Einzig Joe Zinnbauers Bilanz ist perfekt. Es gibt ausser ihm keinen aktuellen – und vermutlich auch keinen gewesenen – Super-League-Trainer, der in Meisterschaftsspielen noch nie Punkte gegen den FC Basel abgegeben hat. Was jedoch vor allem auch damit zusammenhängt, dass es der Deutsche bisher noch nicht besonders oft mit dem Schweizer Serienmeister zu tun bekommen hat.

Genau genommen erst einmal, am 22. November letzten Jahres. An jenem Sonntagnachmittag schaffte es Zinnbauer in seinem zehnten Pflichtspiel als Trainer des FC St. Gallen, im Schnee der AFG-Arena den FCB mit 2:1 zu besiegen. Die Ostschweizer brachten es dabei als bisher einzige Mannschaft in dieser Spielzeit fertig, nach einem Rückstand gegen Rot-Blau noch zu gewinnen.

Zinnbauer ist derweil Realist genug, um damit zu rechnen, dass seine Basler Bilanz heute Sonntagnachmittag um halb vier nicht mehr blütenrein weiss sein könnte. Der 45-Jährige hat am Donnerstagabend im Fernsehen beim 0:0 des FCB im Europa-League-Spiel gegen den FC Sevilla vorgeführt bekommen, wie gut die Form des überlegenen Tabellenführers derzeit ist.

«Basel hat grossartig gespielt», sagt Zinnbauer und fügt demütig bei: «Wir können das Spiel geniessen und vom Gegner lernen.» Was natürlich nicht bedeutet, die St. Galler würden ambitionslos in die Nordwestschweiz reisen. Ein Punkt liege in Reichweite, hat Zinnbauer nämlich auch noch gesagt.

Warum St.Gallen hoffen darf

Dafür könnte er drei Gründe anführen. Erstens: Seine Mannschaft ist ebenfalls in einer tollen Verfassung. Sie hat aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt und zuletzt gegen GC einen überzeugenden 2:0-Sieg eingefahren. Zweitens: Die St. Galler haben sich in der jüngeren Vergangenheit fast schon zu einem kleinen Angstgegner für den FCB gemausert.

In den letzten sechs Ligaspielen haben sie gegen Basel dreimal gewonnen und nur zweimal verloren. Dabei war ihnen sogar nach zwölf Jahren erstmals wieder ein Sieg im St. Jakob-Park gelungen. Drittens: Zinnbauer spekuliert vermutlich auch ein bisschen damit, dass die Basler zwischen den beiden kapitalen Sevilla-Spielen angesichts ihrer 14 Punkte Vorsprung auf YB nicht mit der allerletzten Konsequenz bei der Sache sein könnten. Dafür aber mit dem einen oder anderen Gedanken bereits im Estadio Ramon Sanchez-Pizjuan.

«Sandwichspiele» liegen dem FC Basel

Allerdings haben sich die Basler in «Sandwichspielen» zwischen Europacuppartien ohne Ausnahme schadlos gehalten. Zwischen den Auftritten gegen Posen gab es ein 3:0 über Sion; zwischen jenen gegen Maccabi Tel Aviv ein 3:1 über Lugano und zwischen jenen gegen Saint-Etienne ein 5:1 über Vaduz. Eine allfällige Hoffnung, der FCB könnte sein Team etwas unterschätzen, kann Zinnbauer auch vergessen.

Denn FCB-Trainer Urs Fischer hat St. Gallens starke Leistung gegen GC zur Kenntnis genommen. «Wir sind gewarnt. Auf uns wartet ein unbequemer Gegner», sagt Fischer.
Anzunehmen ist gleichwohl, dass er den lange verletzt gewesenen Daniel Hoegh in die Innenverteidigung beruft.

Mit dem Zweck, dem Dänen vor dem Rückspiel in Sevilla Spielpraxis zu geben, da dieser eine Option darstellt, den dort gesperrten Walter Samuel zu ersetzen. Fischer ist trotz der Blessur von Verteidiger Michael Lang nicht bang: «Wir werden gegen St. Gallen eine schlagkräftige Mannschaft haben.»

Dass aus Sevilla die Kunde kam, der vife Flügelspieler Vitolo falle wegen einer Muskelverletzung für drei Wochen aus, dürfte Fischer aber erst ab heute Abend interessieren.