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Stehaufmännchen: Markus Babbel soll den FC Luzern wieder aufrichten

Für ihn ist in Luzern das Glas halb voll: Neo-Trainer Markus Babbel.

Für ihn ist in Luzern das Glas halb voll: Neo-Trainer Markus Babbel.

Der 42-jährige Deutsche übernimmt die Führung beim FC Luzern. Noch kein Sieg, vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer – die Situation der Innerschweizer ist bedrohlich, aber nicht hoffnungslos. Babbel erhält einen Vertrag vorerst bis Ende Saison.

Warum Markus Babbel? Klar, die Frage muss kommen, als der 42-Jährige Deutsche als neuer Trainer vorgestellt wird. Luzerns Sportdirektor Alex Frei überlegt – und spricht dann von der Fachkompetenz und Erfahrung des 42-jährigen Babbel. Als es scheint, Frei sei am Ende seiner Antwort angelangt, sagt er noch: «Und Markus hat die nötige Sozialkompetenz.» Sozialkompetenz? Frei geht nicht näher darauf ein. Ein Blick in die Vergangenheit von Babbel verrät, was gemeint sein könnte.

Prägende Schicksalsfälle

1989, Babbel ist 17 Jahre jung, nimmt sich sein Bruder das Leben. 2009 spricht er erstmals darüber, im Zuge des Suizids des deutschen Nationalspielers Robert Enke. Beide Vorfälle bezeichnet er als «Schicksalsfälle, die wahnsinnig sind».

Im legendären Champions-League-Final 1999 fühlen sich Babbel und seine Teamkollegen von Bayern München als sichere Sieger, da treffen Sheringham in der 90. Minute und Solskjaer in der Nachspielzeit doch noch zum 2:1 für Manchester United.

2001, mittlerweile spielt er in Liverpool, befällt ein Taubheitsgefühl erst seine Füsse, dann die Arme und schliesslich die rechte Gesichtshälfte. Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom, eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Drei Treppenstufen hochzusteigen werden zur Höchstbelastung, es gibt Bilder von ihm im Rollstuhl. Aber Babbel kämpft sich zurück, schon 2002 spielt er wieder in der Premier League.

Robuster Typ

Keine Frage: Babbel weiss, was es heisst, am Boden zu liegen. Und er hat es nach all den privaten Schicksalsschlägen und beruflichen Enttäuschungen geschafft, wieder aufzustehen. «Ich bin ein robuster Typ, so schnell gebe ich nicht auf», sagte er einst.

Vielleicht ist es diese Eigenschaft, die Alex Frei letztendlich dazu bewogen hat, Babbel zum Retter des FCL zu machen. Noch kein Sieg, vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer – die Situation der Innerschweizer ist bedrohlich, aber nicht hoffnungslos.

Babbel, 1996 Europameister mit Deutschland, will die verunsicherten Spieler stark reden: «Für grosse Taktik-Veränderungen ist die Zeit bis zum Wochenende zu kurz. Ich werde viele Einzelgespräche führen. Ich bin überzeugt, die Mannschaft hat Qualität.»

Nicht der eigentliche Wunschkandidat

So sehr Alex Frei gestern seinen neuen Trainer auch lobte – gewünscht hat er sich zu Beginn der Suche nach einem Nachfolger für Carlos Bernegger einen anderen. In der vergangenen Woche kam es denn auch zu Treffen mit Wohlens Ciriaco Sforza und dem Ex-Basler Thorsten Fink – beide lehnten ab.

Nun also der Bayer Babbel. Ein Schelm, wer denkt, die Weichen für die Verpflichtung habe Andreas Gross gestellt: Der Berner Rechtsanwalt zählt sowohl Frei als auch Babbel zu seinen Klienten. Zusammen handelten sie für den neuen FCL-Trainer einen Vertrag bis Ende Saison aus, der sich bei Erreichen des Ligaerhalts verlängert.

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