Ist das nicht bitter? Da vergeben die Schweizer in den ersten 150 Minuten beider Europameisterschaft mit Ausnahme von Fabian Schär Chance um Chance; vor allem Haris Seferovic sündigt noch und noch; und dann, als Admir Mehmedi gegen die Rumänen nach 57 Minuten endlich einmal Entschlossenheit zeigt und den Ball im Anschluss an einen Corner von Ricardo Rodriguez zum 1:1 ins Netz drischt − da schaut der Nationaltrainer nicht einmal zu …

57. Minute: Admir Mehmedi knallt den Ball volley in die Maschen und gleicht für die Schweiz gegen Rumänien aus.

Wie er das Tor kommentiere, wurde Vladimir Petkovic hinterher gefragt. Vom Hörensagen wusste er, dass es ein schöner Treffer gewesen sein muss. «Aber ich war dabei, eine Einwechslungvorzubereiten, und hatte mich für einen Moment umgedreht», sagte Petkovic. Und liess die Frage unbeantwortet, ob er drauf und dran gewesen sei, Mehmedi durch Breel Embolo zu ersetzen. Natürlich blieb der Leverkusener danach auf dem Rasen, und es war Seferovic, der seinen Platz für das Basler Talent räumen musste.

Das halbvolle Glas

«Ich hoffe, ihr seid diesmal zufrieden», sagte Petkovic zu Beginn der Medienkonferenz, «ich bin es.» Nicht mit dem Resultat zwar, aber mit der mentalen Stärke seiner Mannschaft. Sie habe gezeigt, dass sie besser spielen könne, als sie es gegen Albanien getan habe. «Das Glas ist halb voll», sagte der Coach, «wir müssen einfach unsere Chancen besser nützen und am Sonntag gegen Frankreich konsequenter sein.»

Petkovic wollte nicht sagen, ob die bisher eroberten vier Punkte schon das Ticket für die Achtelfinals bedeuten. «Es ist zu früh, um darüber zu reden. Wir sind hier, um Fussball zu spielen und streben Rang 1 an.» Es gehe dabei ums Prestige. Man wisse jedoch nicht, ob der zweite oder dritte Rang nicht einen vielleicht angenehmeren Gegner bringe. Zum Penalty, den sein Captain Stephan Lichtsteiner mit einem Zupfen am Trikot von Alexandru Chipciu verschuldet hatte, sagte Petkovic: «Wenn man das pfeift, dann gibt es in jedem Spiel viele Penaltys.»

Penalty für Rumänien wegen Trikotziehens von Lichtsteiner.

Granit Xhaka, von der Uefa erneut zum «Man of the Match» gewählt, sagte: «Wir haben eines der besten Spiele seit langem gezeigt, aber auch weiter unsereSchwäche im Verwerten der Torchancen. Ich bin mit unseren vier Punkten nicht zufrieden. Jetzt will ich aber, dass wir Frankreich besiegen.»

Torschütze Admir Mehmedi sagte: «Die Punktverluste sind sehr ärgerlich. Wir haben eine super Leistung erbracht.» Es sei eine riesige Steigerung gegenüber dem ersten Spiel gewesen, sie seien aber schlecht belohnt worden. «Nun müssen wir vorwärts schauen und gegen Frankreich alles klarmachen. Wir machen sehr, sehr vieles richtig. Vor dem Tor fehlen noch das Glück und die Kaltschnäuzigkeit.»

Xherdan Shaqiri und Valon Behrami waren sich in der Bewertung des Unentschiedens nicht einig. «Einen Punkt nehmen wir gerne mit, wir haben ihn uns erarbeitet», sagte Shaqiri. «Wir sind unnötig in Rückstand geraten, können aber stolz darauf sein, dass wir noch ausgeglichen haben.» Valon Behrami dagegen meinte: «Ich bin mehr enttäuscht als zufrieden. Von der ersten Minute an hatten wir alles im Griff. Doch es sind die kleinen Blackouts, beim Penalty und bei zwei, drei anderen Szenen, die uns das Leben schwer machen. Aber: Wir sind das Team, das am meisten Torchancen kreiert.»