Besuch im Kids Camp. Am Mittwochnachmittag sind die YB-Stars vom Stade de Suisse über die Strasse marschiert und haben auf der Allmend den Kleinen ein paar Tricks gezeigt. Auf dem Weg dorthin hat ein mutiger Youngster Renato Steffen an den Kopf geworfen: «Das 1:1 gegen Zürich war aber gar kein guter Saisonstart.» Auswärts sei das doch gar nicht so schlecht, hat sich der Flügel gewehrt.

«Er hat recht», sagt Steve von Bergen. Wer? Der Junge oder Steffen? «Renato natürlich», lacht der Captain der Young Boys, nachdem die einstündige Trainingslektion mit den Junioren unter sengender Sonne zu Ende gegangen ist. Es habe trotz der Hitze Spass gemacht.

Diese Jungs seien die Zukunft von YB, sagt von Bergen, um dann sogleich zur Gegenwart und dem 1:1 beim FCZ zurückzukehren. «Ein Unentschieden beim letztjährigen Tabellendritten ist okay. Wir sind nicht der FC Barcelona, sondern YB», sagt der 32-Jährige. «Aber wir wissen natürlich auch, dass wir besser spielen können als am letzten Samstag.»

Nichts im Vergleich zu Berlin

Die Frage, ob die viel zu passiv aufgetretene Mannschaft vielleicht dem selbst auferlegten Druck nicht gewachsen war, bringt von Bergen auf die Palme. «Druck, Druck, Druck! Alle sprechen vom Druck, aber das gehört doch zum Leben eines Profis. Damit müssen wir umgehen können», ereifert sich der Innenverteidiger. «Was glauben Sie, was ich in Berlin und Italien erlebt habe? Der Druck hier bei YB ist nichts dagegen», sagt von Bergen.

Aber jetzt hätten die Medien halt alle ihren Spass, wenn YB eins auf den Deckel bekomme, nachdem es angekündigt hatte, in dieser Saison Basel angreifen zu wollen. «Was hätten wir denn sagen sollen nach unserem zweiten Platz? Vielleicht, dass wir nun Dritte werden möchten? Dann wären wir zu Recht ausgelacht worden», sagt von Bergen.

Wofür haben wir 23 Spieler?

Der Romand ist sich sicher, dass YB auf dem richtigen Weg ist. «Das wird man schon gegen Luzern zu sehen bekommen.» Auch ohne den verletzten Hoarau, den mit Abstand gefährlichsten Offensivspieler der Berner? «Natürlich ist Guillaume ein enorm wichtiger Spieler», sagt von Bergen, «wofür aber haben wir 23 Spieler im Kader? Jetzt kann ein anderer beweisen, dass er in die Mannschaft gehört.»

Dies gilt möglicherweise auch noch am Dienstag, wenn YB im Stade de Suisse im Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde für die Champions League die AS Monaco empfängt. «Einen hochkarätigeren Gegner als den Halbfinalisten der letzten Champions-League-Saison hätten wir nicht bekommen können», sagt von Bergen. «Sulejmani und Benito haben in der letzten Saison bei Benfica gesehen, wie unglaublich defensivstark Monaco ist.»

Dennoch geht Teamleader und Nationalspieler von Bergen mit gutem Beispiel voran, wenn er sagt: «Zuerst spielen wir zu Hause. Hier haben wir viel Selbstvertrauen. Es wäre schon ein Traum für uns Spieler und den ganzen Verein, in der Champions League mitzuspielen. Ich selber habe dies ja auch noch nie erlebt.» Aber, sagt von Bergen, der Cup und die Meisterschaft seien wichtiger. Zum Beispiel das Super-League-Spiel morgen Samstag gegen den FC Luzern.