fegefeuer gehen.» Zwischen dem Ende seiner Spielerkarriere und dem Moment, als seine Trainerkarriere so richtig Fahrt aufnahm, ist viel Zeit vergangen. Viel mehr Zeit jedenfalls als bei anderen. Petkovic beklagt sich nicht darüber. Was ihn eher stört, ist der Umstand, dass er vielerorts ein Image als «Verlierer-Trainer» hat. Gerade nach einem zweifelhaften Start, wie er ihn mit der Schweiz eben hingelegt hat, wird gerne wieder auf die Niederlagen in Cupfinal oder Finalissima mit YB verwiesen. Wo auch immer er hinging, entfachte er schnell das Feuer der Begeisterung. Den Nachweis, ein guter Krisenmanager zu sein, muss er sich aber erst noch erarbeiten.

Dass nun das Spiel gegen San Marino folgt, sollte Petkovic entgegenkommen. So kann er ein erstes positives Ausrufezeichen setzen. Drei negative Ausrufezeichen hat Petkovic nach den zwei Niederlagen bereits geortet. In der Innenverteidigung fällt neben Schär auch Senderos aus. Zudem zeichnet sich ab, dass Captain Gökhan Inler wegen seiner muskulären Probleme nicht dabei sein wird. Nur: Gegen San Marino ist es für eine Schweizer Auswahl ziemlich unerheblich, wer spielt. Und vor allem: Alles andere als ein überzeugender Sieg ist unentschuldbar.

Kein Sieg? Entlassung!

Unter den vier Spielen, die San Marino nicht verlor, finden sich zwei Unentschieden in einer WM-Qualifikation. Am 10. März 1993 ein 0:0 gegen die Türkei. Und am 25. April 2001 ein 1:1 gegen Lettland. Mit Folgen. Beide Trainer der Gegner mussten gehen. Jener der Türkei, Josef «Sepp» Piontek, unmittelbar. Jener der Letten, Gary Johnsen, nach Abschluss der Qualifikationskampagne.

Die zwei anderen san-marinesischen Erfolgserlebnisse stammen aus Testspielen gegen Liechtenstein. Nach dem 2:2 im August 2003 muss Trainer Ralf Loose seinen Posten abgeben. Die Entlassung ist jedoch die Folge eines Machtkampfes. Das Unentschieden gegen San Marino war einfach die erste passende Gelegenheit.

Martin Andermatt schliesslich musste in seinem ersten Spiel als Trainer von Liechtenstein den einzigen Sieg von San Marino miterleben. «Es war eine gute Lehre auf dem Weg nach oben», erinnert er sich. Er durfte bleiben.

Die Frage, wie das bei Vladimir Petkovic wäre, stellen wir bewusst nicht.

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