Fussball
Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic macht jetzt Mona Lisa Konkurrenz

Sommerschlussverkauf in Mailand: Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva sind Symbole eines neuen Sparkurses. Fussball-Kunst wird künftig in Paris geboten. In der Kapitale der Kunst, dort wo schon Louvre und Monalisa zu bestaunen sind.

Lukas Plaschy, Rom
Merken
Drucken
Teilen
Siegespose von Zlatan Ibrahimovic: So haben ihn die Milanesi geliebt.
6 Bilder
Mann der grossen Posen: Zlatan Ibrahimovic.
Ibrahimovic - der neue Star macht in Paris
Im Spiel gegen den Ex-Club: Ibrahimovic im Dress der AC Milan gegen Braça, den Club, bei dem er zuvor spielte
Ibrahimovic mal etwas anderse: Der smarte Schwede hat auch schon als Model gearbeitet.
Ibrahimovic an der Euro2102

Siegespose von Zlatan Ibrahimovic: So haben ihn die Milanesi geliebt.

Keystone

Fünf Euro. So wenig kosteten in den letzten Tagen an den Kiosken rund um den Mailänder Dom die Trikots von Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva in den Farben der AC Milan. Zwar hat auch in der Modestadt Mailand gerade der Sommerausverkauf begonnen. Bei zwei Weltklassespielern von einem Schnäppchen zu reden, wäre allerdings verfehlt. Der rapide Preiszerfall der Fanartikel hatte
vielmehr damit zu tun, dass sowohl der 30-jährige schwedisch-bosnische Stürmer wie auch der 27-jährige brasilianische Innenverteidiger in der nächsten Saison für Paris St. Germain spielen werden. Welcher Fan würde da noch das Trikot eines Ex-Spielers kaufen wollen.

Ein schönes Jahressalär

Durch diesen Megadeal fliessen insgesamt 62 Millionen Euro an Ablösesumme in die Kassen der Mailänder. Ibrahimovics einflussreicher Manager Mino Raiola verhandelt
derzeit noch mit dem Pariser Sportdirektor und Ex-Milan-Trainer Leonardo um das Jahressalär des Serie-A-
Torschützenkönigs der abgelaufenen Saison. Französische und italienische Zeitungen berichten von zirka 14,5 Millionen Euro Nettogehalt, welches «Ibra» in den kommenden drei Jahren unter dem Eiffelturm angeblich verdienen soll. Thiago Silvas Wechsel ist bereits unter Dach und Fach und lässt den brasilianischen Internationalen und Olympiateilnehmer von London in den nächsten vier Saisons jeweils um satte 7,5 Millionen Euro reicher werden.

Tabula rasa

Dabei hatte die Vereinsführung der Rossoneri bei der Präsentation der neuen Kampagne für die Saisonkartenbesitzer noch mit dem Konterfei des «besten Innenverteidigers der Welt» geworben. Ein erstes Angebot der katarischen Besitzerfamilie von PSG über 45 Millionen Euro allein für Thiago Silva war Anfang Juli vorerst noch am Veto von Klubbesitzer Silvio Berlusconi gescheitert. Aber seit dieser beschlossen hat, im kommenden Jahr wieder als Premierminister zu kandidieren, überlässt er sein ehemaliges Lieblingsspielzeug (26 Titel in 26 Jahren) dem Manager Galliani und seiner jüngsten Tochter Barbara. Die studierte Philosophin agiert im Verwaltungsrat des Nobelvereins aus der Via Turati allerdings weitaus pragmatischer als ihr Vater und verfolgt einen resoluten Kosteneinsparungskurs.

Vor Ibrahimovic und Thiago Silva hatte bereits eine ganze Schar ehemaliger Weltmeister, Champions-League-Sieger und Meistermacher wie Filippo Inzaghi, Clarence Seedorf, Alessandro Nesta, Gianluca Zambrotta und Gennaro Gattuso den italienischen Vizemeister verlassen müssen.

Spiegelbild des Landes

«Die Tifosi werden es verstehen», hatte Silvio Berlusconi noch vor
kurzem süffisant in die Mikrofone gelächelt. Das taten sie allerdings nicht. Auf den Piazzas, in den Bars und vor allem in den sozialen Netzwerken im Internet entlud sich der Zorn der Milanisti. Enttäuschung, Wut, aber auch bissige Ironie prägten die Kommentare. So fragte sich etwa ein Fan auf Twitter, ob das Geld aus dem Verkauf der Topstars zur Finanzierung von Berlusconis neuem Wahlkampf dienen werde.

Sex-Appeal verloren

Die Kommentatoren in der Presse betrachten die jüngste Entwicklung rund um den italienischen Fussball ebenfalls mit Sorge. Bereits mit dem Wettskandal behaftet, verliert die ehemals «schönste Liga der Welt» immer mehr an Sex-Appeal. «Die Serie A wird immer ärmer», schrieb die renommierte Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera» und meinte, dass sich die Wirtschaftskrise des Landes jetzt auch auf den Fussball ausweiten würde. Mit der Abwanderung der Fussballgrössen gehe in Italien endgültig eine «Ära des Kapitalismus» zu Ende.

Ibrahimovics Manager Raiola verglich seinen Klienten jüngst mit
einem teuren Gemälde wie der Mona Lisa, welches sich nur ganz wenige leisten könnten. Leonardo da Vincis Meisterwerk befindet sich bekanntlich im Pariser Louvre. Es macht immer mehr den Anschein, als ob sich das neue Epizentrum im Fussball ebenfalls in die «Ville Lumière» verschoben habe. Die AC Milan verhökert ihre Kunstsammlung.