FC Basel
Strippenzieher Delgado: Kein anderer FCB-Spieler ist so zentral wie er

Erst einen Punkt hat der FC Basel in der Champions-League-Gruppenphase bisher geholt. Wenn er europäisch überwintern will, muss der FCB heute unbedingt gegen Paris Saint-Germain punkten. Dabei wird einer zentral sein: Captain Matías Delgado

Sébastian Lavoyer
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Matías Delgado ist nicht nur Strippenzieher, sondern Captain, Vorbild und selten auch mal Anpeitscher. Kein anderer Spieler ist für den FCB so zentral wie er.

Matías Delgado ist nicht nur Strippenzieher, sondern Captain, Vorbild und selten auch mal Anpeitscher. Kein anderer Spieler ist für den FCB so zentral wie er.

Keystone

Spieler wie ihn gibt es heute eigentlich nicht mehr: ein Regisseur, von der Spielweise her ein bisschen wie sein Landsmann Diego Armando Maradona, eine klassische Zehn. Matías Delgado aber ist genauso ein Spieler, einer, der das Unerwartete tut, der aus Schemen ausbricht, Pässe spielt, die das Publikum im Joggeli verzücken. Er sei «fast ein bisschen aus der Zeit gefallen», sagt denn auch FCB-Sportchef Georg Heitz.

Nach Anlauf-Schwierigkeiten bei seiner Rückkehr nach Basel ist Delgado – in etwas mehr als einem Monat wird er 34 Jahre alt – unterdessen in blendender Verfassung. Er schlägt nicht nur zuckersüsse Pässchen, zirkelt Freistösse massgenau ins Zentrum oder versenkt Penaltys, als gäbe es nichts Leichteres. Nein, Delgado ackert auch, beteiligt sich aktiv am Pressing, stört die gegnerischen Verteidiger beim Aufbau. Gemeinsam mit Seydou Doumbia setzte er GC-Star Kim Källström am Samstag unter Druck. Dessen Rückpass zu Zesiger luchste Doumbia dem jungen Verteidiger ab. Und erzielte im Zusammenspiel mit dem aufgerückten Delgado das 1:0.

Delgado ist in bisher 13 gespielten Meisterschaftsrunden zwölf Mal zum Einsatz gekommen. Nur einmal spielte er über die volle Distanz – und trotzdem erzielte er sieben Tore, legte fünf Mal für einen Teamkollegen auf. «Alleine seine Statistiken zeigen, wie wichtig er für die Mannschaft ist», sagt FCB-Trainer Urs Fischer. Das sei aber nicht alles: «Auch als Captain, als erfahrener Spieler mit Siegermentalität, als leiser Anführer ist er zentral», sagt Fischer: «Man merkt es manchmal, wenn er nicht da ist. Das Team verhält sich dann nicht gleich.»

Wie weiter ohne Delgado?

So auch in London. Fischer verzichtete damals auf Delgado, spielte stattdessen mit einer Fünfer-Abwehr, drei Mittelfeldspielern – mit Zuffi im Zentrum – und zwei Stürmern. Das Resultat ist bekannt: Basel wurde in der ersten Halbzeit förmlich überrannt. Erst als Arsenal ein bisschen zurückschraubte, kamen die ersten Chancen. Von sieben Abschlüssen aber kamen bloss deren drei aufs Tor. Gegen Paris kehrte Delgado in die Startformation zurück – und prompt kam der FCB zu Chancen. Zu so vielen gar, dass die versammelten Präsidenten der Ligue-1-Klubs Bernhard Heusler in der Pause auf die Schulter klopften. «Man hat mir gesagt, dass nicht viele Vereine in Paris zu so vielen Chancen kommen wie wir in der ersten Halbzeit», erzählte Heusler nach dem 0:3 in den Katakomben des Prinzenparks.

Dass das Fazit nach dem deutlichen Favoriten-Sieg trotzdem positiv ausfiel, hing vor allem auch mit Delgado zusammen. Viele Aktionen liefen über ihn, er war der Strippenzieher im Spiel des FCB. Der Mann, der die Basler unberechenbarer machte und immer wieder macht. Er ist unverzichtbarer Baustein dieses Teams. Doch Delgados Vertrag läuft aus. Ob er weitermachen will oder nicht, hat er noch nicht entschieden. Dass er bleiben dürfte, wenn er wollte, daran bestehen derzeit keine Zweifel. Denn ersetzen kann man den Filigran-Techniker nicht. «Einen 1:1-Ersatz für Matí gibt es nicht. Das müssen wir anders auffangen, wenn er nicht weiterspielen will. Mit einem Systemwechsel vielleicht», gesteht Heitz.

Obschon Delgado in allen drei bisherigen Spielen in der Königsklasse zum Einsatz kam, hat der FCB bisher bloss ein Tor erzielt. Warum ist Basel so harmlos? Urs Fischer beklagte in Paris insbesondere mangelndes Wettkampfglück. Er gibt zu, dass sein Team im Abschluss direkter werden müsse. Das übe man immer wieder im Training. «Damit die Spieler diese Situationen kennen und wissen, was sie machen müssen sowie das nötige Selbstvertrauen haben, wenn sie im Spiel in aussichtsreiche Positionen kommen», so Fischer. Aber: «Training und Spiel sind immer zwei Paar Schuhe.»

Fischers taktische Experimente

Eigentlich wollte der FCB auch offensiv unberechenbarer und damit gefährlicher werden. Gegen Lausanne und Arsenal mit drei respektive fünf Verteidigern ging das gründlich schief. Ansonsten trat der FCB meist im bewährten 4-2-3-1 auf. Mit Ausnahme von Paris. Auf dem Papier spielte der FCB damals zwar auch so, allerdings sehr flexibel. Teils mit fünf, teils gar mit sechs Spielern verteidigend. Fischer will denn auch nichts wissen vom Ende des Projekts «System-Flexibilität». Aber: «Momentan haben wir jeden dritten Tag ein Spiel, da fehlt die Zeit, um so etwas zu üben.» Es ist davon auszugehen, dass Basel ähnlich spielen wird wie in Paris. Mit Delgado im Zentrum. Läuft er zu Hochform auf, dürfen die FCB-Fans träumen.