"Von so einem Spiel habe ich geträumt. Ich geniesse den Moment sehr", erklärte der emotionale Stürmer nach seinem unglaublichen Comeback. Ausgerechnet gegen seine Wahl-Heimat erzielte der 27-jährige Spieler des FC Liverpool beim 2:1-Sieg beide Treffer.

"Natürlich Suarez. Eigentlich war es unvermeidlich", schrieb die BBC über den Torschützenkönig der Premier League. Dabei drohte ihm vor knapp einem Monat nach einer Operation am Meniskus noch das WM-Aus. Ein Bild von Suarez im Rollstuhl erschütterte die Fans von "La celeste". Am Donnerstagabend in São Paulo war alles wieder gut. "El Pistolero" besiegte die Engländer mit seinen beiden Toren praktisch im Alleingang.

"Vor dem Spiel haben zu viele Leute in England über mein Verhalten in den letzten Jahren gelacht. Ich möchte sehen, was sie jetzt über mich denken", sagte Suarez mit Genugtuung. Der Stürmer hatte in der Vergangenheit oft für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, zuletzt vor gut einem Jahr mit einer Biss-Attacke gegen Chelseas Branislav Ivanovic. Seither lässt er aber nur noch Tore sprechen. "Es ist ein unglaublicher Moment. Noch vor ein paar Tagen hätte ich nicht gedacht, dass so etwas möglich ist", verriet Suarez, der bei der 1:3-Niederlage gegen Costa Rica zum Auftakt nur Zuschauer war.

Noch auf dem Rasen liess der Torjäger an der Schulter des Physiotherapeuten Walter Ferreira seinen Tränen freien Lauf. "Ich muss ihm danken. Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen", sagte der Matchwinner. Argentiniens Legende Diego Maradona adelte ihn prompt "zum besten Stürmer dieser WM".

Fünf Tage nach der Startpleite gegen Costa Rica hielt Suarez damit die WM-Hoffnungen der Südamerikaner im Alleingang am Leben und versetzte sein ganzes Land in einen Jubelsturm. Die Zeitung "Ovacion" titelte nach dem Sieg: "ZURÜCK! Suarez, der für die Wunder sorgt." Viele seiner Landsleute hatten für die schnelle Genesung des Angreifers mit Torgarantie gebetet.

Nach dem Abpfiff trug der verletzte Captain Diego Lugano den ausgelaugten Suarez zurück auf den Rasen, nachdem dieser in der 88. Minute wegen Krämpfen ausgewechselt worden war. Nun thronte Suarez auf den Schultern seines Mitspielers, schrie vor Freude und ballte immer wieder die Fäuste - so wie ein Boxer, der nach einem intensiven Fight einen K.o.-Sieg feiert.

Für sein Land hat Suarez in sieben WM-Spielen nun fünf Treffer erzielt. In der WM-Qualifikation traf "El Pistolero" elfmal. "Die Menschen in Uruguay lieben ihn. Und wir lieben ihn auch", sagte Uruguays Trainer Oscar Tabarez. "Ich habe ihm gesagt, mache dir keine Sorgen, wenn nicht alles klappt. Vielleicht verpasst du einen Ball, aber ich vertraue dir", meinte Tabarez. Das Vertrauen zahlte Suarez mit Toren zurück.