Steve von Bergen, Sie sind letzte Saison mit YB Meister geworden. Hat man in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit noch oft an das gedacht oder ist das abgehakt, da die neue Spielzeit vor der Türe steht und alles wieder bei 0 anfängt?

Steve von Bergen: Nein, das ist kein grosses Thema mehr. Es war ein wunderschöner Moment und wir haben diesen Titelgewinn auch angemessen gefeiert, aber er bringt uns jetzt nichts mehr. Es beginnt alles wieder von vorne.

Aber wie war dieser aussergewöhnliche Titelgewinn nach 32 Jahren?

Es war unglaublich, was wir da erlebt haben. Wir hatten kaum Zeit, um zu realisieren was wir geschafft haben. Aber wie gesagt ist es wichtig, dass wir vorausschauen und Training für Training und Wochenende für Wochenende nehmen.

Nach 32 Jahren feierte YB wieder einen Meistertitel. Steve von Bergen (rechts) und Marco Wölfli präsentieren den Fans den Pokal.

  

Weshalb gelingt YB die Titelverteidigung?

Die Saison ist sehr lang. Bisher konnten wir unseren Kader gut zusammenhalten. Aber sehr wahrscheinlich wird schon noch der eine oder andere Spieler wechseln. Trotzdem: das Grundgerüst bleibt zusammen und so bleibt auch unser Teamspirit bestehen. Und schlussendlich ist klar: Als Meister willst du den Titel verteidigen. Das muss unser Ziel sein.

Welche Mannschaften erwarten Sie als grösste Herausforderer im Titelkampf?

Vor allem der FC Basel. Es ist normal, dass der FCB oben mitmischt. Es wäre auch spannend, wenn die Meisterschaft länger ausgeglichen wäre und vielleicht auch noch ein drittes oder viertes Team lange an der Tabellenspitze mitmischen könnte.

Wie schätzen Sie die Schwierigkeit ein, eine solche Top-Saison von letztem Jahr wiederholen zu können oder sogar noch zu toppen? Vor allem wenn man bedenkt, dass YB auch mindestens in der Europa League vertreten sein wird?

Es wäre ein Traum in Bern Champions League zu spielen. Die Europa League ist schon sicher, das gibt eine gewisse Sicherheit. Und auch im Pokal würden wir natürlich gern ähnlich erfolgreich auftreten wie in der letzten Saison. Mit dem Unterschied, dass wir gerne auch das letzte Spiel für uns entscheiden würden. Unter dem Strich ist es aber eine riesengrosse Herausforderung eine solche Saison zu wiederholen respektive noch toppen zu können. Es braucht viel Energie und täglich harte Arbeit in den Trainings. Die Saison ist lang – bis Weihnachten haben wir glaube ich fast 30 Spiele.

Am Ende der neuen Spielzeit will Steve von Bergen und YB möglichst auch im Schweizer Cup jubeln. Nicht wie letztes Jahr, als die Berner dem FCZ im Final unterlagen.

  

Kann es nicht sein, dass YB nach der letzten Saison der nötige Hunger fehlt und womöglich auch die nötige Substanz um den FCB nochmals bedrängen zu können?

Es wäre ein grosser Fehler, so zu denken. Wir sind Profis und haben eine entsprechende Einstellung zum Sport. Allein schon durch die Tatsache, dass ein neuer Trainer gekommen ist, kann sich auch kein Spieler sicher sein in der Stammformation zu stehen. Man will sich zeigen, beweisen und aufdrängen. Und wir wissen auch, dass es für andere Teams schwierig ist uns zu bezwingen. Das gibt uns ebenfalls ein gutes Gefühl für die bevorstehende Spielzeit.

Wie ist die Vorbereitung auf die neue Saison verlaufen?

Sehr gut. Wir hatten wenige verletzte Spieler. Dazu ist mit Gerardo Seoane ein neuer Trainer da, mit eigenen Ideen. Insgesamt haben wir im Vergleich zur Vorbereitung vor einem Jahr länger und intensiver trainiert. Vor allem haben wir an der Explosivität gearbeitet und wir konnten die neuen Spieler gut bei uns integrieren.

Was sind Ihre ersten Eindrücke vom neuen Trainer Gerardo Seoane und inwiefern unterscheidet er sich von seinem Vorgänger?

Er ist ein sehr kommunikativer, offener Typ. Er geht auf die Spieler zu und will mit uns reden. Auch seine Anweisungen sind klar. Gut finde ich auch, dass er nicht alles wechseln will, sondern nur kleine Veränderungen vornimmt. Sodass seine Handschrift erkennbar wird und wir uns Schritt für Schritt entwickeln können. Gegenüber Adi Hütter legt Gerardo Seoane etwas mehr Wert auf das taktische Grundverständnis und wie erwähnt sucht er auch etwas mehr den Austausch mit den Spielern.

Über den neuen Trainer, Gerardo Seoane, sagt Steve von Bergen: «Er ist ein sehr kommunikativer, offener Typ.»

Über den neuen Trainer, Gerardo Seoane, sagt Steve von Bergen: «Er ist ein sehr kommunikativer, offener Typ.»

Der grosse Ausverkauf ist bei YB bisher ausgeblieben. Auch die hochgelobte Offensive um Hoarau, Assalé und Fassnacht ist noch mit an Bord. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, dass die Transferaktivitäten bisher auch wegen der Weltmeisterschaft ausgeblieben sind. Deshalb dauert es etwas länger. Ich denke schon, dass der eine oder andere unser Team noch verlassen wird. Aber das spielt keine Rolle und ist kein Thema innerhalb der Mannschaft. Wir können das auffangen. Ich als Captain erwarte von solchen Spielern, dass sie, so lange sie da sind, Gas geben für YB. Und das tun sie.

Sie sind mit Marco Wölfli die Teamsenioren (beide 35), haben aber beide eine unglaublich gute Saison gespielt. Trauen Sie sich persönlich nochmals so eine gute Spielzeit zu?

Ja klar, sonst müsste ich ja nicht mehr mit dabei sein in dieser Spielzeit. Ich habe immer noch Lust und den Willen, in jedem Spiel auf höchstem Niveau agieren zu können. So lange ich konstant auf diesem Level spielen kann, macht es Sinn. Und als Captain will ich sowieso mit bestem Beispiel vorangehen.

Wie viele Spielzeiten hängen Sie nach dieser Saison noch an?

Ich mache mir diese Gedanken aktuell nicht und habe deshalb auch noch keine Ahnung, was nach meinem Karriereende sein wird.

Steve von Bergen (links) gehört wie Marco Wölfli zu den älteren Super-League-Spielern. Trotzdem stellt sich für von Bergen die Frage nicht, wie lange er noch weitermachen möchte.

  

Noch ein Ausblick in die untere Tabellenhälfte für die anstehende Saison: Für welche Teams wird es eng?

Eine Einschätzung abzugeben ist schwierig. Der Aufsteiger Xamax spielt auf hohem Niveau, die Spieler sind hungrig. Und sie können den Schwung vom Aufstieg mitnehmen. Beim FC Thun weiss man nie so recht und Lugano hatte letztes Jahr einige Mühe. Es wird spannend – auch weil es die Barrage wieder gibt und es in der Challenge League mit Servette, Lausanne und Aarau einige Teams mit viel Qualität hat.